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Filmfest München:Award für den Komplizen

John Malkovich wird beim Filmfest München mit dem Cinemerit-Award ausgezeichnet. Der Schauspieler, Regisseur und Produzent jagt manchen Angst ein. Doch Laudatorin Veronica Ferres weiß: Eigentlich ist er schüchtern und sensibel.

Dass Veronica Ferres nervös ist, verwundert wenig. Sie hat ja nur noch wenige Minuten Zeit, um ihre Laudatio auf den Amerikaner John Malkovich vorzubereiten, der am Montagabend im Rahmen des Münchner Filmfests mit dem Cinemerit-Award ausgezeichnet wird.

Filmfest München - CineMerit Award für Malkovich

Die Schauspielerin und Laudatorin Veronica Ferres mit dem Cinemerit-Award-Gewinner John Malkovich.

(Foto: dpa)

Ferres sitzt in einem kleinen Saal im Gasteig und kritzelt in ihrem Redemanuskript herum, während Malkovich auf der Bühne Fragen der Gäste beantwortet. Nein, er gehört nicht zu denjenigen, die sich die Rollen aussuchen dürfen, sagt er. "Dazu zählen nur Leute wie Tom Hanks oder Tom Cruise." Understatement kann der 57-Jährige perfekt. Und dazu immer diese Malkovich-Mimik, also genauer gesagt: Nicht-Mimik.

Mit reglosem Gesicht und langsamen ruhigen Sätzen spricht Malkovich von seinen Erlebnissen mit Wolfgang Petersen, dem deutschen Regisseur ("Das Boot"), der "am Set manchmal von sich in der dritten Person spricht". Ein wenig Furcht einflößend wirkt Malkovich mit seinem stieren Blick auf die Zuhörer. Nur nicht auf Ferres, die ist ohnehin abgelenkt, und sie kennt diesen Blick nur zu gut.

Seit 15 Jahren sind die beiden befreundet, da sollte Ferres doch für die Laudatio etwas Treffendes einfallen und sie zudem einen Einblick geben können, was der ehemalige Biologie-Student aus den USA für ein Typ ist. "Er hat ja den Ruf, kalt und intellektuell zu sein", sagt Ferres. Doch das stimme nicht. "Als Beispiel: Wir haben uns damals kennengelernt beim Dreh für ,Ladies Room' in Kanada." Ferres war die einzige Nichtamerikanerin und fühlte sich "wie eine Waise".

Malkovich kümmerte sich um sie, nahm ihr die Aufregung und übte mit ihr jeden Tag eine halbe Stunde lang den Text. Ferres beschreibt den Menschen Malkovich so: "Wenn man zu Johns Kreis gehört, dann hat man einen Komplizen fürs Leben."

Ferres gehört zu diesem Kreis, und sie hat auch dazu beigetragen, den Hollywood-Schauspieler zum Filmfest nach München zu bringen. Einen Preisträger ganz nach dem Geschmack von Filmfestchef Andreas Ströhl.

"Malkovich ist zum einen einer der ganz Großen", sagt Ströhl, "und zum anderen einer, der sowohl für unterhaltendes als auch für anspruchsvolles Kino steht." Er hat in Action-Filmen wie "Con Air" oder "R.E.D." ebenso mitgespielt wie in kleinen Produktionen, etwa in "Drunkboat" vor zwei Jahren. Ströhl erhofft sich von einem wie Malkovich, das Blockbuster-affine Publikum auch ein wenig für die gehobene Filmkunst begeistern zu können. Zum Beispiel für "Colour me Kubrick", den Film, der zur Ehrung am Montag gezeigt wird. "Das ist ein abartiges, kleines Ding", sagt Ströhl dazu, in dem der "großartige Komiker" Malkovich einen Mann spielt, der sich als Stanley Kubrick ausgibt, den Regisseur.

Mittlerweile schwärmt Ströhl von dem Mann, doch zu Beginn war das anders. "Wenn man ihn kennenlernt, kann man schon mal Angst bekommen, wenn er zum Beispiel beim Lachen seine Zähne zeigt." Malkovich sei immer ruhig und anspruchslos, dabei extrem gebildet und eloquent. "Einer, der am Anfang eher scheu wirkt, bis er einen Menschen näher kennt. Er ist einer der charismatischsten und kultiviertesten Menschen, denen ich in meiner Zeit beim Filmfest begegnet bin", sagt Ströhl.

Und so ist ihm der Stolz anzusehen, als der Filmfestchef nach der Diskussion in der Black Box John Malkovich, den Schauspieler, Produzenten, Regisseur und Modedesigner, im Carl-Orff-Saal zur Preisverleihung ankündigen kann.

Die knapp 500 Gäste jubeln und klatschen für den Mann mit kroatisch-schottischer Herkunft. Ferres tritt hinter das Rednerpult, und ein wenig Nervosität ist noch in ihrer Stimme, als sie von Malkovich spricht, dem "verletzlichen, sensiblen und manchmal auch schüchternen Menschen". Als Malkovich die Bühne betritt, hat er wieder den typischen Malkovich-Ausdruck. Diese Miene, bei der man fürchtet, sie könne jeden Moment in einen boshaften, hinterhältigen Blick umschlagen. Tut sie nicht. Der Schauspieler - Meister der Bescheidenheit - sagt: "Ich bin gerührt." Dann zeigt er seine Zähne, und in diesem Moment sieht er ganz harmlos und glücklich aus.