bedeckt München 16°
vgwortpixel

Filialen in München:Die Geldsorgen der Banken

Eine der Filialen der Deutschen Bank, hier in Pasing.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Banken finden sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie viele Filialen ein Kreditinstitut braucht - angesichts immer weiterer Digitalisierung und Konkurrenz durch Onlinebanken.
  • Die Deutsche Bank schließt bundesweit 200 Filialen, das trifft auch München.
  • Zwei große regionale Banken, die Stadtsparkasse und die Münchner Bank, wollen dagegen die Nähe und den Kontakt zum Kunden wieder stärken.
  • Am radikalsten setzt die Hypovereinsbank auf die digitale Zukunft.

Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, da lud die Deutsche Bank ein, eine ihrer modernsten und umsatzstärksten Filialen zu besichtigen, am Münchner Marienplatz. Dort solle sich jeder Kunde so richtig wohlfühlen, wenn er einen Kredit abschließt oder sein Geld anlegt, hieß es da noch. Zum Beispiel im edlen, mit dunklem Holz ausgekleideten "Senatorenzimmer". Oder zwischen moderner Kunst, in Ikea-Ambiente, Typus: Student mit Ansprüchen. Jedem Kunden seine Wohlfühlumgebung, so sei es Strategie, betonten die Filialleiter damals.

Mit Wohlfühlatmosphäre ist es nun erst einmal vorbei. Die Deutsche Bank schlägt in ihrer überaus wechselvollen Geschichte des Umgangs mit dem Privatkunden mal wieder ein neues Kapitel auf. 200 ihrer gut 700 bundesweiten Filialen werden dichtgemacht, wie viele der knapp 30 Münchner Niederlassungen geschlossen werden, wird sich erst in den kommenden Monaten herausstellen. Und wie es mit der Tochter Postbank weitergeht, welche die Deutsche Bank an die Börse bringen wird, ist ebenso unklar.

Sicher ist: Die Bankenszene steht auch in München vor den gleichen Umbrüchen, denen sich der Handel seit einigen Jahren stellen muss. Es geht um eine Grundsatzfrage: Was bedeutet die Digitalisierung für die festen Standorte, für die Filialen? Wie weit haben sich die Kunden bereits für immer ins Internet verabschiedet, und wie viel persönlichen Service müssen Banken wie Handel noch bieten? Die Antwort heißt in beiden Fällen "Multichannel", Vertrieb über die Ladentheke und die Datenautobahn. Wie viele Bankfilialen dabei am Ende noch bleiben, und wie die künftig aussehen sollen, darauf finden die Banken derzeit sehr unterschiedliche Antworten.

"Wir ziehen um" klingt besser als "wir schließen"

Am radikalsten setzt die Hypo-Vereinsbank auf die digitale Zukunft. "Wir ziehen um!", steht zum Beispiel auf einem Plakat, das an der Filiale der Hypo-Vereinsbank in der Kazmairstraße im Westend hängt. Allerdings: an der dort aufgeführten künftigen Adresse in der Bergmannstraße gibt es bereits eine Filiale. Aber Umzug klingt nun einmal besser als zu sagen: "Wir schließen fast die Hälfte unserer Filialen, betroffen ist auch diese Niederlassung." Die Hypo-Vereinsbank dünnt ihr Netz derzeit kräftig aus, Anfang 2014 hatte sie in München noch 98 Filialen, Ende dieses Jahres werden es nur noch 61 Niederlassungen sein.

Deutsche Bank So will die Deutsche Bank sparen
Überblick
Neue Strategie

So will die Deutsche Bank sparen

Schrumpfen, sparen, profitabler werden: Die Deutsche Bank präsentiert ihre neue Strategie. Der Sparkurs trifft die Postbank - und 200 Filialen der Deutschen Bank.

Selbst am Münchner Flughafen wird es demnächst keinen Geldautomaten der einst stolzen bayerischen Bank mehr geben, deren Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. 2005 wurde die HVB Teil der Unicredit-Gruppe. Jetzt folgt die Unicredit in Deutschland einem bundesweiten Trend. Hierzulande haben Kreditinstitute in den vergangenen 20 Jahren insgesamt etwa die Hälfte ihrer Niederlassungen geschlossen.

Zwei große regionale Banken, die Stadtsparkasse und die Münchner Bank, haben eine andere Antwort gefunden: Sie wollen die Nähe und den Kontakt zum Kunden wieder stärken. Statt Filialen zu schließen, sollen gerade die einzelnen Niederlassungen wieder mehr Bedeutung erhalten. Dabei ist es noch nicht lange her, da hat auch die Münchner Stadtsparkasse ihr Filialnetz ausgedünnt, zuletzt im Herbst 2013, als sie neun der damals noch 89 Filialen schloss.

Damit ist erst einmal Schluss. Auf Plakaten wirbt die Sparkasse derzeit damit, dass andere Banken verschwinden, die Sparkasse aber bleibe. Und Ralf Fleischer, Chef der Münchner Stadtsparkasse, versichert, dass keine der stadtweit 80 Filialen geschlossen werde. Stattdessen sollen Beratungszentren, die vor einigen Jahren ausgelagert wurden, nun wieder in die Filialen integriert werden, um dort die Kompetenzen und Zuständigkeiten der Mitarbeiter zu stärken. Und das alles ohne Personal abzubauen, wie der Sparkassen-Chef ankündigt. Denn es gehe ja gerade darum, Kunden künftig besser betreuen zu können.