Auf dem Gelände des ehemaligen Kieswerks Mächler in Waldperlach soll in diesem Sommer ein großes Musikfestival mit Zehntausenden Gästen stattfinden. Mit dem „Heartbeatz Charity-Open-Air“ belebe man eine seit Jahren brachliegende Fläche, sagt Leo Wagenhofer, der die Veranstaltung zusammen mit Christopher Kersten organisiert. Überdies werde man bei dem dreitägigen Event von 12. bis 14. Juni viel Geld für gemeinnützige Zwecke sammeln. Doch so begeistert Leo Wagenhofer klingt, wenn er von einem „einzigartigen Festival für die gute Sache“ spricht, so groß sind bei vielen Menschen in Waldperlach die Ängste vor dem einhergehenden Lärm, den Besuchermassen und deren Hinterlassenschaften.
„Wir sind uns alle einig, dass das kein geeigneter Ort ist für eine solche Veranstaltung“, sagt Thomas Kauer (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach (BA). Bei dem Gremium seien nach Bekanntwerden der Pläne sowohl Anwohnende als auch Vereine vorstellig geworden, die ein Musikfestival dieser Größe an dem Standort ablehnen. Ihre Kritik bezieht sich laut Kauer vor allem auf die fehlende Infrastruktur für eine solche Veranstaltung. Zudem würden Parkchaos, Müll und Lärm befürchtet. „In unmittelbarer Nähe des Geländes ist das Bettenhaus des Krankenhauses Neuperlach“, betont Thomas Kauer. Zudem liege die Fläche des einstigen Kieswerks „in einer sensiblen Lage, was Flora und Fauna angeht“, direkt am Landschaftsschutzgebiet und in der sogenannten Parkmeile, einem Grünzug entlang des Perlacher Walds.
In einer Stellungnahme moniert der Bezirksausschuss überdies die „völlig fehlende rechtzeitige Kommunikation mit den Anwohnern und dem BA“. Diesen Vorwurf kann Leo Wagenhofer nicht nachvollziehen. Vielmehr fragt er: „Warum sind sie nicht auf uns zugekommen?“ Schließlich ließen sich viele Sorgen und Ängste aus der Welt räumen, wenn man die Fakten kenne, ist der Veranstalter überzeugt. So sei etwa geplant, die Besucherinnen und Besucher auf Parkplätze in der Umgebung zu lotsen und von dort in Shuttlebussen zum Festivalgelände zu bringen. Hinsichtlich der Lärmbelastung habe man ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zeige, „dass wir an der nächsten Wohnbebauung gerade mal auf Werte von 65 bis 70 Dezibel kommen“, sagt Wagenhofer. „Das ist für drei Tage in dem Ausmaß absolut vertretbar.“
Ihr Heartbeatz-Festival soll laut Wagenhofer ein breites Publikum ansprechen. So werde am Freitag, 12. Juni, von 17 Uhr an vorwiegend „Mainstream-Musik“ unter anderem mit DJs wie dem Briten Cassö gespielt. Am Samstag stehe von 11 Uhr an vorwiegend Deutschrap mit dem Headliner Gzuz aus Hamburg auf dem Programm, ehe der Sonntag als „Familientag“ gedacht sei – unter anderem mit Hüpfburgen, einem Public Viewing des deutschen WM-Spiels gegen Curaçao und DJ-Star Robin Schulz als Höhepunkt des Musikprogramms. Tageskarten kosten ab 63 Euro. Das Festivalende werde an allen drei Tagen um 23 Uhr sein. Angemeldet sei die Veranstaltung für bis zu 20 000 Gäste, wobei Wagenhofer mit täglich circa 15 000 Besucherinnen und Besuchern rechnet. Die nötigen Vorarbeiten auf dem 47 000 Quadratmeter großen Areal sind ihm zufolge bereits in vollem Gange. Diese Woche wolle man mit der Einzäunung des Geländes beginnen.
„Neunzig Prozent der Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sind happy, dass diese Fläche endlich genutzt wird“, sagt der Veranstalter, der eigenen Angaben zufolge ebenso wie sein Partner seit Jahren in der Eventbranche tätig ist. In der Vergangenheit hätten sie bereits Veranstaltungen mit mehreren Tausend Gästen organisiert. Die Idee mit dem Musikfestival sei im Gespräch mit dem Grundstücksbesitzer des ehemaligen Kieswerk-Geländes entstanden, sagt Wagenhofer. Für jenes Areal nördlich der Fußballplätze an der Putzbrunner Straße hat es in den vergangenen Jahren verschiedene Pläne gegeben – von einer Wohnbebauung über Padel-Plätze bis zu Kleingärten. „Aus Sicht des BA ist das Festival eine Fortsetzung der Versuche, diese Fläche möglichst gewinnbringend zu nutzen“, sagt Thomas Kauer.


Leo Wagenhofer verweist auf die soziale Ausrichtung des Heartbeatz-Festivals. Ihm zufolge wird der komplette Gewinn aus dem Ticketverkauf an wohltätige Organisationen gehen; unter anderem kooperiere man mit der Deutschen Kinderkrebshilfe und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. „Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen und Familien in besonderen Lebenssituationen ein unvergessliches Festival-Erlebnis zu ermöglichen – und darüber hinaus nachhaltig Gutes zu tun“, heißt es auf der Webseite des Festivals. Dieses soll laut Wagenhofer „bodenständig, familiär und regional“ sein. Das werde sich auch im gastronomischen Angebot widerspiegeln.
Hinsichtlich der Genehmigung des dreitägigen Festivals sei man in engem Austausch mit dem zuständigen Kreisverwaltungsreferat (KVR), sagt Wagenhofer. Vonseiten der Behörde heißt es, dass die eingereichten Unterlagen aktuell geprüft würden. Mit Blick auf das anvisierte Veranstaltungsdatum Mitte Juni teilt eine Sprecherin des KVR mit: „Es handelt sich um ein neues Format an einer neuen Örtlichkeit. Die Prüfungen und Abstimmungen laufen derzeit. Grundsätzlich erscheint der Termin zum aktuellen Sachstand zumindest nicht unrealistisch.“

