Er war der Überraschungsgast auf der Meisterfeier des FC Bayern am Samstagabend in der Münchner Fußball-Arena: eine Kakadu-Statuette, die Trainer Vincent Kompany im rot-weißen Konfettiregen auf dem Podest aufbaute, auf dem kurz zuvor die Meisterschale gestanden hatte.
Was hat es mit dem Tier auf sich? Kompany selbst verweigerte im Interview mit dem Sender Sky zunächst eine konkrete Antwort: „Ich sag’s keinem“, versuchte der 39 Jahre alte Belgier abzuwiegeln, fügte dann aber noch an: „Die Geschichte kommt irgendwann raus.“ Und „Wir bringen’s zurück. Wahrscheinlich ist er jetzt mehr wert.“
Sportvorstand Max Eberl grinste, als er nach dem Geheimnis des Vogels befragt wurde. Ob er dieses aufklären könne, wurde der 51-Jährige gefragt. Seine Antwort: „Ich kann, aber ich will nicht.“


Inzwischen ist klar: Der Porzellan-Kakadu stammt aus einem Heim mit einem anderen tierischen Bezug – dem „Käfer“-Refugium an der Prinzregentenstraße im Stadtteil Bogenhausen. In dem feinen Restaurant hatten sich die Spieler des FC Bayern am vergangenen Wochenende versammelt, um gemeinschaftlich das Spiel zu verfolgen, in dem die 34. Meisterschaft des Klubs besiegelt werden konnte.
Durch das 2:2 von Bayer Leverkusen in Freiburg standen die Bayern vorzeitig als Titelgewinner fest. Im gediegenen Ambiente, das Sonntagsabends gewöhnlich geschlossen ist und das die Bayern deshalb ganz für sich hatten, brach daraufhin – so legen es Bilddokumente nahe – eine ausgelassene Party los. An deren Ende ließ einer die Kakadu-Statue, die als Dekorationselement gedient hatte, mitgehen.
Restaurant-Eigner Michael Käfer hat den Vorgang inzwischen bestätigt, zuerst der Bild-Zeitung: „Die waren einfach wahnsinnig gut drauf und hatten Spaß“, berichtete Käfer: „Die hatten Spaß und haben ihn dann halt mitgenommen.“
Aber wer genau? Jamal Musiala konnte oder wollte „dazu nichts sagen“, „ich sehe den zum ersten Mal“, sagte er in der Arena. Torhüter Jonas Urbig beteuerte: „Ich habe ihn jedenfalls nicht geklaut.“ Joshua Kimmich meinte: „Ich war es nicht.“ Die Party sei aber „auf jeden Fall wild“ gewesen: „Dementsprechend möge man es mir verzeihen, dass ich es nicht mitgekriegt habe.“
Ein besonderer Verdacht fällt auf Co-Trainer Aaron Danks. Ob dieser eine besondere Beziehung zum Vogel habe, wurde Kimmich gefragt. Dessen Antwort: „Zumindest schleppt er ihn überallhin mit. Ich denke, er muss noch eine Woche durchfeiern, der Kakadu.“ Danks selbst betonte: „Ich weiß von nichts. Er ist nur mein Freund.“
Am kommenden Sonntag um 13.30 Uhr werden die Spieler des FC Bayern zusammen mit den Frauen, die das Double gewonnen haben, auf dem Rathausbalkon am Marienplatz geehrt. Gut möglich, dass der Kakadu auch dort einen Auftritt hat. Klub-Kenner Lothar Matthäus ahnt, dass der Papagei zum Wahrzeichen für die aktuelle Auswahl werden könnte: „Er hat allen so gut gefallen, dass er zum Maskottchen wurde.“
Den materiellen Wert der Statue beziffert Restaurant-Chef Michael Käfer mit „um die 1000 Euro“. Zurückhaben will er das Tier nicht: „Der Kakadu soll bitte so lange wie möglich bei Bayern bleiben! Vielleicht ist er ein Glücksbringer, damit sie möglichst bald die nächsten Titel holen“, sagte der 67-Jährige der Bild-Zeitung. Die Geschichte mache ihn „wahnsinnig stolz“. Per Brief will Käfer dem FC Bayern die Schenkung anbieten.
Sein Haus und den Rekordmeister verbindet seit einiger Zeit schon einiges. Es war nicht die erste Meisterfeier, die in dem Restaurant stieg. Und auch der alljährliche Oktoberfestausflug des Vereins führt in die Schänke, die Käfer dort in einer nachgebauten Almhütte betreibt.


