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Fernsehen:Einmal Traumleben und zurück

Die Leute würden einem Klamotten zum Anziehen vor der Kamera geben, einem ein Auto hinstellen, "und man kommt in einen Kreis, in dem ohnehin fast alle erzählen, wie toll sie sind - bis sie es selbst glauben". Auch Nadvornik glaubte es, bis er seine BR-Kollegen mit Überheblichkeit nervte und mit seinen schlechten Vorbereitungen. Der junge Moderator glaubte, er könne sich alles erlauben, halb naiv, halb größenwahnsinnig.

Es habe gedauert, bis er das erste Mal reflektiert habe, sagt der 47-Jährige heute. Vielleicht bis zum Jahr 2011, als er von der Polizei angehalten wurde, weil er ohne Fahrerlaubnis und mit Handy am Ohr gefahren ist. Er sollte wegen wiederholter Verkehrsdelikte vor Gericht erscheinen, sein Anwalt versäumte es aber, dem Gericht mitzuteilen, dass Nadvornik bei dem angesetzten Termin moderieren müsse. Der Richter sagte, beim nächsten Mal werde er den Moderator von der Polizei abholen lassen, was er aber nicht tat. In einer Boulevard-Zeitung stand am Abend allerdings die Schlagzeile: Haftbefehl für Nadvornik.

Auch wenn Nadvornik später vor Gericht gegen die Zeitung gewann: Der Sender setzte ihn ab. Gerade ging es noch darum, ob er die Bundesliga-Sportschau moderiert, und im nächsten Moment war er arbeitslos. Nadvornik versuchte, woanders unterzukommen, niemand wollte ihn, 2014 gab er zum ersten Mal wieder Tennisstunden.

Was eine Erniedrigung hätte sein können, wurde seine Rettung. Kinder und Jugendliche, die sich mit einem ehrlichen "Hallo Wolfi!" auf ihn freuten, in einer Welt, in der nur der Ball im Feld zählt. In der es Lob nur für den gibt, der gut ist.

Jetzt ist Nadvornik wieder zurück, am Samstag moderierte er den Supercup zwischen Bayern und Dortmund, dann viele der 45 Spiele, die Eurosport überträgt, und dann natürlich Olympia. Seit Längerem ist er in zweiter Ehe verheiratet, seine Frau ist 40, sie wollen noch einmal Kinder. Seine Frau habe ihm in der schweren Zeit sehr geholfen, sagt er.

Es klingt alles wie ein Happy End. Vor lauter Reden ist es aber schwer zu erkennen, ob diese Geschichte von der Läuterung des früheren Starmoderators nun wirklich so ist oder eine gut komponierte eigene Heldensaga.

"Ich könnte jetzt wieder auf den Teppich aufsteigen", sagt Nadvornik. Und: "Ich bin jetzt so, wie ich bin."

© SZ vom 04.08.2017/vewo

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