Von Joshua Kimmich, Michael Olise und Co. ist an diesem Vormittag an der Säbener Straße ebenso wenig etwas zu sehen wie von den Bauarbeitern – wiewohl man Letztere zumindest hören kann. So lassen die Geräusche, die der Wind vom wohl bekanntesten Trainingsgelände der Stadt herüberweht, auf geschäftiges Treiben schließen. Direkt neben dem bekannten Rolltor unter dem Wappen des Fußball-Rekordmeisters ragt ein Kran in die Höhe. Ein Teil der Straße ist gesperrt, der Fanshop geschlossen, und an den Metallzäunen hängen Banner mit Fotos der Bayern-Stars und der Aufschrift: „Wir bauen um!“
Seit Anfang Juni sind Teile des Trainingsgeländes des FC Bayern München eine Baustelle. Hier wird nicht nur das sogenannte Profihaus erweitert – wenngleich nicht in den Dimensionen, die vor einiger Zeit noch im Raum standen. Sondern obendrein bekommt auch der Fanshop ein neues Gesicht sowie ein gläsernes Guckloch auf die Trainingsplätze. Überdies werden Letztere umfassend erneuert, „um sie in Qualität und Spielgefühl noch enger an die Bedingungen der Allianz-Arena anzupassen“, heißt es in einer Mitteilung des Clubs. Die Umrüstung der Rasenfelder ist nach Angaben aus Vereinskreisen ein besonderes Anliegen der Profiabteilung gewesen – und im Speziellen von Trainer Vincent Kompany. Außerdem sollen alle drei Plätze einen neuen meterhohen Sichtschutz bekommen, der robuster ist als bisherige Lösungen. Zu den Kosten des Umbaus macht der FC Bayern keine Angaben. Ende Januar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Ungleich länger, nämlich zwei bis drei Jahre, hätte dagegen ein Neubau des Profi-Leistungszentrums auf dem Areal gedauert, für den der Verein 2024 einen Bauantrag bei der Stadt einreichte. Seinerzeit war von einer Investition in Höhe von 100 Millionen Euro die Rede. Doch diese Pläne werden jetzt nicht umgesetzt – noch nicht, wie es aus Vereinskreisen heißt. Demnach könnte der große Umbau künftig noch in Angriff genommen werden. So seien die jetzt angelaufenen Arbeiten bewusst so ausgelegt, dass sie einer späteren Umsetzung der ursprünglichen Pläne nicht im Wege stehen. Wobei deren Umsetzung wohl mit einer größeren Beeinträchtigung des Trainingsbetriebs an der Säbener Straße einhergehen würde – anders als dies jetzt der Fall ist.
„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Infrastruktur an der Säbener Straße weiterzuentwickeln“, zitiert der FC Bayern in der Mitteilung seinen Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen. „Die erneuerten Plätze, der modernisierte Reha-Bereich und die Erweiterung des Profitrakts schaffen weitere Trainings-, Diagnostik- und Rehamöglichkeiten – und somit noch bessere Voraussetzungen für unseren sportlichen Erfolg.“
Konkret wird das Profihaus, also das Leistungszentrum des Bundesligateams, um circa 1000 auf 3500 Quadratmeter erweitert. Unter anderem entsteht auf Wunsch von Vincent Kompany ein neuer Besprechungsraum im Erdgeschoss mit direktem Zugang von der Kabine auf den Trainingsplatz. Dort will der Coach Spielsituationen nach den Einheiten direkt analysieren. Zudem werden die Kabinen des Trainerteams vergrößert und die Ernährungsberatung des Clubs erhält eine eigene Küchenzeile, um die Spieler „individuell mit Snacks und Shakes zu versorgen“, wie es in der Mitteilung heißt. In den oberen Etagen werden die Reha- und Athletikflächen erweitert.


Die drei Trainingsplätze auf dem Gelände erhalten im Zuge des Umbaus moderne Hybridrasen-Systeme, neue Drainagen sowie eine Rasenheizung. Die Beleuchtung wird komplett auf LED-Technik umgerüstet. Zwischen den Feldern soll eine offene Grasfläche angelegt werden – als Aufwärmbereich und fürs Torwarttraining. Für den Umbau muss der sogenannte Ancelotti-Parcours weichen.
Dieses Fitnessareal mit Sprinthügel, Basketballkorb und Beachvolleyballfeld sowie Sand- und Rindenmulch-Becken für Barfußübungen war 2016 unter Ex-Coach Carlo Ancelotti errichtet worden. Vier Jahre später kam als Belohnung für den Triplegewinn noch ein Padel-Court hinzu, der nun ebenfalls abgerissen wird. Die Arbeiten an den drei Trainingsplätzen sollen dem Verein zufolge bis Ende September abgeschlossen sein.
Noch schneller geht es bei dem „FC Bayern Store“ genannten Fanshop an der Säbener Straße. Dessen Wiedereröffnung ist nach Vereinsangaben für Mitte August geplant – im Rahmen eines „kleinen Events mit einer Clublegende“. Die Verkaufsfläche des Geschäfts bleibt mit circa 250 Quadratmetern gleich. Das Interieur jedoch wird umgestaltet – mit neuen Böden, mehr Tageslicht, einer Kasse mit LED-Bande sowie Sitzmöglichkeiten, die laut Mitteilung die Fans „zum Verweilen einladen“.
Größere Anziehungskraft dürfte indes ein neues Panoramafenster ausüben, das den Blick auf die Rasenplätze freigibt. Von dort können Fans künftig ihre Stars beim Training bestaunen – aber nur, wenn es sich um öffentliche Einheiten handelt. Denn „bei Bedarf“, so heißt es in der Vereinsmitteilung, könne das Panoramafenster geschlossen werden, „damit der Trainingsbetrieb und die Privatsphäre der Profis geschützt bleiben“.


