Süddeutsche Zeitung

Film:Kreativ durch die Krise

Der Münchner Comedy-Thriller "Lockdown Movie"

Von Eric Hartmann

Es ist Mitte März, als der Lockdown ausgerufen wird. Weltweit werden Filmproduktionen abgesagt, eine ganze Branche liegt auf Eis. Auf einen Schlag fallen den Kreativen die Einnahmequellen weg, gleichzeitig haben sie sehr viel Zeit. Was also tun? Die Antwort der Münchner Produktionsfirma "Film Crew" lautet: Wir drehen einen Film, den "Lockdown Movie". Aus der Quarantäne, über die Quarantäne. Zwischen März und Mai hat das fünfköpfige Team ein Konzept erarbeitet und es im eigenen Büro umgesetzt.

"Für uns war wichtig, dass am Ende eine positive Message hängen bleibt", sagt der Regisseur und Autor Toby Schmutzler, der auch die Hauptfigur Simon spielt. Inspiriert wurde das Team durch die große Solidarität, die sich während des Lockdowns in Deutschland ausbreitete: "dieses Gefühl, wir alle halten zusammen, jeder trägt seinen Teil dazu bei und dann stehen wir das durch." Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, verzichteten die fünf auf weitere Hilfe beim Dreh. Eine riesige Herausforderung, denn gewöhnlich sind an Produktionen meist mehr als 50 Personen beteiligt. "Wenn wir eines können, dann ist es improvisieren", sagt Schmutzler. Das war auch notwendig, denn Ausgangssperre und Ladenschließungen führten dazu, dass das Team nur auf die eigenen Büroräume und vorhandene Requisiten zurückgreifen konnte.

Herausgekommen ist ein kurzweiliger Film über Simon, Praktikant in einer Produktionsfirma. Aufgrund des strengen Lockdowns sitzt Simon im Büro fest. Jeder Tag gleicht dem vorherigen, Simon verliert das Zeitgefühl. Schließlich entscheidet er sich, einen Film zu drehen - über sich selbst im Lockdown. Was auf den ersten Blick albern wirkt, entwickelt sich zum Setting für einen unterhaltsamen Comedy-Thriller. Wegen der kurzen Spielzeit von 57 Minuten entwickelt die komplexe Story ein hohes Tempo. Die erzählte Geschichte erinnert an Filmklassiker wie "Und täglich grüßt das Murmeltier" oder "Inception". Dennoch gelingt es den Machern, den bekannten Ideen eine eigene Handschrift zu verleihen. Im Bürogebäude der Filmcrew sind Szenen entstanden, die trotz beschränkter Möglichkeiten durch die Liebe zum Detail und den kreativen Einsatz von Requisiten getragen werden. An diesem Dienstag hat der Film Premiere. Um die Münchner Kinolandschaft zu unterstützen, werden die Einnahmen an "Kino, Mond & Sterne" gespendet. Am Donnerstag, 25. Juni, kann der Film online gegen Spende angesehen werden. So hoffen die Macher, die Produktionskosten wieder reinzubekommen.

Lockdown Movie, Dienstag, 16. Juni, 21.30 Uhr, Kino, Mond & Sterne, Westpark; Donnerstag, 25. Juni, 20.15 Uhr, Stream-Premiere unter www.lockdown-movie.de/livestream-premiere

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Quelle:
SZ vom 16.06.2020
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