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29. Meister-Titel, 19. Pokalsieg:Die Fans feiern vor allem Franck Ribéry

Viel beklatschter Auftritt: Franck Ribéry verabschiedet sich vom Rathausbalkon aus von den Bayernfans - und nicht nur Arjen Robben (links daneben) applaudiert.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Zum Saisonabschluss strömen rund 15 000 Bayern-Fans auf den Marienplatz, wo sie einen tief bewegten Franzosen erleben und einen sehr erleichterten Oberbürgermeister.

Als letzter Spieler steht Franck Ribéry auf dem Balkon. Immer wieder fasst er sich an sein Herz und reißt den Arm nach oben. Es war seine letzte Saison beim FC Bayern München, zumindest als Spieler. Zwölf Jahre hat er hier gespielt, und das wird gefeiert. "Ribéry, Ribéry, Ribéry", riefen die Fans schon lange, bevor die Mannschaft überhaupt eintraf.

Denn die lässt sich Zeit. Rund 45 Minuten zu spät kommt sie am Münchner Rathaus an - das Flugzeug hatte wohl Verspätung. Die 15 000 Fans, viele von ihnen schon seit Mittag auf dem Marienplatz, werden in der Zeit von einem DJ in Bayerntrikot unterhalten. Mia san Mia, Stern des Südens, Sportfreunde Stiller und zwischendurch das Titellied von Wickie und die starken Männer. Immerhin scheint die Sonne, und es gibt Bier.

Marienplatz

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Auch im Rathaus herrscht Gelassenheit. Oberbürgermeister Dieter Reiter, in Tracht und mit Fanschal, macht ein Foto mit dem Maskottchen Berni. Knapp 400 Sicherheitsleute sind laut dem Sprecher der Stadt, Stefan Hauf, im Einsatz. Dieses Jahr sind wegen der Baustelle in der Maximilianstraße die Fluchtwege besonders eng. Das musste entsprechend gut vorbereitet werden, und so wurde die Meisterfeier schon geplant, bevor die Mannschaft sie überhaupt gewonnen hatte. Aber anders gehe das nicht, sagt Hauf. "Umso schöner, wenn es dann auch etwas zu feiern gibt."

Eigentlich ist es ja schon fast Routine: Zum siebten Mal in Folge feiert der FC Bayern München die Meisterschaft auf dem Münchner Rathausbalkon, insgesamt ist es die 29. Und dazu noch der 19. Pokalsieg, nachdem Bayern München am Samstagabend 3:0 gegen RB Leipzig gewonnen hat. Wer hätte nach der vergleichsweise schwachen Hinrunde damit gerechnet?

Zu Feiern gibt es also einiges. Die Spieler, alle mit grünem Janker und viele mit dunkler Sonnenbrille, wirken aber fast gelangweilt - vielleicht haben sich aber nur zuvor schon zu lange gefeiert. Die Nacht sei kurz gewesen, berichtet Klubchef Karl-Heinz Rummenigge. Am Rathaus angekommen wird die Mannschaft erst einmal zum Empfang geleitet. Jérôme Boateng läuft im Rathaus alleine voran, Niklas Süle schwingt den Pokal, als handle es sich dabei um eine leere Plastikflasche, und nur Thomas Müller hält kurz an, um Fotos mit den Fans zu machen. Es folgen kurze Reden: Dieter Reiter wünscht sich nächstes Jahr den 30. Titel und den 20. Pokalsieg, außerdem Angriff in der Champions League, Karl-Heinz Rummenigge bedankt sich bei Reiter für die tolle Zusammenarbeit.

Auf dem Marienplatz werden die Fans in der Zwischenzeit von einer Cover-Akustikversion von Deichkinds "Remmidemmi" unterhalten. Das gefällt nicht allen, einige Fans pfeifen und strecken ihren Arm mit erhobenem Mittelfinger aus der Menge. Die Gitarristen verlassen sichtlich irritiert den Balkon. Dann endlich ertönt das Titellied von "Top Gun", Stadionsprecher Stephan Lehmann betritt den Balkon, bedankt sich bei den Fans und ruft: "Wollen wir sie rauslassen?" Auftritt Mannschaft, Rafinha trägt die Schale, Süle noch immer den Pokal. Beide Trophäen werden fotofreundlich am Balkon über dem FC Bayern-Logo drapiert.

Boateng, der offenbar schon mit dem FC Bayern abgeschlossen hat und auch am Samstagabend nicht wirklich mitfeierte, stellt sich hinten an die Wand, Müller winkt ins Publikum und Neuer singt "... the champions of the world". Zwischendurch tippen die Bayernstars auf ihren Telefonen, die meisten stellen sich in die linke Ecke in den Schatten.

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Stadionsprecher Lehmann zieht Franck Ribéry zu sich, den Liebling des Publikums. "Franck, wie war Manuel gestern?", fragt er ihn. "Überragend, brutal." Er sei der beste Torwart auf der Welt, die Nummer eins, sagt Ribéry und drückt Neuer gleich noch ein Küsschen auf die Wange. Dann richtet er sich ans Publikum. "Danke schön für alles. I love you. Merci", ruft der Franzose ins Mikro. Als der DJ "Les Champs Elysées" spielt, verzieht sich Ribéry auf den hinteren Teil des Balkons und weint. David Alaba umarmt ihn zum Trost. Vorne werden Arjen Robben und Rafinha gebührend verabschiedet.

Ein bisschen mehr Stimmung kommt am Ende doch noch auf. Müller grölt ins Mikrofon, die Fans gehen mit. Immer wieder feiern sie vor allem Ribéry und Trainer Niko Kovac. Ein paar Seitenhiebe gegen den Vizemeister der Bundesliga dürfen natürlich auch nicht fehlen. Er werde seinem Dortmunder Kollegen das süffisante Grinsen zurückgeben, das er letztens noch abbekommen habe, sagt Oberbürgermeister Reiter. Stadionsprecher Lehmann macht sich über die Bemerkung von BVB-Chef Hans-Joachim Watzke lustig. Der hatte im April, als noch nichts entschieden war, gesagt: Wenn die Meisterfeier auf dem Marienplatz stattfindet, kommen 3000 Fans plus 1500 Touristen. In Dortmund wäre der Titel eine andere Nummer.

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