Süddeutsche Zeitung

FC Bayern München:Ein Trikot, das mit Traditionen bricht

Beim 3:1-Sieg im Supercup gegen Dortmund führt der FC Bayern seine neuen Champions-League-Trikots vor. Was es mit dem gezackten Muster auf sich hat.

Von René Hofmann

Scharfkantige Zacken, dazwischen in unregelmäßigen Abständen unterschiedlich fein gezogene vertikale Schraffuren: Die neuesten Kleider der Münchner Vorzeigefußballer sind außergewöhnlich. Beim 3:1-Erfolg im Supercup gegen Borussia Dortmund führte der FC Bayern am Dienstagabend vor, wie er künftig in der Champions League auftreten will, also nicht nur was Spielfreude und Ergebnis betrifft, sondern auch in welchen Trikots. Deren unruhiges Muster bricht gleich mit einigen Traditionen.

Bisher liefen die Münchner international in handgemalten, gedeckten Rottönen auf, die dem Rautenmuster der heimischen Arena nachempfunden waren und eher Kontemplation als Angriffslust ausstrahlten. Dass es nun wilder zugeht, ist einer neuen Heimeligkeit zuzuschreiben, so die Designer der Jerseys: Die Zacken seien von der Bergwelt inspiriert, die sich südlich von München auftut. Die Farben, das Weiß und das leicht ins gräuliche verschwimmende Blau, ahmen die Atmosphäre nach, die das Voralpenland ausstrahlt. Dass in der Champions League stets unter Flutlicht gespielt wird, dürfte bei der reduzierten Kolorierung auch eine Rolle gespielt haben. Die unruhige Anmutung sticht ins Auge, provozierte bei der Premiere in den Fanforen nicht nur wohlwollende Reaktionen und lehnt sich an die Camouflage-Optik der Hemdchen an, mit denen die Fußballprofis in dieser Spielzeit zum Aufwärmen losziehen.

Die unterschiedlichen Trikots sind für alle Vereine inzwischen nicht nur eine wichtige Einnahmequelle (die Bergzacken kosten, so wie die Profis sie tragen, im Vereinsshop knapp 140 und in einer etwas weniger edlen Version immer noch knapp 90 Euro), sie sind auch ein Mittel zur Markenpflege. Und beim Rekordmeister ist dabei ein interessanter Schwenk zu beobachten.

Nachdem der Klub die Bande zu der Stadt und dem Land aus denen er stammt, lange nicht wirklich herausstellte und bei jeder Gelegenheit betonte, wie wichtig doch Märkte wie China, die USA oder Katar seien, wendet er sich nun schon mit dem zweiten Leibchen der Heimat zu: Das Ausweichtrikot für den regulären Ligabetrieb, das vor einigen Wochen vorgestellt wurde, ist in den Münchner Stadtfarben Schwarz und Gelbgold gehalten und zeigt das Münchner Kindl. Auf der internationalen Bühne treten die Kicker nun in einer Hommage ans Münchner Umland auf.

Die Wurzeln betonen: Ein bisschen erinnert das an den Trend, den es auch bei einem anderen Genussmittel gibt - dem Bier. Auch dessen Schöpfer unterstreichen gerade ja gerne bei jeder Gelegenheit, wo sie Hopfen und Malz und Wasser zusammenbringen, weil sich gut geerdetes besonders gut verkauft.

Entsprechend fällt auch die vom FC Bayern verbreitete Prosa zum neuen Trikot aus: "Ich liebe die Berge, ich liebe meine Heimat, und ich finde es schön, dass wir dieses spezielle Lebensgefühl, das wir hier bei uns haben, mit diesem Trikot in der ganzen Welt anschaulich machen können", behauptet der in Weilheim geborene Thomas Müller auf der Vereins-Homepage, auf der auch Saki Kumagai zu Wort kommt, eine neue Spielerin der Bayern-Frauen: "Ich bin gerade erst zum FC Bayern gewechselt - und fühle mich vom ersten Tag an wohl: Berge haben für mich schon immer eine motivierende Wirkung, und sie erinnern mich an meine Heimat Sapporo." Die Stadt ist seit 1972, als hier wie dort Olympische Spiele stattfanden, eine von Münchens Partnerstädten.

Wie viel Miteinander und Symbolik sich doch in ein Shirt packen lässt. Noch einmal Saki Kumagai, mit der Herleitung, warum die Gipfeloptik sich für den FC Bayern nicht nur wegen der räumlichen Nähe zum Alpenhauptkamm aufdrängt: "Der FC Bayern ist bekannt dafür, dass er immer höchste Ziele hat - im Männer- wie im Frauenfußball. Deshalb sind wir alle hier."

Dass gleich jede Gegnerin und jeder Gegner weiß, woran er ist, steht hinten auf den neuen Champions-League-Gewändern wieder "Mia san Mia". Dass der Claim auf dem Münchner-Kindl-Trikot fehlt, hatte etlichen Fans gar nicht gefallen.

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