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Feierbanane:Friedlicher feiern

Team für eine sichere Party: Kreisverwaltungsreferent Blume-Beyerle, Polizei-Vize Kopp, Jugendamtsleiterin Kurz-Adam (hinten) sowie Streetworker Treml und Jonic.

(Foto: Catherina Hess)

Vor zwei Jahren haben Stadt, Polizei und Clubs ein gemeinsames Projekt auf der Feierbanane gestartet, damit die Partymeile sicherer wird. Die erste Bilanz fällt positiv aus, nur die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen steigt weiter.

Von Alfred Dürr

"Ich will einfach Musik hören, mein Bier trinken, und in welchen Club ich dann am Abend gehe, weiß ich noch nicht." Die 22-jährige Sonja steht mit ihren Freundinnen entspannt am Tresen der Zeltbar. Es regnet an diesem Samstagnachmittag, mit Live-Musik muss man sich gedulden. Das Letzte, was Sonja und die noch relativ wenigen Jugendlichen auf dem Platz nun hören wollen, wären langatmige Reden von hochrangigen Münchner Behördenvertretern - und das auch noch bei Blitz und Donner.

Kreisverwaltungsreferent Winfried Blume-Bayerle, Polizeivizepräsident Robert Kopp, Jugendamtsleiterin Maria Kurz-Adam und David Süß vom Club Harry Klein sagen auch nur knapp "Hallo" ins Mikrofon und dass sie sich freuen, gemeinsam beim kleinen Open-Air-Festival auf der Grünfläche gleich um die Ecke vom Lenbachplatz zu sein.

"Cool bleiben - friedlich feiern" in München lautet das Thema des längerfristigen Projekts. Die Landeshauptstadt München, das Polizeipräsidium und die Betreiber der Innenstadt-Clubs haben vor zwei Jahren beschlossen, in enger Kooperation gegen Gewalt auf der sogenannten Feierbanane vorzugehen. Auf dem bogenförmigen Gebiet zwischen dem Café am Hochhaus in der Blumenstraße über die Sonnenstraße bis zum Bob Beaman in der Türkenstraße tobt die Münchner Partyszene in zahlreichen Clubs.

Jetzt war es Zeit, eine erste Bilanz der Zusammenarbeit für das friedliche Miteinander auf der Feiermeile zu ziehen. Und Musik zu hören, denn irgendwann hört der Regen auf. Bis 22 Uhr gibt es richtig Party mit mehr als 1000 Leuten sowie Auftritte unter anderem der Singer-Songwriterin MarieMarie oder der DJs John Digweed und Linus. Am Stand der Streetworker von Condrobs, die an Wochenenden und vor Feiertagen zwischen 23 Uhr abends und fünf Uhr morgens auf der Feierbanane unterwegs sind, kann man testen, wie Alkohol wirken kann. Die präparierte Skibrille macht deutlich, wie schlecht es sich mit einer Wasserpistole auf Gegenstände zielen lässt. Wenn man zu viel trinkt, geht eben vieles daneben.

Gläser und Flaschen als Schlag- und Wurfwerkzeuge

Harmlos ist das nicht. Die Zahl der Delikte in diesem Bereich ist im ersten Halbjahr 2014 zwar von 805 auf 742 gesunken. Auch bei einfachen Körperverletzungen ist ein positiver Trend zu erkennen. Dagegen gibt es bei gefährlichen Körperverletzungen einen weiteren Anstieg. Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden 80 Delikte begangen. Im Vorjahr gab es 67 Straftaten, bei denen häufig Gläser und Flaschen als Schlag- und Wurfwerkzeuge eingesetzt werden. Diese Gewalt war auch der Grund, warum vor zwei Jahren das gemeinsame Projekt gestartet wurde.

Die Polizei läuft verstärkt Streife, Wirte sprechen Hausverbote aus, das Stadtjugendamt hat Streetworker beauftragt. Das stärkste Mittel aber ist, dass das Kreisverwaltungsreferat Betretungsverbote gegen Gewalttäter verhängen kann. Das ist ein Novum für ein relativ großes Gebiet in der Innenstadt, bislang gab es solche Verbote zum Beispiel nur für den Orleansplatz in Haidhausen.

Seit Beginn des Feiermeilen-Projekts wurden 21 Betretungsverbote ausgesprochen, davon sechs in diesem Jahr. Bei einem Verstoß wird ein Zwangsgeld von 500 Euro fällig. Statt flächendeckender Verbote (etwa Verlängerung der Sperrzeiten oder Einschränkungen beim Alkoholausschank) setzt man gezielt bei der Person an, die ein Delikt begangen hat. Erfreulicherweise, sagt Blume-Beyerle, sei bis heute keiner, der ein Betretungsverbot erhalten hat, im Bereich der Feiermeile mit einer neuen Straftat aufgefallen.

Eine wichtige Rolle spielen die Streetworker. Sie sind mit ihren braunen Sportjacken (hinten ist groß "Respekt" aufgedruckt) und weißen Umhängetaschen leicht erkennbar. "Türsteher nehmen in brenzligen Situation Kontakt zu uns auf, oder wir helfen beim Nachhauseweg, wenn jemand völlig orientierungslos ist" erzählt Johannes Jonic. "Es war wichtig, mit gemeinsamen Aktionen zu beginnen", sagt Clubbetreiber Süß. Aktionen wie das Open-Air-Festival gehören dazu. Vielleicht trifft man sich im kommenden Jahr auf der Anlage neben dem Club Pacha wieder.

© SZ vom 04.08.2014
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