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Festival:Neu komponiert

Richard Strauss, 1934

Richard Strauss war nicht nur Komponist: Hier dirigiert er eines seiner eigenen Werke: den "Rosenkavalier".

(Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo)

Die Richard-Strauss-Tage sollen sich gesund­schrumpfen. In erster Linie will man die einheimische Bevölkerung ansprechen

Von Sabine Reithmaier, Garmisch-Partenkirchen

Verkürzt, verkleinert, ein neuer alter Name, aber immerhin hält Garmisch-Partenkirchen weiter an seinem berühmten Mitbürger fest und veranstaltet Richard-Strauss-Tage (vom 24. bis zum 27. Juni). Eine Erinnerung an die Anfangszeiten, denn so hieß die Reihe auch, als sie 1989 gestartet wurde.

Das Festival ist von bisher zehn auf vier Tage geschrumpft. Sämtliche Konzerte finden, abgesehen von zwei Musikwanderungen und einer Open-Air-Matinee, im Kongresszentrum statt, also ausschließlich in Garmisch-Partenkirchen und nicht mehr an jenen "Top-Locations" wie Zugspitze, Schloss Elmau oder Ettal, die der frühere künstlerische Leiter Alexander Liebreich so schätzte. Dafür sind die Eintrittskarten deutlich billiger geworden, die Preise bewegen sich zwischen 10 bis maximal 34 Euro pro Ticket. Ganz eindeutig also hat der Markt ernst gemacht mit dem Vorsatz, einerseits mit den Konzerten in erster Linie die einheimische Bevölkerung anzusprechen und andrerseits endlich die ewigen Defizite in den Griff zu kriegen.

Einen künstlerischen Leiter im klassischen Sinn gibt es nach dem Abgang von Liebreich nicht mehr. Für das Programm verantwortlich zeichnet die erst im Vorjahr gegründete GaPa Kultur GmbH, der auch das Richard-Strauss-Institut unterstellt ist. Dessen Leiter Dominik Šedivý hatte bereits im vergangenen August mit seinem Chef Michael Gerber, Geschäftsführer der GaPa Tourismus GmbH, im Gemeinderat ein "integratives Kulturkonzept" vorgestellt, das nun verwirklicht wird. Unter dem Namen "Musiksommer Garmisch Partenkirchen" werden künftig alle musikalischen Angebote des Markts, ob Strauss-Tage im Juni oder Rossini-Wochenende im September, ob Blasmusikonzerte, Orgelmusikabende, Open-Airs im Kurpark oder Hermann Levy-Tage zu einem musikalischen Gesamtkonzept gebündelt; auch externe Veranstalter finden Berücksichtigung.

Für die Strauss-Tage stellt der Markt den Organisatoren 110 000 Euro zur Verfügung, genau die Summe, die er sich 2020 durch die Corona-bedingte Absage des Festivals gespart hat. Wie hoch die Zuwendung des Freistaats ausfallen wird, ist noch unbekannt. "Wir hoffen auf eine großzügige Unterstützung", sagt Šedivý. Nur zum Vergleich: Liebreich hatte ein Budget von knapp einer Million Euro zur Verfügung gehabt, 330 000 Euro davon finanzierte der Markt.

Der Fokus des viertägigen Programms liegt auf dem Frühwerk des Komponisten, geplant sind sogar einige Uraufführungen. So wird die Wagner-Sängerin Petra Lang, die wie der Tenor Julian Prégardien einen Liederabend gibt, ein bislang unbekanntes Strauss-Lied uraufführen. Auch das Kammerorchester Camerata Salzburg wird die "Concertouvertüre h-Moll TrV 41" zum vermutlich ersten Mal zu Gehör bringen. Šedivý hat jedenfalls keinen Beleg dafür gefunden, dass das Werk schon mal gespielt wurde. Strauss habe das seinem Vater gewidmete Stück 1876 als Zwölfjähriger geschrieben, berichtet er, die Instrumentierung habe sein Tonsatzlehrer übernommen. Das Originalmanuskript sei bisher in Privatbesitz gewesen.

Zu hören sein wird auch Cellistin Raphaela Gromes mit der Erstfassung der Cellosonate op. 6 (TrV 115). In fast allen Konzerten wird auch Beethoven gespielt, gedacht zum einen als Hommage an den zu kurz gekommenen Jubilar des Jahres 2020, zum anderen um daran zu erinnern, dass Strauss nicht nur Komponist, sondern auch ein hervorragender Dirigent gewesen ist. Die Vorstellung seiner Einrichtung von Beethovens Sinfonie Nr. 4 übernimmt ebenfalls die Camerata Salzburg.

Ein weiteres Projekt des Musiksommers ist das erstmals stattfindende Rossini-Wochenende im September. Mit Pesaro, der Geburtsstadt von Gioachino Rossini (1792 - 1868), hat Bürgermeisterin Elisabeth Koch bereits vor knapp drei Jahren angebandelt. Sie fand es auch nicht schwierig, einen Zusammenhang zwischen den Komponisten herzustellen. So wie Strauss neben Wagner der Inbegriff deutscher Opernmusik sei, verkörpere Rossini dies für Italien, sagte sie. Außerdem passe eine kulturelle Zusammenarbeit zu einem international aufgestellten Ort wie Garmisch-Partenkirchen.

Doch jetzt kommen erst die Richard-Strauss-Tage und damit ein neuer Versuch, den Komponisten und seine Musik mit den Menschen im Ort zu verbinden und nicht nur Musikliebhaber anzusprechen. Das war eigentlich schon immer das Ziel des Festivals und aller künstlerischen Leiter gewesen. Vielleicht klappt es ja dieses Mal.

Infos unter www.richard-strauss-tage.de

© SZ vom 08.01.2021
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