Jahresbilanz der BrandbekämpferEinsatzrekord für die Münchner Feuerwehr

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Münchens Höhenretter können künftig modernste Technik einsetzen.
Münchens Höhenretter können künftig modernste Technik einsetzen. (Foto: Florian Peljak)

Mit nahezu 101 000 Einsätzen waren die Brandbekämpfer im Jahr 2024 so gefragt wie nie zuvor. Ein besonderes Team stellt sicher, dass die Retter auch unter Extrembedingungen einsatzfähig bleiben.

Von Charlotte Groß-Hohnacker

Ein Mensch befindet sich in einem Hochhaus in Not – die Höhenretter der Münchner Feuerwehr seilen sich von oben ab. Die Person steigt in ein gelbes Rettungsdreieck, wird gesichert und gemeinsam mit einer Einsatzkraft nach unten abgeseilt. Was wie ein Ernstfall wirkt, ist am 8. Mai nur eine Übung – und zwar zur Vorstellung der Jahresbilanz der Münchner Feuerwehr auf dem Gelände der Wache 8 in Unterföhring.

Präsentiert wird dabei auch der neue Gerätewagen zur Höhenrettung, mit dem die Spezialausrüstung für solche Einsätze zum Einsatzort gebracht wird. Bevor das Fahrzeug in den aktiven Dienst geht, zeigt die Feuerwehr der Öffentlichkeit, wie Einsätze ablaufen, wenn Drehleitern nicht mehr ausreichen.

Noch nie war die Feuerwehr München so häufig im Einsatz: 100 928 Mal rückten die Einsatzkräfte im vergangenen Jahr aus – ein Rekord. Im Vergleich zu 2019 ist das ein Anstieg um 25 Prozent. Dabei geht es nur selten um klassische Brände. Die Feuerwehr öffnet auch Türen, übernimmt Rettungsdiensteinsätze oder holt selbst die Katze vom Baum.

Großveranstaltungen wie die Konzerte von Taylor Swift und Coldplay oder die Spiele der Fußball-Europameisterschaft im Sommer gehörten 2024 ebenfalls zu den Aufgaben. Solche Events erfordern intensive Vorbereitungen und viel Personal.

Wegen der steigenden Einsatzzahlen – und mit Blick auf Münchens wachsende Bevölkerung – kündigte Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl den Bau von zwei neuen Feuerwachen an. Die Feuerwehr München, bestehend aus Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr, wird von der Branddirektion im Kreisverwaltungsreferat geleitet.

Ein besonders fordernder Einsatz im vergangenen Jahr war spektakulär, und das gleichermaßen in Termin und Ablauf: Am 24. Dezember 2024 brannte der Dachstuhl eines Seniorenheims im Stadtteil Lehel. 120 Feuerwehr- und 60 Rettungskräfte waren an Heiligabend im Einsatz, um das Gebäude zu evakuieren. Alle Bewohnerinnen und Bewohner konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Nachlöscharbeiten dauerten noch bis zum ersten Weihnachtstag an.

Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble bedankte sich ausdrücklich beim Team der Stressbearbeitung und kollegialen Betreuung (SkB) für dessen langjährige Unterstützung. Die 37 Mitglieder des Teams begleiten Feuerwehrleute nach besonders belastenden Einsätzen, 36 von ihnen zusätzlich ehrenamtlich zu ihrer normalen Arbeit bei der Feuerwehr.

Seit 25 Jahren leisten sie psychologische Ersthilfe, sprechen mit den Einsatzkräften über das Erlebte und helfen so, psychische Belastungen zu verarbeiten. „Anfangs wurden wir belächelt“, erinnert sich SkB-Leiter Joachim Heindle. Heute sind die Spezialisten ein fester Bestandteil der Feuerwehr – und tragen dazu bei, dass das Team auch unter Extrembedingungen einsatzfähig bleibt. Auch 2025 war das SkB-Team bereits im Einsatz, etwa nach dem Anschlag auf die Verdi-Demonstration im Februar und bei dem am Ende erfolglosen Rettungsversuch einer Surferin aus dem Eisbach.

Klassisches Feuerlöschen kommt gar nicht so oft vor.
Klassisches Feuerlöschen kommt gar nicht so oft vor. (Foto: Florian Peljak)

Schäuble zeigte sich bei der Bilanzvorstellung besorgt über eine neue Art von Brandentwicklung im Zusammenhang mit Holzfaserdämmstoffen. „Holz ist der älteste Baustoff der Welt – aber auch der älteste Brennstoff“, so Schäuble. Die Brände breiteten sich oftmals unkontrolliert in der Dämmung aus und dauerten teilweise über Stunden an. Trotz neuer Einsatztaktiken müssten sich Feuerwehrleute teilweise nach stundenlangen Kämpfen geschlagen geben.

Trotz städtischer Sparvorgaben freut sich der Oberbranddirektor darüber, sein Personal halten zu können: „Das ist auch ein starkes Statement für ein sicheres München.“ Derzeit zählt die Feuerwehr rund 1700 Mitarbeitende, darunter 27 Frauen – ein Anteil von 1,6 Prozent. Schäuble hofft aber, diesen Anteil steigern zu können.

Nicht alle Kontaktaufnahmen führen tatsächlich zu einem Einsatz: In der Leitstelle gingen 2024 rund 900 000 Anrufe ein – statistisch ruft also jeder zweite Bürger Münchens einmal pro Jahr dort an. Vom 1. September 2025 geht deshalb ein neuer Ausbildungszweig in Betrieb: 20 Nachwuchskräfte, darunter acht aus München, werden künftig direkt in der Leitstelle ausgebildet.

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