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Festival "Rampenlichter":Junge Bühnenwelten

Als "Rudel" formiert sich die Gruppe "Saltazio".

(Foto: Uta Engel)

Das Festival "Rampenlichter" zeigt im Theater Schwere Reiter 13 Produktionen von Kindern und Jugendlichen. Eine Gruppe reist sogar aus Polen an.

Von Barbara Hordych

"Gerade habe ich mein Frühstück fotografiert und es auf allen Social-Media-Seiten gepostet, nur jetzt ist mein Toast kalt." Es ist eine ganz eigene satirische Sicht auf die gesellschaftlichen und politischen Absurditäten der heutigen Zeit, die der Musiktheaterclub "Kulissenkatzen" aus Gelsenkirchen beim Tanz- und Theaterfestival "Rampenlichter" präsentiert: Quer durch die Fernseh-Kanäle führt der bunte Theater-Abend, dessen Ausgangspunkt der Rücktritt von Kanzlerin Merkel ist. Weil es viel unterhaltsamer als eine Neuwahl scheint, soll nun als künftiger Regierungschef ein König von Deutschland mittels Castingshow ermittelt werden.

So kommt es, dass ziemlich verschrobene Kandidaten in der Sendung "Könige von Deutschland" um den Titel konkurrieren und dafür einige Peinlichkeiten und dümmliche Spiele über sich ergehen lassen (Dienstag, 11. Juli, 19 Uhr).

Die "Kulissenkatzen" sind eines von dreizehn Ensembles, die ihre Produktionen bei der Jubiläumsausgabe der "Rampenlichter" präsentieren Vor zehn Jahren startete das Festival, "damals noch in einer Mini-Variante mit nur vier verschiedenen Aufführungen", erinnert sich Festivalleiter Alexander Wenzlik, der das Programm von Anfang an gemeinsam mit seiner Kollegin Elisabeth Hagl zusammenstellt und als Kooperation des Vereins "Spielen in der Stadt" mit dem "Pathos" im Theater Schwere Reiter und auf dem Gelände des Kreativquartiers München durchführt.

Damals war die Resonanz direkt so groß, dass man sich mit der Unterstützung von Kulturreferat und Sozialreferat entschloss, "das Festival zu erweitern und zu verstetigen", wie Wenzlik sagt. "Dieses Jahr hatte unser Auswahlgremium die schöne, aber auch recht knifflige Aufgabe, aus achtzig ambitionierten und beeindruckenden Bewerbungen deutschlandweit und international dreizehn Gruppen herauszusuchen".

Ein Wermutstropfen erschwerte ausgerechnet dieses Jahr die Qual der Wahl noch zusätzlich. "Wegen geringerer Finanzierungszuschüsse mussten wir das Festival von zehn auf sieben Spielabende reduzieren; wir konnten deshalb nur dreizehn Stücke statt achtzehn wie noch im vergangenen Jahr einladen", sagt Wenzlik. Trotzdem habe man die bewährte Mischung beibehalten: Vier Münchner Gruppen sind bei der aktuellen Rampenlichter-Ausgabe vertreten, acht kommen aus ganz Deutschland und eine internationale Produktion - - heuer aus Polen - ist auch mit dabei.

"Großen Wert legen wir jedes Mal darauf, dass sich die Mitwirkenden vier oder fünf Tage bei uns in München aufhalten", sagt Wenzlik. Die Kosten für die Unterbringung und die Verpflegung übernehmen dabei die hiesigen Gastgeber, für die An- und Abreise müssten die Gruppen allerdings selber aufkommen.

Von der Bedeutung her sei das Münchner Rampenlichter-Festival vergleichbar mit dem Berliner Tanztreffen der Jugend, sagt Wenzlik. Genau so formulierten es auch die jungen Hildesheimer, die ihre Tanzproduktion "Das Rudel" zeigen (10. Juli, 19 Uhr). In einem Zeitungsinterview äußerten sie sich begeistert darüber, bei den beiden wichtigsten Jugendfestivals in Deutschland eingeladen zu sein. Zuerst stehe München auf dem Plan, im September folge Berlin.

Überhaupt sind es spannende Tandems, die Wenzlik und seine Mitstreiter an jedem Abend zu Doppelaufführungen zusammengespannt haben. Beispielsweise die beiden jungen Tänzer der Münchner Formation "Next Level", "zwei tolle Jungs, die sich ihre Performance No Limit ganz eigenständig erarbeitet und bislang nur in Jugendzentren vorgeführt haben", sagt Wenzlik.

Sie treten vor der Sprechtheater-Produktion "Überzeugungstäter" vom Jungen Nationaltheater Mannheim auf. "Da haben Sie gewissermaßen die ganze Bandbreite unseres Festivals: Auf der einen Seite ein völlig frei agierendes Duo, auf der anderen Seite eine Gruppe, die einem etablierten Theater angeschlossen ist und von dort Unterstützung erhält" (9. Juli, 19 Uhr).

Neben den 26 Abend- und Schulklassenaufführungen, an denen sich 200 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 27 Jahren beteiligen, gehören auch die Workshops zum wesentlichen Bestandteil des Festivals. "Gerade für die Schüler ist es immer wieder eine tolle Erfahrung, wenn sie bei den Akteuren, die sie zuvor auf der Bühne erlebt haben, anschließend in einen Workshop gehen", sagt Wenzlik.

Einen solchen bieten auch Chadrak Muleme und Islam Ismaili vom Team "Next Level" an. Da sie sich ihre Tanzstile haben selbst beigebracht hätten, seien sie geradezu prädestiniert, ihre Moves an jüngere Jugendliche weiterzugeben.

Rampenlichter-Festival, 7. bis 13. Juli, Theater Schwere Reiter, Dachauer Str. 114, 089/52300694

© SZ EXTRA vom 06.07.2017/amm
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