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Feldmoching/Hasenbergl:Übertritt zur München-Liste

CSU-Sprecher Maximilian Bauer verlässt seine Partei

Den Winter scheint die Münchner Lokalpolitik übersprungen zu haben. Die Kommunalwahl ist zwar erst im März, doch schon jetzt regen sich Frühlingsgefühle, die bei manchem die Treue zur eigenen Partei auf eine schwere Probe stellen. Einige Stadträte sind den Verlockungen bereits erlegen, nun gibt es auch auf Stadtviertel-Ebene einen politischen Seitensprung.

Im Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl hat ausgerechnet der bisherige CSU-Fraktionssprecher Maximilian Bauer seine alte Partei verlassen und ist mit einer neuen durchgebrannt: mit der München-Liste, der jüngsten politischen Formation, die erst vor einigen Wochen das Parkett der Münchner Kommunalpolitik betreten hat. Ein Geschöpf lokaler Bürgerinitiativen, das mit denen liebäugelt, die der Wachstumskurs der großen Rathauskoalition enttäuscht hat.

Mit dem Übertritt von BA-Mitglied Maximilian Bauer erhält die München-Liste ihren stadtweit ersten Mandatsträger. "Die Leute müssen eine echte Alternative haben, die weniger bauen will und weniger Zuzug nach München", sagt Bauer. Der Zeitpunkt seines Wechsels ist nicht zufällig, denn in den kommenden Wochen diskutiert die München-Liste über die Vergabe ihrer Listenplätze. Die Entscheidung soll Anfang Dezember fallen. Dabei will Bauer nicht nur für den BA, sondern auch für den Stadtrat kandidieren. Versprechen habe es vor dem Übertritt zwar keine gegeben, aber der Initiator der neuen Liste, Dirk Höpner, unterstützt Bauers Kandidatur. "Es ist ein Zeichen, das hoffentlich auch andere dazu bewegt, zu uns zu kommen", sagt Höpner. Neben Kandidaten für den Stadtrat soll die München-Liste dann auch in einigen Bezirksausschüsse wählbar sein. Höpner denkt auch an Trudering, Berg am Laim, Fürstenried und Pasing - also überall dort, wo die Bürgerinitiativen stark sind.

Bei Bauers früheren Parteifreunden löst der unangekündigte Schritt Unmut aus. "Ich habe dafür kein Verständnis", sagt der stellvertretende Vorsitzende des BA, Rainer Großmann (CSU). Den Posten des CSU-Sprechers im BA nimmt von sofort an Martin Obersojer Junior ein.

17 Jahre lang saß Bauer für die CSU im BA und machte sich für den Erhalt des Bestehenden stark: für genug Platz am Feldmochinger Badesee und für die 28 Sport- und Kulturvereine, die er als Vorsitzender des Gesamtvereins Feldmoching vertritt. Doch jetzt habe er genug: "So kann es nicht weiter gehen. Die Parteien nehmen es als gottgegeben hin, dass 200 000 Menschen nach München ziehen wollen. Da kommt eine Flutwelle auf uns zu, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die uns überrollt", sagt er. "Ich stehe für die einfachen Leute mit Haus und Garten. Und deren Lebensstil ist gefährdet." Die CSU sehe die Probleme, aber sie steuere nicht dagegen. Auch die Debatte über eine Frauenquote beim CSU-Parteitag sei einer der Gründe für seinen Austritt gewesen. "Überall will man junge Frauen fördern, aber was macht man dann mit Männern über 50 wie mir?", fragt Bauer, der sich selbst wertkonservativ nennt. Ausschlaggeben für den Wechsel sei aber die Kommunalpolitik gewesen, etwa der Plan zur massiven Bebauung des Eggartens. Diesem haben auch die CSU-Stadträte zugestimmt - mit Ausnahme von Johann Sauerer, der inzwischen zur ÖDP übergetreten ist. "Ich will nicht, dass die Politik für den Stadtrand weiter aus der Stadtmitte gemacht wird", sagt Bauer und spricht damit ein Gefühl aus, mit dem er in diesem politischen Vorfrühling nicht alleine dastehen dürfte.

© SZ vom 02.11.2019