Fassbinders Frauen und Männer Liebe, Hass und Sehnsucht

Manche förderte er, andere unterdrückte er: Viele Künstler haben sich im München der siebziger Jahre dem exzentrischen Regisseur Rainer Werner Fassbinder ausgeliefert. Die Biografien seiner Begleiter sind ähnlich filmreif wie seine eigene.

Von Lisa Sonnabend

Rainer Werner Fassbinder ist der wohl bedeutendste Regisseur der deutschen Nachkriegszeit. Zwischen 1969 und seinem frühen Tod 1982 hat Fassbinder mehr als 40 Kino- und Fernsehfilme geschaffen. Seine Filme verstören und faszinieren - und wühlen noch heute ein Publikum in der ganzen Welt auf.

Ließ sich von Fassbinder quälen: Irm Hermann.

(Foto: Reuters)

Doch auch sein eigenes Leben ist alles andere als normal gewesen: Er trank exzessiv, nahm Drogen, sexuelle Grenzen kannte er nicht. Gegenüber manchen Personen in seinem Umfeld verhielt er sich so rücksichtslos, dass sie an ihm zerbrachen. Andere förderte er derart, dass sie zu Weltstars wurden. Die Biografien einiger Begleiter sind ähnlich filmreif wie seine eigene. Sechs Porträts.

Irm Hermann

Irm Hermann lernt Fassbinder in den sechziger Jahren kennen. Sie ist vom Anfang seiner Karriere an dabei. Hermann ist fasziniert von dem Regisseur und zieht bei ihm in der Kreativkommune ein. Fassbinder gibt hier den Ton an und lässt seine Launen an den anderen Mitbewohner aus. Irm Hermann ist dabei besonders oft Opfer der grausamen Spielchen des Regisseurs. Er demütigt sie vor allen anderen - in der Wohnung oder beim Dreh. Manchmal soll er sie sogar geohrfeigt haben. Als sich Irm Hermann einmal auf das Fensterbrett stellt und droht, von dort hinunterzuspringen, soll Fassbinder gerufen haben: "Dann spring doch, du blöde Sau!"

Doch Irm Hermann bleibt in Fassbinders Umfeld - aus zwei Gründen: "Ich hätte auf die Knie gehen können vor ihm, so toll fand ich ihn. Ich hätte alles für ihn getan", hat sie einmal gesagt. Und sie ist auch abhängig von ihm: Denn wenn jemand Fassbinder nicht gehorcht, wird er mit Rollenentzug bestraft.

Mitte der Siebziger gelingt es Irm Hermann, sich von der Fassbinder-Truppe zu emanzipieren. Sie dreht mit anderen Regisseuren und zieht nach Berlin. Auch nach Fassbinders Tod ist sie überaus erfolgreich. Legendär sind ihre Rollen unter der Regie von Christoph Schlingensief (Das deutsche Kettensägenmassaker), Loriot (Pappa ante Portas) und Gerhard Polt (Germanikus). Mit ihrem Ehemann, dem Kinderbuchautor Dietmar Roberg, hat die heute 70-Jährige zwei Kinder.