Festnahme in Madrid:Münchner Imam in Spanien festgenommen

  • Die spanische Polizei hat den Imam Abu A. festgenommen, der auch einige Jahre in München gepredigt hat.
  • A. sagte stets, einen orthodoxen, aber friedlichen Islam zu vertreten. Er wolle zwischen den Kulturen vermitteln.
  • Erweisen sich die Vorwürfe als richtig, könnte das ein Trick gewesen sein, um Öffentlichkeit und Behörden zu täuschen.

Von Thomas Schmidt, München/Madrid

Die Polizei in Spanien hat einen mutmaßlichen Unterstützer des sogenannten Islamischen Staats festgenommen, der auch in München gepredigt hat und hier in Untersuchungshaft saß. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Abu A., ein Imam, der 2010 in den Medien als Münchner "Prügel-Prediger" bekannt wurde. Angeblich hatte er seine dritte Ehefrau krankenhausreif geschlagen. Die Vorwürfe wurden jedoch fallengelassen, Abu A. kam frei. Nach außen hin präsentierte er sich offensiv als Prediger für den Frieden und Vermittler zwischen den Kulturen. Wenn die aktuellen Vorwürfe der spanischen Fahnder stimmen, war das nur Fassade, ein perfider Trick, um Öffentlichkeit und Behörden zu täuschen.

Die spanischen Behörden erheben schwere Vorwürfe: Unter anderem soll der 46-Jährige dschihadistische Kämpfer bei ihrer Rückkehr aus Syrien und dem Irak mit Geld, Ausweisdokumenten und einem Unterschlupf versorgt haben. Abu A., der in Wahrheit Hasham S. heißt, wurde nach Angaben des spanischen Innenministeriums bereits Ende April in Teulada festgenommen, einer Gemeinde an der spanischen Costa Blanca in der Provinz Alicante. Zehn Stunden lang seien die Villa und das mehr als zehntausend Quadratmeter große Grundstück durchsucht worden, wo er mit 15 seiner 16 Kinder und drei seiner Frauen lebte, berichtet die spanische Información.

Die Behörden legen dem Prediger demnach zur Last, den Terrorismus zu verherrlichen und dschihadistisches Gedankengut zu verbreiten. Der Información bestätigte die spanische Polizei zudem, dass er IS-Kämpfern und deren Familien geholfen habe, nach Europa zu gelangen - vermutlich über die türkische Grenze. Nun sitzt er in einem spanischen Gefängnis.

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen Abu A. ermittelt wird. Der Imam hat eine große Statur, trägt einen langen grauen Bart, weiße Gewänder und auf dem Kopf oft ein rot-weißes Tuch. Äußerlich erinnert er stark an Osama bin Laden. Als staatenloser Palästinenser soll er in Ägypten aufgewachsen sein. Er studierte Koranwissenschaften und islamisches Recht, lebte in Libyen, Saudi-Arabien, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dann siedelte er nach Europa über, erst nach Rumänien, dann nach Deutschland. In München predigte er in einem alten Möbellager in der Ludwigvorstadt, der Darul-Quran-Moschee. Zeitweise war sie eine der größten und bekanntesten Moscheen Münchens, bis sie am 31. Oktober 2015 geschlossen wurde.

Wie Abu A. sagt, vertrat er dort einen konservativen, orthodoxen Islam, aber einen friedlichen. Der Verfassungsschutz hingegen berichtet, A. habe eine "salafistische Ideologie" vor einer beachtlichen Zahl an Gläubigen verbreitet. In seinen Predigten habe er Frauen herabgewürdigt, strikte Geschlechtertrennung propagiert und Muslime aufgefordert, sich von sogenannten Ungläubigen fernzuhalten.

Am 24. November 2010 traten Polizisten die Tür seiner Münchner Wohnung ein und nahmen ihn fest. Der Imam landete in Untersuchungshaft, 80 Tage lang. Seine dritte Ehefrau, eine damals 31 Jahre alte Syrerin, sagte aus, Abu A. habe sie mehrfach verprügelt, Blutergüsse und Knochenbrüche seien die Folge gewesen. Der Imam selbst erklärte, die Prellungen und Brüche seien die Folge von Stürzen, seine Frau leide an Epilepsie und falle deswegen häufig hin. Noch bevor der Fall vor Gericht geklärt werden konnte, nahm die Syrerin ihre Anschuldigungen zurück. Alles gelogen, sagte sie. Sie habe die Vorwürfe frei erfunden, um das Sorgerecht für die zwei gemeinsamen Kinder zu erhalten und die Scheidung nach islamischer Tradition durchzusetzen. Abu A. wurde entlassen.

Der Verfassungsschutz wies ihm keine Straftaten nach

Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung betonte der Imam, der sich von wuchtigen Bodyguards schützen ließ, damals, er sei Opfer eines "Rufmords" geworden. Er stehe für Frieden, wolle vermitteln, "dass nicht alle Muslime Monster sind". Weil er gegen den Terror predige, gerate er selbst in Gefahr, erklärte Abu A. Vermutlich weil sein Ruf in München trotz der Freilassung beschädigt war, ging er für eine Weile nach Leipzig.

Dort berichtete der Imam der Zeit ausführlich über seine Anstrengungen, junge Muslime vom radikalen Weg abzubringen. Er habe sein eigenes De-Radikalisierungskonzept entwickelt, sagte Abu A. Auf einen der Vorwürfe des Verfassungsschutzes, er habe drei Videos mit extremistischen Inhalten ins Internet gestellt, entgegnete A. in der Zeit, dies sei eine gezielte Provokation gewesen, "um die Extremisten aus ihren Löchern zu locken". Der deutsche Verfassungsschutz behielt ihn im Auge, wies ihm aber keine Straftaten nach.

Sein damaliger Münchner Strafverteidiger Thomas Pfister blieb über die Jahre in Kontakt mit Abu A. Die aktuellen Vorwürfe könne und wolle er nicht bewerten. Pfister berichtet aber, vor Kurzem habe A. ihm per Whatsapp eine Sprachnachricht geschickt. Er werde von ISIS-Terroristen mit dem Tode bedroht, habe sie gelautet.

"Mir gegenüber vertrat er immer die Linie, dass er friedlich zwischen den Kulturen vermitteln wolle", schildert Anwalt Pfister. Ob das eine Lüge war, um in Deutschland ein harmloses Image zu pflegen, wird nun die spanische Strafverfolgung klären müssen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema