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Fehlerhafte Anmeldecodes, Konkurrenz-Angebote, mageres Resultat:Die Tücken einer Impfaktion für Lehrkräfte

Während Grundschulpädagogen die relativ geringe Nachfrage erklären können, will anderes Schulpersonal endlich geimpft werden

Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher wünschen sich eine rasche Impfung gegen Corona. Hier eine Lehrer-Impfaktion in Freising.

(Foto: Johannes Simon)

"Stadt beendet Impfaktion für Lehrer - weil kaum welche kommen" vom 27. April:

Enttäuschte Gymnasiallehrer

Das macht mich sprachlos! Ich weiß nicht, was mit den Grundschullehrern ist und ob die Zahlen stimmen. Ich weiß aber, dass es Tausende von Mittelschul-, Realschul- und Gymnasiallehrern gibt, die sich nur zu gerne impfen lassen würden. Bis vor zehn Tagen waren wir im Wechselunterricht: An unserer Schule - dem Michaeligymnasium - waren 800 Kinder und viele Lehrer im Haus. Alle Kinder zwar mit Schnelltests getestet, aber natürlich nicht geimpft. Auch an unserer Schule gibt es Notbetreuung bis weit in den Nachmittag hinein. Aufsicht machen Lehrer und die Mitarbeiter der Ganztagsbetreuung.

Wieso kommt die Stadt München nicht auf die Idee, den Impfstoff, wenn er denn von den Grundschullehrern nicht gewünscht ist, an die anderen Lehrer der Stadt zu geben? In anderen bayerischen Städten gibt es besondere Impfaktionen der Stadt für alle Lehrer, nicht nur für Grundschullehrer. In München ist nicht einmal das "Hop-on-Verfahren" möglich, das in anderen bayerischen Städten angeboten wird. München, du Weltstadt mit Herz, wie musst du deine Lehrer an weiterführenden Schulen lieben! Stephan Sprenger, München

Anderswo ging's schneller

Ich habe als Trägerin einer Münchner Kita die Situation völlig anders wahrgenommen. Das Angebot kam so spät und wurde dazu durch die Astra-Zeneca-Situation soweit verzögert, dass das Impfzentrum Riem und sogar Hausärzte schneller waren. Von meinen 25 Mitarbeitern waren 14 in Riem bei einem (wesentlich) früheren Termin, fünf hatten bereits Angebote des Hausarztes, nur vier waren im Isar-Klinikum. Auch kam vor, dass die Termincodes für das Erzieherimpfen, die vergeben wurden, zu wenige waren oder sogar fehlerhaft. Im Endeffekt gab es für 30 000 Lehrer und Erzieher ein dreifaches Angebot, bei dem das schnellere das Rennen gemacht hat. Deborah Neuburger, München

Keine Frage der Impfwilligkeit

Meines Erachtens passt die Überschrift nicht zu dem Artikel und suggeriert ein falsches Bild von der Impfwilligkeit der Lehrkräfte. Es ist halt schwierig, wenn Impfwillige sowohl über die Impfplattform angemeldet sind als auch gesondert aufgefordert werden. Wenn aber soviel Kapazitäten am Isar-Klinikum übrig sind, warum werden dann nicht Lehrer anderer Schularten zur Impfung eingeladen, die auch froh wären, endlich geimpft zu werden? Karin Wolf, Memmingen

Miserables Management

Danke für Ihren Artikel. Ich gehöre auch zu denen, die nicht an der Sonderimpfaktion teilgenommen haben, die für Lehrer und Erzieher (pädagogisches Personal) angeboten worden ist. Ich arbeite an einer Mittagsbetreuung in einer Grundschule. Sobald ich mich anmelden konnte, habe ich es versucht. Man musste im BayimCo (Bayerisches Impfzentrum) registriert sein. Dann musste man sich auf der Seite "wir impfen muenchen" mit einem von der Schule ausgeteilten Code anmelden. Die Seite war unglaublich schlecht programmiert. Ein Ausfüllen per Handy oder Tablet-Computer war unmöglich. In meinem Fall und bei einigen Kollegen gelang die Anmeldung leider nicht, die Codes wurden nicht erkannt.

Der Brief mit dem Anmeldecode war mir von meiner Schulleiterin ausgehändigt worden. Er kam vom Gesundheitsreferat, es gab weder einen Ansprechpartner noch eine Telefonnummer oder gar eine E-Mail zur Kontaktaufnahme.

Ich musste im Internet recherchieren, um an eine Telefonnummer des Gesundheitsreferats zu kommen. Der leider nicht sachkundige Mitarbeiter am Telefon sagte sinngemäß: "Ja, das Problem haben andere auch. Es liegt am Browser. Eventuell müssen Sie noch Java aktivieren." Stunden habe ich damit verbracht, alle Möglichkeiten auszuprobieren. Alles erfolglos. Schlussendlich habe ich eine verzweifelte Mail ans Gesundheitsreferat geschrieben. Die Standardantwort hatte ich sofort: "Wegen Corona ... zahlreiche Anfragen ... Antwort dauert länger ... Geduld ..." Ich habe dann an die Presseabteilung geschrieben und meine Verzweiflung geschildert. Nach einigen Tagen (meine Mail wurde mehrfach weitergeleitet) bekam ich eine Antwort vom Schulreferat: "Ja, es seien fehlerhafte Codes ausgeteilt worden, ich solle mich an die Schulleitung wenden." Keinerlei Entschuldigung oder ein Wort des Bedauerns! Und bevor ich dazu kam, mir einen neuen Code geben zu lassen, konnte ich in Haar (ich wohne im Landkreis) einen Termin ausmachen und bin noch Ende März geimpft worden. So wie mir ist es einigen Kollegen ergangen. Dass also so wenig Lehrkräfte und Erzieher das Angebot in der Isar-Klinik wahrgenommenen haben, liegt auch zum Teil daran, dass es manchmal unmöglich war, sich anmelden zu können! Das liegt mit Sicherheit an der Inkompetenz der am Anmeldeverfahren beteiligten Stellen (Gesundheitsreferat, Schulamt) und am Fehlen eines zuständigen Ansprechpartners. Karin Nickel, Neubiberg

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© SZ vom 03.05.2021
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