Feldmoching Hohe Kosten erhitzen die Gemüter

Sanierungsfall oder Ersterschließung? Die Stadt muss sich auf Antrag der Feldmochinger noch einmal mit der Schittgablerstraße beschäftigen.

(Foto: Florian Peljak)

Bei der Bürgerversammlung für Feldmoching-Hasenbergl teilt die Stadt mit, dass ein weiterer Anlieger, die Gewofag, für die Erschließung der Schittgablerstraße mitzahlen wird. Die Anlieger beharren darauf, es handle sich nur um eine Sanierung

Von Simon Schramm, Feldmoching

Zeitweise ist der Ton bei der gut besuchten Bürgerversammlung in Feldmoching-Hasenbergl scharf geworden. Es kamen Themen zur Sprache, die schon in vergangenen Jahren für Unruhe gesorgt hatten. Zudem sehen die Bewohner neue Probleme, die sich aus der jüngsten Entwicklung des Viertels ergeben.

Heiß umstritten

Mit Spannung war erwartet worden, wie die Verwaltung zum aktuellen Wut-Thema in der Lerchenau, den hohen Kosten für die Ersterschließung der Schittgablerstraße, reagieren würde. Petra Weber vom Baureferat führte aus, dem Referat sei bewusst, dass die Beiträge höher als üblich seien. Die Bewohner sollen zum Teil zwischen 86 000 und 131 000 Euro zahlen; als "Entsiedlungspolitik" bezeichnete ein Bewohner das. Weber sagte, der Straße fehlten Merkmale einer ersten Erschließung, wie etwa ein frostsicherer Unterbau. Sie wurde von einem brüllenden Anwohner unterbrochen: "Verarscht's uns ned!" Die Anlieger bezweifeln, dass es sich um die Ersterschließung handelt. "Das ist nur eine Sanierung", sagte ein Bürger; in diesem Fall müssten die Anlieger nicht die Hauptkosten tragen. Weber kündigte an, die Stadt werde Spielraum nutzen, um die Kosten zu senken - wenn sie ihn denn habe: "Alle Kosten, die umgelegt werden, prüfen wir sensibel." Einen Lichtblick nannte es Bezirksausschussvorsitzender Markus Auerbach (SPD), dass die Last der Kosten zumindest auf einen weiteren Teilnehmer verteilt wird: Die Gewofag wird ein anliegendes Areal bebauen. Die Forderung der Bürger an die Stadt, neu zu prüfen, ob es eine Ersterschließung ist, wurde angenommen.

Zweiter Aufreger im Viertel: die von der Deutschen Bahn geplante Reaktivierung der Feldmochinger Kurve, ein heute lückenhaftes, kurzes Verbindungsstück zwischen zwei Bahngleisen in der Nähe des Güterbahnhofs. Die Bewohner fordern einen umfangreichen Lärmschutz, etwa indem alte Güterzüge auf neue Techniken umgerüstet werden. Laut einem Vertreter des Planungsreferats erwartet die Stadt, dass zusätzlich 19 Züge täglich vorbeirauschen, nicht die gefürchteten 40. Die Deutsche Bahn hat der SZ mitgeteilt, dass die Feldmochinger Kurve in keinem Zusammenhang zu den Plänen stehe, wie der Güterzugverkehr künftig Richtung Brenner gelenkt werden soll. Das Eisenbahn-Bundesamt prüft derzeit die Planfeststellung.

Sicheres Viertel

"Im Jahr 2015 war die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, nicht einmal halb so groß wie im restlichen München. Im Zehn-Jahresvergleich wird sogar einer der Tiefstände erreicht", sagte der neue Leiter der Polizeiinspektion 43, Andreas Schaumaier bei der Versammlung. Die Gesamtzahl der Straftaten sei gesunken und die Aufklärungsquote gleichzeitig auf knapp über 60 Prozent gestiegen. Leicht gestiegen ist die Zahl der Verkehrsunfälle, von 2237 auf 2348.

Ungenehmigte Wohncontainer

Nahe dem Lerchenauer See befindet sich ein Areal, das den Anwohnern in den vergangenen Wochen suspekt geworden ist. Mehrere Bürger erzählten in der Versammlung, hinter einem Auto-Händler sei ein Abschnitt, auf dem bewohnte Container stehen. "Es sind etwa 30 Arbeiter" meinte ein Anlieger. Weil auf dem Areal nicht geparkt werden dürfe, würden die Bewohner die angrenzende Grieserstraße zuparken und das Umfeld zumüllen. Der Lokalbaukommission sind die Probleme bekannt. Es liege keine Genehmigung für die Nutzung vor, und es könne auch keine geben, da die Nutzung im Widerspruch zum Bebauungsplan stehe, teilte das Referat der SZ mit. Polizei und Bauaufsichtsbehörde werden sich in den nächsten Wochen ein Bild vor Ort machen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Mängel bei der Infrastruktur

Reinhard Bauer, Mitglied der SPD-Fraktion im Bezirksausschuss, formulierte den Vorschlag, in der Siedlung am Lerchenauer See einen provisorischen Nachbarschaftstreff einzurichten, falls eine feste Einrichtung sich längerfristig nicht realisieren lässt. Der Antrag wurde angenommen. Die GBW wird bald ihr Wohngebiet an der Linkstraße nachverdichten. Wegen der Bauprojekte im Stadtbezirk wiesen mehrere Bürger auf strukturelle Probleme hin: fehlende Nahversorgung, erhöhtes Verkehrsaufkommen. Ausbaubedürftig ist die Kinderbetreuung für Ein- bis Dreijährige: Der Versorgungsgrad im Bezirk liegt bei 54 Prozent, im Vorjahr lag die Quote noch bei 59 Prozent. Wieder einmal ärgerte sich ein Anwohner aus der Siedlung Ludwigsfeld über den nicht vorhandenen Fortschritt für den Ausbau der Karlsfelder Straße, die ohne Gehweg gefährlich für Fußgänger sei. Das Problem könnte sich verschärfen: Unmittelbar an der Straße soll im April eine Leichtbauhalle für rund 280 Geflüchtete aufgestellt werden.