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Figurentheater:Geißlein allein zu Haus

Mit ihrer Märchenerzählung um "die sieben Geißlein" gewann Birte Hebold 2014 den Frankfurter Kinder- und Jugend-Theaterpreis "Karfunkel".

(Foto: A. Humburg)

Die Puppenspielerin Birte Hebold ist mit ihrer Interpretation des Grimmschen Geschwisterabenteuers mit dem Wolf in der Pasinger Fabrik zu Gast.

Eigentlich sind die sieben Geißlein ganz normale Kinder. Die Älteste ist sauer, weil sie so oft auf die Geschwister aufpassen muss. Die Zweitjüngste ist sauer, weil sie nicht mehr das Nesthäkchen ist, seit Vicky, die Jüngste, auf die Welt kam. Und die Brüder dazwischen, die haben eigentlich nur ihren Fußball und ihren Computer im Kopf. "Es sind halt eben Geschwister zwischen drei und dreizehn Jahren mit ganz unterschiedlichen Interessen, die sich häufiger mal anstänkern, auch wenn sie sich lieben", sagt Birte Hebold.

Die Puppenspielerin, die an der Hochschule Ernst Busch in Berlin studierte und sich nach ihrem Abschluss vor zehn Jahren unter dem Namen "Figurentheater Eigentlich" in Frankfurt selbständig machte, ist am Samstag, 20. Januar, mit einer Bearbeitung des Grimmschen Märchens "Die sieben Geißlein" in der Pasinger Fabrik zu Gast. Darin erinnert sich die mittlerweile groß gewordene Vicky an das spannendste Abenteuer ihrer Kindheit: Damals versuchte der böse Wolf sie und ihre Geschwister zu fressen, als sie trotz der guten Ratschläge ihrer Mama dem Zotteltier die Tür öffnen.

"Der Wolf ist bei mir keine Figur wie die Geißlein, in den verwandele ich mich selbst, mit einem Gebiss", sagt Hebold. Das Fressen inszeniere sie als eine Art "Versteckspiel", bei dem nur die Jüngste, Vicky, nicht gefunden werde, weil sie sich in einem Uhrenkasten verborgen hat. Sie ist dann auch diejenige, die der heimkehrenden Mutter den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib ihrer Geschwister geben kann. Die tatkräftige Frau rückt dem Kerl mit einer Schere zu Leibe, befreit ihre Kinder und füllt ihm den Bauch mit Wackersteinen.

Sie sei schon öfters gefragt worden, ob das wirklich sein müsse, dass der Wolf zum Schluss stirbt. "Bei mir ist er halt ein Sympathicus, gar nicht so übel, sondern ein einfacher Geselle, der eben Hunger hat", sagt Hebold. Trotzdem. Der Kerl gehöre in den Brunnen. "Es ist wichtig für die Kinder, dass sie erleben, dass der Bösewicht zum Schluss stirbt. Deshalb halte ich nichts davon, Märchen mit ihren Geschichten von Gut gegen Böse zu verändern und glimpflicher ausgehen zu lassen, als es in der Vorlage steht."

Die sieben Geißlein, ab 4 J., Sa., 20. Jan., 15 Uhr, Pasinger Fabrik, August-Exter-Str. 1, 089/8888806