Kleines Klassik-FestivalBotschafter vergangener Klangkultur

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Immer einsatzbereit: der Blick ins Klavier-Spiel-Museum.
Immer einsatzbereit: der Blick ins Klavier-Spiel-Museum. Thomas Zwillinger

Erstmals gibt es ein sechsteiliges „Fest der historischen Klaviere“ im Movimento München.

Von Oliver Hochkeppel

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Dass es in der Fußgängerzone, also mitten in der Stadt, ein Kulturforum gibt, seit vergangenem Jahr mit einem Museum und jetzt mit einem Festival, das dürften nur wenige auf dem Radar haben. Es handelt sich um das Movimento München in der Neuhauserstraße 15, das seit 2023 das Klavier-Spiel-Museum beherbergt und wo nun vom 30. August bis zum 13. September das „Fest der historischen Klaviere“ stattfindet.

Gegründet hat „Movimento München – Forum für Business und Kultur“ der Cellist Christian Jüttendonk. Nach dem Studium in Köln und Düsseldorf saß er von 1989 an im Rundfunk-Sinfonie-Orchester Luxembourg. Bis er diese Festanstellung 2002 aufgab, um sich „Musik und Mitspieler nur noch selbst auszusuchen“, wie er sagt. So konzertiert er seit Langem vorzugsweise mit der Pianistin Anne Schätz, er unterrichtet – und kümmert sich um das gleich nach der Kündigung eröffnete Movimento. Seminar- und Musiker-Räume und einen kleinen, bestens für Kammermusik geeigneten Saal kann man dort mieten, ob für kulturelle oder Business-Veranstaltungen. Anfangs gab es auch noch regelmäßig klassische „Mittagskonzerte“.

Seit dem vergangenen Jahr darf das Movimento auf eine neue Attraktion verweisen, das „Klavier-Spiel-Museum“. Eingerichtet hat es der aus dem Ruhrgebiet stammend Pianist Jürgen Plich. Seit seinem Umzug nach Bayern 2012 hat er sich vor allem mit seinen moderierten Klavierabenden auf Schloss Nymphenburg einen Namen gemacht. Und diese nun ins Movimento mitgenommen. Das Wort „Spiel“ steht also nicht ohne Grund im Namen. Denn zwar umfasst das Museum aus Platzgründen nur fünf stets wechselnde Exponate, dafür sind alle Klaviere und Flügel spielbereit und werden bei den Präsentationen jeweils am Sonntagnachmittag auch bespielt.

Aus diesen Terminen ist jetzt auch die Festival-Idee erwachsen. Und die begreift die alten Instrumente nicht wie üblich als Mittel der „historischen Aufführungspraxis“, sondern als „Botschafter einer anderen Zeit, die den Blick und die Ohren für eine gänzlich andere Weltwahrnehmung öffnen, wie sie uns heute vielfach abhandengekommen ist“, wie Plich sagt. Sechs Konzertabende sollen dies nun leisten. Los geht es am Freitag, 30. August, mit einem „heiteren Eröffnungsabend“. Plich selbst bespielt ein halbes Dutzend historischer Klaviere und Flügel, demonstriert dabei unter anderem, wie unterschiedlich dieselben Stücke auf verschiedenen Instrumenten klingen und führt in die stürmische Entwicklung der Klavierbaukunst im 19. Jahrhundert ein.

Pianist Jürgen Plich im Konzert.
Pianist Jürgen Plich im Konzert. Jürgen Plich

Am Sonntag, 1. September, geht es mit einem „böhmischen Klavierabend“ weiter. Tobias Bedrohl spielt auf dem Schwechten-Salonflügel von 1906 Werke von Josef Suk, Antonin Dvořák und Leoš Janáček. Beethoven steht dann am 4. September auf dem Programm, von Plich auf dem Koch & Korselt-Salonflügel gespielt und von Jüttendonk am Cello sowie dem Flötisten Norbert Girlinger begleitet.

In die zweite Festival-Hälfte geht es am 7. September mit Bachs Goldberg-Variationen, die Stefan Abelt auf dem in den 1860er-Jahren entstandenen oberstöckigen Stöcker-Konzertflügel spielen wird. Einen Schumann-Chopin-Abend gibt Plich am nächsten Abend auf dem Stoßzungen-Konzertflügel von Schiedmayer & Söhne aus dem Jahr 1866, bevor es märchenhaft zu Ende geht: Sabrina Khalil liest Ludwig Tiecks romantisches Liebesmärchen von der schönen Magelone, und Bariton Martin Berner singt, begleitet von Plich an einem Bösendorfer Konzertflügel von 1889, den dazugehörigen Liederzyklus von Brahms.

Das Fest der historischen Klaviere, Freitag, 30. August, bis Freitag, 13. September, jeweils 19 Uhr, Movimento, Neuhauser Straße 15, www.klavierspielkunst.at

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