Fassbinders Frauen und Männer:Der Mann, den Fassbinder unsterblich liebt

Lesezeit: 6 min

1968 landet Günther Kaufmann, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, in der Theatergruppe von Fassbinder. Der Regisseur verliebt sich unsterblich in den unehelichen Sohn einer Deutschen und eines afroamerikanischen Soldaten - und gibt ihm fortan Hauptrollen in seinen Stücken und Filmen. Doch Kaufmann, der mit einer Frau verheiratet ist, erwidert die Liebe nicht. Fassbinder reagiert darauf immer aggressiver, droht mit Rollenentzug. Es kommt zu Spannungen zwischen den beiden, zeitweise gehen sie beruflich getrennte Wege. In den Siebzigern spielt Kaufmann in zahlreichen bekannten Werken mit: Götter der Pest, Whity, Die Ehe der Maria Braun oder Berlin Alexanderplatz.

Nach Fassbinders Tod bleiben für Kaufmann nur noch kleinere, weniger erfolgreiche Rollen. Er gerät in finanzielle Schwierigkeiten, was seinem Leben schließlich eine dramatische Wendung gibt. 1992 wird bei seiner dritten Ehefrau Krebs diagnostiziert. Um an Geld für Medizin und Behandlungen zu kommen, betrügt Alexandra ihren Steuerberater um mehr als 500.000 Euro. Als der Steuerberater Verdacht schöpft, wird er 2001 in seiner Wohnung ermordet. Günther Kaufmann legt ein Geständnis ab, das er später widerruft. Offenbar haben angeheuerte Killer den Steuerberater auf dem Gewissen. Bis heute ist allerdings ungeklärt, wie tief Kaufmann wirklich in den Fall verstrickt war.

Nach seiner Haftentlassung interessiert sich die Öffentlichkeit plötzlich wieder für Kaufmann. Seine Biografie "Der weiße Neger vom Hasenbergl" erscheint, auf Münchens Roten Teppichen ist er ein beachtetes Motiv. Er spielt 2009 den Bösewicht Der schreckliche Sven in Wickie und die starken Männer und zieht ins Dschungelcamp ein. Doch die ganz großen Rollen bleiben weiter aus. Zuletzt wirkt er in der gelungenen Verfilmung der ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" mit. Am 11. Mai 2012 stirbt Kaufmann im Alter von 64 Jahren bei einem Spaziergang in Berlin - an einem Herzinfarkt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema