bedeckt München 26°

Feldmoching:Unten durch

Grünstreifen links und Feld rechts von der Heppstraße Feldmoching. Ganz rechts im Schatten die Böschung der Autobahn.

In Sorge: Anwohner der Heppstraße begegnen den Bohrungen mit Skepsis.

(Foto: Florian Peljak)

Seit Jahren schon klagen Feldmochinger über nasse Keller. Sie machen den städtischen Nordwest-Sammelkanal dafür verantwortlich und wehren sich nun auch gegen die Bohrungen, die zur weiteren Sanierung nötig sind

In diesem Jahr ist es ruhiger geworden um den Nordwest-Sammelkanal, über den in Feldmoching seit Längerem heiß diskutiert wird. Ende 2015 hatte die Münchner Stadtentwässerung (MSE) den bisher letzten Sanierungsabschnitt abgeschlossen, im nächsten Jahr soll die Sanierung fortgesetzt werden. Und wieder wird das Vorhaben im Viertel von Unsicherheit und Kritik begleitet. Problematisch ist das für die Behörde, weil sie auf die Zusammenarbeit mit den Bewohnern angewiesen ist. Der Nordwest-Sammelkanal wurde Anfang der Neunzigerjahre gebaut. Er soll bei Starkregen Abwasser zurückhalten, damit es nicht direkt in die Isar fließt, sondern später in der Kläranlage gereinigt werden kann. Ein Gutachten der TU München hat bestätigt, dass beim Bau des Kanals Fehler gemacht wurden.

Das Grundwasser kann den Kanal nicht richtig umströmen, da das Material rund um den Kanal nicht durchlässig genug ist. Bauschutt und eine Schicht Beton auf dem Kanal blockieren den Grundwasserstrom. Düker sollten das Grundwasser deshalb um den Kanal herum leiten. Das Dükerrohr-System des Kanals ist aber nicht leistungsfähig genug. So wirkt der Kanal wie ein Damm, vor dem sich das Grundwasser bei Starkregen staut und den Feldmochingern - so ihre Klagen - nasse Keller beschert.

Die Stadt saniert den Kanal seit 2013. Um das Aufstauen von Wasser zu verhindern, werden etwa an bestimmten Stellen die Düker optimiert. Im aktuellen Bericht für den Stadtrat hebt die MSE hervor, dass die Maßnahme von 2015 zu einem "deutlichen Rückgang des Grundwasseraufstaus" geführt habe. Außerdem solle als nächstes der Kanal in der Heppstraße saniert werden. Der Verlauf der Heppstraße deckt sich teilweise mit dem Verlauf des Kanals im Untergrund. An einer Stelle der Straße hat die Stadt 2013 die Betonschicht über dem Kanal, den sogenannten Auflastbeton, abgetragen, was ebenfalls zu einer Verringerung des Aufstaus geführt habe. Im nächsten Jahr will die MSE in der Heppstraße an mehreren Stellen die Düker verbessern. Dort benötigt man das Einverständnis der Grundstückseigentümer. Seit vielen Monaten wird über die Genehmigungen verhandelt. Einen Teil davon hat die MSE, andere immer noch nicht.

Der Feldmochinger Otto Schömann wohnt mit seiner Frau an der Heppstraße und hat seine Zustimmung nicht erteilt. Dass die Sanierung nun trotzdem beginnen soll, hat Schömann, 65, erfahren, weil eines Morgens Ende November auf einmal eine Bau-Toilette vor seiner Tür stand, gedacht für die anstehende Baustelle. Direkt vor Schömanns Anwesen befindet sich im Untergrund einer der sanierungsbedürftigen Düker; dort müssen neue Zuflussrohre installiert werden. Die MSE möchte die Arbeiten nun offensichtlich dort und auf städtischem Grund, einem schmalen Grünstreifen und der Straße selbst, beginnen.

Schömann, Elektroingenieur in Rente, ist kein Gegner der Sanierung, er hat seine Erlaubnis nur deshalb nicht erteilt, weil ihm einiges unklar ist. Ihn ärgert, dass Vertreter der MSE ihm nie zusammenhängend erklärt haben, mit welchem Konzept die MSE den nächsten Abschnitt angehen möchte. Weil der anstehende Abschnitt vor Schömanns Gebäude so eng ist, muss die MSE ein "technisch außerordentlich anspruchsvolles Bohrverfahren" anwenden. Getestet hat die MSE dieses Verfahren an einer Stelle des Kanals, die 2015 saniert worden ist. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass dieses Verfahren auch in der Heppstraße möglich wäre. Schömann jedoch befürchtet, dass die Bohrung schädliche Auswirkungen auf sein Anwesen haben könnte. Und: "Wieso wird dort statt des Bohrverfahrens nicht der Auflastbeton entfernt?" Antwort der MSE auf SZ-Anfrage: Die Behörde geht davon aus, dass mit der Dükersanierung der größere Sanierungserfolg erzielt werde; die Überstrombarkeit des Kanals werde darum "überhaupt nur noch eine untergeordnete Rolle spielen".

Für Schömann ist auch relevant, dass die MSE nach wie vor nicht alle Genehmigungen beisammen hat. "Ich kenne drei Nachbarn, die genauso zweifeln wie ich und keine Genehmigung erteilen möchten", sagt Schömann. Er bezweifelt, dass die Maßnahme vor seinem Haus überhaupt sinnvoll ist, so lange an anderen Stellen vorerst nicht nachgebessert wird. Stattdessen, so Schömanns Furcht, würde das Wasser vermehrt an der Stelle vor seinem Haus durchfließen. Dadurch könne Bodenmaterial abgetragen werden. "Unser Haus könnte sich dann senken." Die MSE erklärt, dass "jede einzelne Maßnahme eine günstige Prognose hinsichtlich der Wirksamkeit" habe.

Noch fehlende Genehmigungen will die MSE in weiteren Gesprächen erhalten. Wie die MSE damit umgehen wird, wenn sie die restlichen Genehmigungen nicht mehr erhält, erläutert sie auf Anfrage nicht. In der Sitzung des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl, die an diesem Dienstag um 19.30 Uhr im Pfarrsaal St. Peter und Paul, Feldmochinger Straße 401, beginnt, will die Familie Schömann zweierlei fordern: Die Arbeiten sollen erst beginnen, wenn alle Genehmigungen vorliegen, und sie sollen dort starten, wo sich kein Wohnhaus in unmittelbarer Nähe befindet.