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Festival "Kino der Kunst":Unbeirrt

Kino der Kunst

Szene aus dem Film "Tripoli Cancelled" von Naeem Mohaiemen.

(Foto: Dimitris Parthimos)

Auch in Corona-Zeiten sollen die Filme von Kino der Kunst auf der großen Leinwand gezeigt und nicht gestreamt werden. Eine riskante Strategie

Von Evelyn Vogel

Entweder ganz oder gar nicht, das war die Devise für das diesjährige Festival Kino der Kunst, das den Titel trägt "Verbotene Schönheit". "Die Filme zu streamen war keine Option", betont dessen künstlerischer Leiter Heinz Peter Schwerfel. Selbst als er im Frühjahr die Reißleine ziehen und das für April geplante Festival absagen musste, obwohl alles organisiert, die Künstler eingeladen, Flüge und Hotels gebucht und die Kinosäle reserviert waren. Auch als er selbst wochenlang in seiner zweiten Heimat Frankreich im Lockdown festsaß und nicht wusste, ob in diesem Jahr überhaupt noch ein Festival realisierbar sein würde. Dabei, so erzählt er, hatte er persönlich noch das Glück gehabt, dass er einen Tag zuvor Paris verlassen hatte und aufs Land gereist war. Dort konnte er die ersten Wochen des Corona-Lockdowns aussitzen. "Und dort war es so angenehm", ergänzt er lächelnd, "dass ich die Quarantäne freiwillig noch ein wenig verlängert habe."

Doch eines war Schwerfel auch damals schon klar: "Wenn wir das Festival dieses Jahr nicht mehr hinkriegen, haben wir erst einmal keine Chance mehr, es finanziert zu bekommen." Denn die Gelder, mit denen das bayerische Kunstministerium Kino der Kunst unterstützt, sind, so vermutet Schwerfel, nur noch für dieses Jahr gesichert. Das Festival war wegen Finanzierungsproblemen bereits von 2019 auf 2020 verschoben worden. Noch ein Jahr - das hätte das Aus für Kino der Kunst für mindestens die nächsten Jahre bedeutet. Denn, und da sind alle Beteiligten realistisch: Keiner weiß, wie viel uns die Corona-Pandemie noch kosten und ob in den nächsten Jahren noch Geld für derartige Kulturprojekte zur Verfügung stehen wird.

Also hat Heinz Peter Schwerfel alles daran gesetzt, Kino der Kunst in diesem Jahr zu realisieren, und zwar live und im Kino und mit möglichst vielen Filmen auf der großen Leinwand. Auch bei der mittlerweile vierten Ausgabe dieses Künstlerfilmfestivals will er wieder den Beweis antreten, "dass diese Filme, die in Museen oft auf kleinen Bildschirmen laufen, auch die große Leinwand aushalten".

Dass in diesen Tagen die Infektionszahlen wieder steigen und erneute Einschränkungen das Festival auf den letzten Drücker doch noch zu Fall bringen könnten, macht ihm natürlich Sorgen. Aber nun kann er nur noch dafür sorgen, dass die maximalen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden und hoffen, dass Kino der Kunst den Endspurt schafft.

Gezeigt werden sollen in sechs Tagen 45 Filme aus fast 30 Ländern, viele laufen in zwei Kinos an zwei Tagen hintereinander, weil auf Grund der Corona-Bestimmungen die Platzkapazitäten pro Vorstellung stark reduziert sind. Die Filme stammen vor allem aus den zurückliegenden beiden Jahren. Dennoch sind etliche der Filme Deutschland- oder Europa-, einige auch Weltpremieren. In den vergangenen sechs bis sieben Monaten tat sich so gut wie gar nichts auf dem Sektor. So ist Clare Langans Film "Heart of a Tree" ebenso eine Weltpremiere bei Kino der Kunst wie "The Boat People" von Tuan Andrew Nguyen und der von der FFF geförderte Experimentalfilm "Prisoners of the Body" von Elisa Maria Nadal, der zudem ins Rennen um den Studenten-Oscar geschickt wird.

Kino der Kunst

"The Boat People" von Tuan Andrew Nguyen.

(Foto: Tuan Andrew Nguyen and James Cohan)

Ein gern gesehener Dauergast und zeitweilig auch Jurymitglied ist Isaac Julien. Sein Film "Lessons of the Hour" wurde bislang nur in den USA gezeigt, aber noch nicht in Europa. Ebenfalls eine Europa-Premiere ist Matthew Barneys mehr als zweistündiger Film "Redoubt". Dabei ist der noch kurz im Vergleich zu seinem Opus Magnum "River of Fundament", das vor sechs Jahren anlässlich seiner Ausstellung im Haus der Kunst in einer sechs-stündigen Marathon-Session in der Staatsoper gezeigt wurde. Viele Filme aber sind experimentelle Kurzfilme zwischen etwa zehn und 30 Minuten.

Kino der Kunst

"Lessons of the Hour" von Isaac Julien.

(Foto: Isaac Julien)

Noch sind Künstlergespräche im Museum Brandhorst und der Pinakothek der Moderne geplant, die zudem live gestreamt werden. Schwerfel hat Interviews mit Künstlern geführt, die nicht anreisen können, und die online gestellt wurden. Und einige Formate hat man längst als Stream geplant, so das Symposium "The Art of the Moving Image in Digital Times", die Projekt Pitches sowie die Preisverleihung am Sonntag. Einen Vorteil der digitalen Ergänzung sieht Schwerfel immerhin: "Wir werden dadurch über München hinaus international wahrgenommen." Und das ist doch schön für die "Verbotene Schönheit".

Kino der Kunst: Verbotene Schönheit, 27. Okt. bis 1. Nov., HFF, City, Theatiner, www.kinoderkunst.de

© SZ vom 24.10.2020

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