Süddeutsche Zeitung

Feierliche Serenade zu Stoibers Abschied:Let it be

Ministerpräsident Edmund Stoiber geht - und Verteidigungsminister Franz Josef Jung ist das eine feierliche Serenade wert. Stoiber weint - fast. Aber dann ist die Zeremonie doch schnell vorbei.

Christina Maria Berr

Es war ein fast schon poetisches Bild, als kurz vor Beginn des Empfangs zum Abschied des Ministerpräsidenten ausgerechnet das Schild "Hr. Stoiber" von dem roten Stuhl neben dem Podest wehte. Auf dem Stuhl sollte später Edmund Stoibers Sohn Platz nehmen. Die Familie saß rechts vom scheidenden bayerischen Ministerpräsidenten, er selbst stand gemeinsam mit General Wolfgang Schneiderhan und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung auf einem roten Podest vor der Residenz.

Am Dienstagabend wurde Edmund Stoiber auf Einladung des Verteidigungsministers mit einer feierlichen Serenade und einem Fackelzug verabschiedet. Eine seltene Ehrung, die unter den geladenen Gästen immer wieder diskutiert wurde. Stoiber hatte sich unter anderem "Let it be" von den Beatles gewünscht. "Ich glaube, der kennt keine andere Musikgruppe", mutmaßte einer der Gäste.

Bei dem Song glitzerten die Augen von Stoibers Frau Karin. Der Geehrte selbst blickte während der Zeremonie mal auf die Schuhe, mal in den dunkeln, leicht wolkenverhangenen Himmel, kaute bisweilen auf seiner Lippe.

Vor der Serenade beim Empfang in der Residenz hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung ("Good by, lieber Bayerischer Ministerpräsident") angekündigt, die Gebirgsjägerbrigade nun mit dem Zusatz "Bayern" zu versehen und die Verdienste Stoibers für die Bundeswehr gelobt.

Stoiber bedankte sich mit einer ungewöhnlich kurzen Rede - vielleicht lag es am strengen, minutengenauen Protokoll der Bundeswehr - und versuchte sich schon mal mit der neuen Situation anzufreunden: "Gast zu sein und nicht Gastgeber, das hat was."

Günther Beckstein, bald nicht mehr Gast, sondern Gastgeber in der Residenz stand etwas abseits, wippte auf und ab und begrüßte - fast schon ein wenig Hausherr - freudig Nochumweltminister Werner Schnappauf und Landtagschef Alois Glück. CSU-Generalsekretär Markus Söder hatte zuvor einen Begrüßungsmarsch für den designierten Ministerpräsidenten vorgeschlagen. Der Vorschlag amüsierte Beckstein.

Nach Serenade und Fackelzug im Nieselregen stieg Stoiber schnell in einen Wagen und fuhr von dannen. Zurück blieben ein paar Bürger, enttäuscht, weil sie gar nichts gesehen hatten, auch nicht, ob Stoiber denn nun geweint hat. Hat er? "Er hat mit den Tränen gekämpft", meint ein Journalist. "Tränen hebt er sich für daheim auf", sagt ein anderer. Die Residenz liegt da schon wieder im Dunkeln. Ganz nach Protokoll.

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