Fehlende Gelder Wohin mit der Auffangstation für Reptilien?

Der Biologe Patrick Boncourt und zwei seiner Schützlinge in der Reptilienauffangstation.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Reptilienauffangstation in der Kaulbachstraße ist seit 2008 auf der Suche nach einer neuen Bleibe.
  • Doch die Lösung, auf einem Grundstück nahe Dietersheim zu bauen, wird sich wegen Geldmangels nur schwer umsetzen lassen.
  • Staatliche Unterstützung bleibt bisher aus, im Haushalt 2016 wird das Projekt keine Berücksichtigung finden.
Von Magdalena Mock

"Achtung Giftschlangen, lebensgefährdend" steht auf einem Aufkleber an der Terrariumscheibe. Dahinter kringeln sich zwei junge Buschvipern. Auf dem Schreibtisch steht neben einigen Akten ein weiteres Terrarium mit Madagaskar-Fauchschaben, in der Ecke paddelt eine Rotwangenschmuckschildkröte im Aquarium.

Im Büro von Patrick Boncourt in der Münchner Auffangstation für Reptilien wird jeder Zentimeter Platz genutzt. "Sie sehen schon, bei uns ist es nicht ganz vorzeigbar", sagt der Biologe fast entschuldigend und weist mit der Hand auf die bröckelnde Farbe am Türstock.

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Jedes Jahr werden mehr Tiere versorgt

Die Station ist Mitte der Neunzigerjahre aus einer Privatinitiative der Reptilienklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hervorgegangen. Seit der Gründung des Trägervereins 2001 nutzt die Reptilienauffangstation den Keller der Tierärztlichen Fakultät. Seitdem ist sie stark gewachsen: Die knapp 350 Quadratmeter an der Kaulbachstraße teilen sich fünf Tierärzte, ein Biologe, sieben Tierpfleger mit gut 1000 Schlangen, Schildkröten, Krokodilen und Echsen. Die Hälfte der Tiere wird von Privatpersonen abgegeben. Die andere Hälfte wird entweder gefunden oder von den Behörden aus Artenschutz- oder Sicherheitsgründen beschlagnahmt. Im Schnitt bekommt die Reptilienstation 1200 neue Tiere im Jahr. 800 bis 900 können in der Regel weitervermittelt werden. Dennoch steigt die Anzahl der "Dauergäste" stetig an.

Dementsprechend beengt sind die Verhältnisse: Das "Büro" der Tierpfleger befindet sich auf dem Gang, provisorisch ist ein Tisch mit Computer aufgebaut, aus dem Schreibtischstuhl quillt der Schaumstoff. Einen Raum zum Umkleiden gibt es nicht. Auch was den Arbeitsschutz betrifft, liegt aus Platzmangel einiges im Argen. "Bei uns stapeln sich die Giftschlangen bis 3,50 Meter unter die Decke", sagt Boncourt. Das sei eigentlich nicht zulässig und ein Risiko für die Tierpfleger. Stationsleiter Markus Baur ist schon einmal von einer Kobra gebissen worden.

Die staatliche Unterstützung bleibt aus

Bereits seit 2008 ist man deshalb auf der Suche nach einer neuen Bleibe, auch, weil die Universität Eigenbedarf für die Kellerräume in der Kaulbachstraße angemeldet hat. Dann Ende 2014 die Chance: Durch eine zweckgebundene Erbschaft sieht sich die Tierstation in der Lage, zusammen mit dem Tierschutzverein Freising ein Grundstück nahe Dietersheim südlich von Neufahrn zu kaufen.

Doch im Moment befindet sich der Verein in einer akuten Notlage. Um das Areal für einen Neubau zu erschließen, ist er Verpflichtungen von 150 000 Euro eingegangen. Dafür hatte man fest mit Fördergeldern des Freistaates gerechnet, man glaubte, die entsprechend positiven Signale von Landtagsabgeordneten und vom Umweltministerium wahrgenommen zu haben. "Man hat uns gesagt, da ist ein Zuschuss drin, kümmern Sie sich drum," sagt Baur. Darauf habe er sich verlassen.

Doch die staatliche Unterstützung bleibt bisher aus. Zumindest im Haushalt 2016 wird das Projekt keine Berücksichtigung finden. Die Kosten für die Erschließung werden bis Ende März fällig. Sollte der Verein das Geld bis dahin nicht auftreiben, droht der Station das Aus. "Das ist für uns der Genickbruch", sagt Stationsleiter Baur.