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Faschingstest in München:Wo Metzger und Engelchen gemeinsam feiern

Die Weißen Feste in der Max Emanuel Brauerei entsprechen schon eher der Idee des Karnevals. Schließlich wurden sie als Gegenveranstaltung zu den Faschingsbällen gegründet. Sie sind ein Relikt des Künstlerfaschings. "Das Weiß macht alle gleich", erklärt Stephan Gloxhuber, der die Feste ausrichtet. Hier hat sogar schon der Monaco Franze gefeiert. So wurde die Fete zur Münchner Faschingslegende.

Das weiße Interieur strahlt auf die Gäste ab. Alle sehen blendend aus, und weil bei manchen die Unterwäsche durchblitzt, geht es schnell hemmungslos zu. Hier trifft man auf skurrile Gestalten und aufwendige Verkleidungen. Natürlich sind auch die Kostüm-Klischees vertreten wie Krankenschwestern und Ärzte, Matrosen und Kapitäne oder Engelchen. Doch haben sich auch eine Dame im venezianischen Kleid, ein Vampir und ein Metzger mit blankem Hintern auf die Tanzfläche verirrt.

Niemand muss alleine nach Hause gehen

Ein bisschen Glamour darf auch hier nicht fehlen - das Fest wird mit einem Walzer eröffnet. Das Motto wird auch vor der Tür konsequent verfolgt. Wer zum Rauchen nach draußen geht, legt sich eine weiße Fleece-Decke um die Schultern, damit sich die Mädchen im knappen Engelchen-Kostüm nicht verkühlen. Die Weißen Feste sind atmosphärisch, gesellig und auch ein bisschen jeck. Am Ende der Nacht muss hier niemand alleine nach Hause gehen.

Doch wie könnte es anders sein: Der Köln-Münchner Karnevalsverein kann den Karneval am besten. Unter dem Motto "La Isla Colonia" feiern hier echte Jecken. Der DJ, der eigens aus Köln geholt wurde, legt nur originale Karnevalslieder von den Höhnern oder den Bläck Föös auf.

Das Herz eines wahren Kölners schlägt dann höher, wenn "Viva Colonia" von den Höhnern erklingt. Aus voller Brust singen die Münchner den Refrain mit: "Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust. Wir glauben an den lieben Gott und ham auch immer Durst." In dieser Hinsicht scheinen sich Kölner und Münchner wunderbar zu verstehen.

Erstaunlich textsicher ist das Publikum auch bei der Hymne des FC Kölle. Auf Rheinländer im Münchner Exil wirkt es sehr charmant, wenn eingefleischte Bayern-Fans plötzlich mit dem FC Köln sympathisieren. Komm loss ma fiere, das funktioniert am besten hier. Deswegen befindet sich auch Martina Pourrier unter den Gästen an diesem Abend. Sie war das Funkenmariechen der "Kölschen Funken rut-wiess". Bis letztes Jahr schwang sie dort das Tanzbein. Vor zwei Jahren hatte sie auf der Karnevalsparty des KMKV mit den Funken einen Auftritt und war begeistert von der Stimmung - "besser als in Kölle", glaubt sie. "Es war klar, wenn ich nicht mehr tanze, komme ich wieder zum Feiern. Gesagt, getan - da bin ich!" Recht hat sie, denn die Stimmung ist ausgelassen und närrisch.

Ein herzliches "Bützje" hinterlässt auf jeder Wange einen Herzabdruck. Zum Karnevals-Klassiker "Die Karawane zieht weiter" bildet sich sogar eine Polonaise. Das ist Fasching für Fortgeschrittene - ohne Kitsch und Brimborium, nur die pure Lust am Feiern und mit Gaffel-Kölsch, wie es sich gehört. Fazit: Zum Karneval doch lieber nach Köln, aber ein Besuch zum Oktoberfest ist fest geplant. Dann herrscht auch in München Ausnahmezustand.

© SZ vom 28.01.2013/infu

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