Feldmoching:Halb so viel ist mehr als genug

Nachbarschaftsvereine wehren sich gegen die städtischen Pläne für ein Neubaugebiet entlang des U- und S-Bahnhofes

Von Jerzy Sobotta, Feldmoching

Ein geplantes Stadtquartier entlang des S- und U-Bahnhofes Feldmoching stößt auf Ablehnung lokaler Nachbarschaftsvereine. Der Stadtrat hatte das Bauvorhaben für etwa 2100 Menschen, das auf Brachflächen entlang der Ratold- und Raheinstraße und den Gleisen gebaut werden soll, Mitte Juni in einer entscheidenden Abstimmung befürwortet. Gegen diesen Billigungsbeschluss legen zwei Nachbarschaftsvereine nun Einspruch ein.

In einem Schreiben an das städtische Planungsreferat listen der Eigenheimerverein Feldmoching und die Aktionsgemeinschaft "Rettet den Münchner Norden" zehn Punkte auf, die nach Ansicht der Verfasser gegen das Bauvorhaben sprechen. "Die Bürgerbeteiligung in München ist eine Farce", sagt Reinhard Sachsinger, Mitverfasser des Schreibens. Höchstens die Hälfte der geplanten 900 Wohneinheiten seien die Schmerzgrenze für eine Bebauung des Gebietes. So gut wie alle Anregungen aus der Bürgerschaft seien von den Planern bisher ignoriert worden. Zudem bemängeln die Verfasser, dass eine Frischluftschneise verbaut und der Artenschutz missachtet werde.

Neben allgemeinen Einwänden gegen zu viel Zuzug nach München haben die Vereinsvorsitzenden mehrere Gutachten ausgewertet, die verschiedenen Bauvorhaben in Feldmoching zugrunde liegen. Sie wollen widersprüchliche Angaben entdeckt haben. Die Vereine fordern deshalb einen Baustopp und die Überarbeitung der Planungen. Bis zum Mittwoch dieser Woche konnten die Bürger das Bauvorhaben kommentieren. Ob noch andere Einsprüche eingegangen sind, konnte das Planungsreferat bisher nicht mitteilen. Noch laufe die Prüfung.

"Machbare Vorschläge und berechtigte Einwendungen" hätten allerdings die Möglichkeit, in die Planungen einzufließen, versichert das Referat auf SZ-Anfrage. Doch eine grundsätzliche Überarbeitung ist so gut wie ausgeschlossen. Dass der Einspruch der beiden Vereine die Planungen wesentlich verändern könnte, glaubt selbst Sachsinger nicht. "Es ist sinnlos, aber wir wollen, dass der Bürgerwille gehört wird", sagt er. Die beiden Vereine gehören der Szene der Wachstumskritiker im Münchner Norden an, die gegen mehrere Bauvorhaben in und rund um Feldmoching kämpfen.

Sie sind Teil des "übergreifenden Bündnisses München-Nord", in dem sich auch Initiativen wie der Heimatboden befinden. Der setzt sich seit Jahren gegen ein gigantisches Neubauvorhaben auf den Feldern am nördlichen Stadtrand ein, besser bekannt unter dem Namen SEM-Nord. Vergangenen Monat hatte das Bündnis einen Stopp aller Bauvorhaben in Feldmoching gefordert.

© SZ vom 10.09.2021
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