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Festakt in der Residenz:"München muss sehr dankbar sein"

Der Vertrag für das israelische Generalkonsulat ist unterzeichnet. Schon nächste Woche nehmen die Diplomaten die Arbeit auf.

Christian Mayer

Bei einer Feierstunde in der Staatskanzlei haben der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und der israelische Außenminister Avigdor Lieberman die rasche Errichtung eines israelischen Generalkonsulats in München vertraglich geregelt.

Israels Aussenminister Lieberman zu Besuch in Muenchen

Über den Dächern von München: Israels Außenminister Avigdor Lieberman traf am Freitag auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch.

(Foto: dapd)

Bis ein geeigneter Standort gefunden ist, der vor allem auch das Sicherheitsbedürfnis der israelischen Diplomaten erfüllt, zieht die Vertretung in die Brienner Straße 19 - ein Gebäude direkt gegenüber der Bayerischen Landesbank. Ministerpräsident Seehofer und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude versicherten, dass der Freistaat und die Stadt alles tun werde, um möglichst bald eine dauerhafte Bleibe für das Konsulat zu finden.

Alle Redner begrüßten bei dem Festakt im Kuppelsaal der Residenz die Tatsache, dass Israel das erste Generalkonsulat in Deutschland ausgerechnet in München eröffnet - in der Stadt, die von den Nationalsozialisten einst zur "Hauptstadt der Bewegung" ausgerufen worden war. "München muss sehr dankbar sein für diesen bedeutenden Schritt", sagte Ude, der wie Seehofer die guten Beziehungen zu Israel, aber auch zur jüdischen Kultusgemeinde lobte.

Arbeit für das Generalkonsulat werde es genug geben: Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Bayern und Israel sind mit einem Volumen von 630 Millionen Euro im vergangenen Jahr sehr eng. Auch im Tourismus gebe es Bewegung: 2010 besuchten 20000 Besucher aus Israel die Landeshauptstadt, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 15 Prozent.

Generalkonsul soll ein erfahrener Diplomat aus dem israelischen Außenministerium werden: Tibor Shalev-Schlosser, der zuletzt bei den Vereinten Nationen in New York tätig war. Er wird die Arbeit mit seinen Mitarbeitern schon in der kommenden Woche aufnehmen. Die entscheidende Frage wird sein, wo das Konsulat dauerhaft untergebracht werden kann.

Polizisten bewachen das Gebäude rund um die Uhr

Wie zu hören ist, hätten die Israelis am liebsten ein repräsentatives Haus, das zugleich die sehr hohen Sicherheitsstandards erfüllt - doch entsprechende Immobilien etwa in Bogenhausen, wo sich etliche Konsulate befinden, sind schwer zu finden.

Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer geht davon aus, dass der Aufwand für die Sicherheit der neuen Vertretung ähnlich groß sein wird wie beim amerikanischen Generalkonsulat in der Königinstraße am Englischen Garten - das heißt auch, dass Polizeibeamte rund um die Uhr das Gebäude bewachen werden.

Auch ein Neubau oder ein Bürogebäude in einem äußeren Stadtviertel käme für das Konsulat grundsätzlich in Frage, wenn die Israelis das wünschten, sagte Oberbürgermeister Ude.

Die Initiative zu dem neuen Generalkonsulat ging vor zwei Jahren von Ministerpräsident Seehofer aus, der diese Möglichkeit bei einem Treffen mit dem israelischen Botschafter in Berlin, Yoram Ben Zeev, ins Spiel brachte. Der Botschafter hatte sich in Jerusalem für diese Idee stark gemacht, die bald darauf auch von Außenminister Lieberman unterstützt wurde.

Nach der Veranstaltung in der Staatskanzlei besuchte Lieberman gemeinsam mit Seehofer die Gedenkstätte für die israelischen Opfer des Terroranschlags bei den Olympischen Spielen 1972 in der Connollystraße, bevor er zurückflog.

© SZ vom 09.04.2011
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