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Feueralarm beim Erzbischof:Weißer Rauch

Kardinal Reinhard Marx

"Gut Rauch!", soll Erzbischof Reinhard Marx gesagt haben - bald darauf kam die Feuerwehr. (Archivbild)

(Foto: dpa)

Plötzlich stand die Feuerwehr vor der Tür: Reinhard Marx und sechs Sternsinger haben mit ihrem Rauchfass einen Feueralarm im Erzbischöflichen Palais ausgelöst. Beim Weihrauch verlor der Kardinal im Überschwang offenbar das rechte Maß.

Von Jakob Wetzel

Gezündelt? Hätten sie keineswegs, sagt Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler. Es habe auch kaum gequalmt. Seine Sternsinger hätten im Erzbischöflichen Palais tüchtig eingeräuchert, das schon, aber auf Wunsch des Kardinals. Sie hätten auch nur ein kleines Stück Kohle verwendet, und das habe schon eine Weile geglimmt, es stammte noch aus dem Gottesdienst in der Maximilianskirche zuvor. Und den Weihrauch, den habe Erzbischof Reinhard Marx selbst aufgelegt. "Gut Rauch!", habe er gesagt. Doch offenbar hat er dabei im Überschwang das rechte Maß nicht ganz gefunden.

Am Montagmittag haben Kardinal Marx und sechs Sternsinger mit ihrem Rauchfass einen Feueralarm im Erzbischöflichen Palais ausgelöst. Der Kardinal hatte die Kinder - sechs neun- und zehnjährige Mädchen und Jungen aus der Pfarrei Sankt Maximilian in der Isarvorstadt - mit ihrem Pfarrer Schießler eingeladen, sie sangen und beteten in der Kapelle im Palais. Marx freute sich, der Kardinal erklärte den Sternsingern die Heiligenfiguren am Hochaltar. Und dann wollte er ihnen nur noch eben seine persönliche Krippe zeigen.

Die Sternsinger gingen die Treppe hinauf zur Privatwohnung des Kardinals. Dort sangen sie noch einmal "Oh du fröhliche" - aber sie kamen nur bis zur zweiten Strophe, dann tönte plötzlich infernalischer Lärm durch die erzbischöflichen Gemächer. "Ich dachte erst: Wer hat denn so einen scheußlichen Handy-Klingelton", sagt Schießler. Doch es war der Rauchmelder. Sofort landete das Rauchfass draußen auf dem Fensterbrett. Der Erzbischöfliche Sekretär versuchte noch, die Feuerwehr zu benachrichtigen, aber es war zu spät: Wenig später stand ein Löschzug vor der Tür.

Die Feuerwehrleute nahmen den Fehlalarm gelassen hin, sie bekamen ein Konzert der Sternsinger, dann zogen sie wieder ab. Auch Marx habe es mit Humor gesehen, erzählt Schießler: "Jetzt wissen wir, dass die Anlage funktioniert", habe er gesagt. Ein Nachspiel wird es nicht geben. "Da gab es keinen groben Vorsatz", sagt ein Sprecher der Münchner Branddirektion, die Feuerwehr werde wohl keine Rechnung schicken.

Und die Kinder? Die würden ihr Erlebnis so schnell nicht vergessen, glaubt Pfarrer Schießler. Schon die Anfahrt sei abenteuerlich gewesen: Pfarrer und Sternsinger waren nach dem Gottesdienst in Sankt Maximilian im Lieferwagen des Kirchenpflegers zum Kardinal gefahren, mit der glühenden Kohle im Weihrauchfass und mit geöffneten Fenstern, wegen des Qualms. Am Abend seien die Kinder geradezu begeistert gewesen, sagt Schießler: "Die wollen alle im nächsten Jahr wieder dabei sein."

© SZ vom 08.01.2014

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