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Feelgood-Komödie:Ziemlich bestes Langohr

"Mein Liebhaber, der Esel und ich": Eine Lehrerin geht mit einem Esel auf Trekkingtour. Der entpuppt sich als der Star von Caroline Vignals Kinohit.

Von Josef Grübl

Sehr süß, leider aber auch sehr störrisch: Die Lehrerin Antoinette (Laure Calamy) wollte eigentlich Ferien mit ihrem Liebhaber machen, stattdessen plagt sie sich auf einer Trekkingtour mit Esel Patrick ab.

(Foto: Wild Bunch)

Der wohl lustigste Esel ist der aus Shrek, der deprimierteste Esel der aus dem Winnie-Puuh-Film Christopher Robin. Die größte Esel-Verwandlungsszene findet in Disneys Zeichentrickklassiker Pinocchio statt, das tragischste Esel-Ende im Cannes-Hit The Lobster. Bei so vielen eselhaften Superlativen fragt man sich: Und was ist mit Patrick? Der langohrige Lastenträger aus der Feelgood-Komödie Mein Liebhaber, der Esel und ich ist weder lustig noch deprimiert, er kann sich nicht verwandeln und wird zum Glück auch nicht erschossen. Anders ausgedrückt: Patrick ist ein ziemlich normaler Esel, der auch nur manchmal bockt. Trotzdem ist er der Star des französischen Kinohits von Caroline Vignal, die im Jahr 2000 mit Les autres filles als Regisseurin debütierte und bis zu deren zweiten Film 20 Jahre vergingen. Sie erzählt nach eigenem Drehbuch die Geschichte der Lehrerin Antoinette (Laure Calamy), die eine Affäre mit dem Vater einer ihrer Schülerinnen hat. Als der Schuft es wagt, mit Frau und Kind in die Ferien zu fahren, reist sie ihm hinterher. Leider geht es nicht an den Strand, wo sie mit ihrem Liebhaber vielleicht in den Dünen verschwinden könnte, sondern in den Nationalpark der Cevennen. Und so plagt sich die Alleinreisende schon bald mit Begleit-Esel Patrick auf einer Trekkingtour ab. Das ist nett und ohne große Überraschungen erzählt, der Film hat eine schöne Leichtigkeit und den vermutlich süßesten Esel der Kinogeschichte.

Mein Liebhaber, der Esel und ich, Regie: Caroline Vignal

© SZ vom 21.10.2020

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