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Fasangarten:Nachverdichtung statt Verkauf

Siedlung am Perlacher Forst in München, 2020

Verkauf ausgeschlossen: Die Siedlung am Perlacher Forst soll weiterhin im Eigentum des Bundes bleiben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Bund behält die Siedlung am Perlacher Forst und will dort neue Wohnungen errichten

Von Hubert Grundner, Fasangarten

Die Idee klingt verlockend: Die Stadt kauft von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) deren Wohnanlagen in der Amisiedlung, entzieht sie der Spekulation durch private Investoren und sichert auf diese Weise dauerhaft bezahlbaren Wohnraum. Tatsächlich haben Grüne und SPD im Stadtrat erst Anfang November einen entsprechenden Antrag gestellt. Doch schon jetzt lässt sich sagen: Daraus wird nichts.

Die Bima hat jedenfalls bereits allen Spekulationen in diese Richtung eine klare Absage erteilt. Und zwar in einem Schreiben an die Interessengemeinschaft Wohnanlagen Perlacher Forst und Tegernseer Landstraße (Iwap). Denn naheliegenderweise habe sich der Verein, wie dessen Vorsitzender Alois Schwarzhuber erklärt, für einen etwaigen Verkauf der Amisiedlung natürlich interessiert. Schließlich wären alle seine Mitglieder davon betroffen gewesen. Also schickte der dreiköpfige Iwap-Vorstand der Bima einen Katalog mit Fragen, deren erste lautete: Bestehen konkrete Verkaufsabsichten der gesamten oder von Teilen der Wohnanlage? Darauf antwortete die Bima mit dem Hinweis auf die Wohnraumoffensive, mit der es sich der Bund, die Länder und die Kommunen zum Ziel gesetzt hätten, dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu begegnen. Im Koalitionsvertrag sei vereinbart, die Wohnungsfürsorge des Bundes zu stärken, insbesondere auch in Ballungsgebieten wie in München. Die Bima werde deshalb auch dort die eigenen Wohnungen im Bestand halten. Außerdem möchte sie zusätzlichen Wohnraum schaffen, indem sie auch selbst baue. Und weiter: "Deshalb wird die Bima die Wohnanlage Am Perlacher Forst nicht verkaufen, sondern dort vielmehr in den Bestand und in neue Wohnungen investieren."

Aus gutem Grund stellte der Iwap-Vorstand somit auch die Frage, welche Nachverdichtungsmaßnahmen momentan in der Wohnanlage geplant seien. Man habe sich, so die Bima, in den vergangenen Monaten eng mit der Stadt München über ein Verfahren und das Projektvorgehen abgestimmt, mit dem der Perlacher Forst gemeinsam strukturiert und entwickelt werden könne. Zunächst werde eine Bestandsaufnahme erfolgen: etwa von ökologischen Tabuflächen, auch im Hinblick auf den Artenschutz und den Baumbestand sowie über den baulichen Zustand der Gebäude. Die Ergebnisse sollen in eine Machbarkeitsstudie einfließen, die aufzeigen soll, wie weitere Landschafts- und Grünflächen - neben den ohnehin zu erhaltenden Landschaftsbestandteilen - im Quartier angeordnet werden könnten.

Im nächsten Schritt - bei dem auch der Umgang mit den Bestandsgebäuden berücksichtigt würde - will die Bima ein Planungsbüro mit der Fachexpertise Städtebau und Landschaftsarchitektur beauftragen. "Hierzu läuft bereits das Vergabeverfahren", heißt es im Schreiben an die Iwap. Zusammen würden die beauftragten Büros schließlich die Machbarkeitsstudie anfertigen.

Seit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus München und dem Übergang der Wohnanlage am Perlacher Forst an den Bund gab es immer wieder Bestrebungen, die Wohnanlage nachzuverdichten. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Iwap gegründet worden. Als primäres Ziel haben es sich die Vereinsmitglieder zur Aufgabe gemacht, die Wohnanlage in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten. Alois Schwarzhuber, Regina Schmidt und Manuela Freiseis haben daher die wiederholten Diskussionen im Stadtrat um leer stehenden bundeseigenen Wohnraum in der Siedlung mit Interesse verfolgt. Wobei die drei Iwap-Vorsitzenden sagen, dass ihnen im Laufe ihrer langjährigen Tätigkeit kein unbegründeter Leerstand bekannt geworden sei. Alois Schwarzhuber stellt klar: "Wir sind daher etwas irritiert, wenn Politiker vermeintlichen Wohnungsleerstand anprangern und versuchen, daraus Kapital zu schlagen, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Vermieter oder uns als Interessensvertretern aller Bewohner zu sprechen."

© SZ vom 24.12.2020
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