Süddeutsche Zeitung

Kino:Trip ins Dunkle

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Mit der Reihe "Nachts im Museum" startet das Münchner Filmmuseum ins Kinojahr 2024.

Von Josef Grübl

Es ist kurz nach sieben Uhr abends in Los Angeles, dann ist es kurz nach zehn in New York. Danach springen die Zeiger auf kurz nach vier Uhr morgens in Paris und Rom. Und schließlich ist es kurz nach fünf in Helsinki. Im 1991 entstandenen Episodenfilm "Night on Earth" geht es hinaus in die Nacht; Regisseur Jim Jarmusch erzählt in fünf Geschichten von fünf Großstadt-Taxifahrern und ihren Fahrgästen. In den Taxis sitzen Stars wie Winona Ryder, Roberto Benigni, Beatrice Dalle, Gena Rowlands oder Armin Mueller-Stahl; mit ihnen werden diese Nachtgeschichten zum Vergnügen.

Mit diesem vielleicht schönsten und wahrscheinlich erfolgreichsten Jarmusch-Film meldet sich das Münchner Filmmuseum am 6. Januar zurück aus der Weihnachtspause, es ist Beginn und Ende zugleich. Den Beginn markiert ein neues Kinojahr und eine neue Filmreihe, beendet wird die Nachbarschaft zu den Kollegen des Münchner Stadtmuseums: Dieses schließt tags darauf seine Ausstellungen, die Gebäude werden generalsaniert. Für das Filmmuseum und das angrenzende Stadtcafé geht es aber weiter, sie bleiben bis Mitte 2027 geöffnet.

"Nachts im Museum" lautet der Titel der Filmreihe, mit der das Filmmuseum ins neue Jahr startet. Nach dem Auftakt mit Jim Jarmusch folgt am selben Abend ein weiteres cineastisches Schwergewicht: Martin Scorseses "After Hours - Die Zeit nach Mitternacht" aus dem Jahr 1985 ist eine schwarze Komödie über einen Büroangestellten (Griffin Dunne), der spätabends eine neue Bekanntschaft (Rosanna Arquette) treffen will. Auf dem Weg durch New York geht aber alles schief, was schiefgehen kann, sein letztes Geld fliegt aus dem Taxifenster, sein Date erscheint nicht, es regnet, und er wird für einen Einbrecher gehalten ... Michael Ballhaus stand hier erstmals für Scorsese hinter der Kamera, die beiden wurden in den Jahren darauf zu einem Dreamteam.

Mit einer Spätvorstellung geht dieser 6. Januar im Filmmuseum zu Ende: Um 23 Uhr steht "*(Star)" des österreichischen Künstlers Johann Lurf auf dem Spielplan, dieses Filmessay reiht Aufnahmen von Sternenhimmeln aus insgesamt 553 Filmen chronologisch aneinander. Einen Ausflug in die Nacht machte auch Chantal Akerman in ihrem 1983 entstandenen Film "Toute une nuit - Eine ganze Nacht". Und genau das zeigte die belgische Filmemacherin auch: Eine heiße Sommernacht in Brüssel, vom Anbruch der Dunkelheit bis zum Morgengrauen. Gezeigt wird dieser Film am 7. Januar.

Mit John Landis' 1985 entstandenem Thriller "Into the Night - Kopfüber in die Nacht" (am 9. Januar) und Clemens Klopfensteins Experimentalfilm "Geschichte der Nacht" aus dem Jahr 1978 endet am 10. Januar diese erste Filmreihe des Jahres 2024. Es geht aber gleich weiter, in den Tagen darauf starten die Retrospektiven der französischen Regisseurin Claire Simon und des britischen Filmemachers Alex Garland - sowie die Reihe "Frauen unter Palmen" über Filmemacherinnen beim Festival in Cannes.

Nachts im Museum, Filmreihe, ab Sa., 6. Jan., bis Mi., 10. Jan., Filmmuseum München , St.-Jakobs-Platz 1

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