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Fasangarten:Eine Siedlung als neue Stadteinfahrt

Feriensenat stellt die Weichen für ein vier Hektar großes Wohngebiet an der Autobahn A 8 in Fasangarten - und zeigt sich offen dafür, dass die Verwaltung mit dem ursprünglichen Investor über den Ankauf von knapp zwei Dritteln der Fläche verhandelt

Von Hubert Grundner, Fasangarten

Selbst in Zeiten des Wutbürgers dürften sich nur wenige Beispiele für Bauprojekte finden, denen derart rigorose Ablehnung entgegengeschlagen ist wie dem Vorhaben an der Münchberger Straße. Von Beginn an wurde aus der Nachbarschaft fast jeder irgendwie begründbare Einwand gegen eine Bebauung des Areals Münchberger Straße (östlich), Kronacher Straße (südlich), BAB München-Salzburg (westlich) und Fasangartenstraße (nördlich) vorgebracht. Das ist legitim. Auf der anderen Seite hat sich das ganze Bebauungsplanverfahren dadurch so in die Länge gezogen, dass der ursprüngliche Investor, die MP München Projekt GmbH & Co. KG, sich aus dem Projekt zurückziehen will. Die MP hat deshalb ihre Flächenanteile von circa 72 Prozent am Planungsgebiet der Stadt zum Kauf angeboten, wozu diese im Grundsatz bereit ist.

Unabhängig davon, wie die entsprechenden Verhandlungen ausgehen werden, hat der Feriensenat des Stadtrats die Weichen für die städtebauliche Entwicklung des derzeit nicht bebauten Areals am östlichen Rand von Obergiesing-Fasangarten gestellt. "Die Stadt hat nichts notwendiger als preisgünstigen Wohnraum", sagte Christian Müller (SPD) und begründete damit zugleich, warum seine Fraktion dafür stimmen werde. Nur mit bezahlbaren Wohnungen könne man Menschen, die man dringend benötige, die aber weniger verdienen, in München halten, zum Beispiel Pflegekräfte. Ähnlich äußerte sich Anna Hanusch (Grüne); der Ankauf der vom Investor angebotenen Anteile durch die Stadt sei richtig. Auch ihr und ihrer Fraktion ging es darum, dass an der Münchberger Straße jetzt schnell preisgünstiger Wohnraum entstehen könne.

Der jetzt gebilligte Bebauungsplanentwurf mit Grünordnung für die rund vier Hektar große Fläche ermöglicht etwa 230 Wohnungen und eine Kindertageseinrichtung mit zwei Kindergarten- und zwei Kinderkrippengruppen. Das Projekt markiert zugleich, wie es in einer Mitteilung der Rathaus-Pressestelle heißt, die Stadteinfahrt entlang der Bundesautobahn A 8.

Die Planung basiert demnach auf der Überarbeitung des im Jahre 2016 durchgeführten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs, den die Münchner Planungsbüros Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner mit Valentien + Valentien Landschaftsarchitekten und Stadtplaner für sich entscheiden konnten. Deren Entwurf sehe eine kompakte und schützende Bebauung zur Autobahn hin vor, die mit Einzelgebäuden im Westen eine Angersituation bilde. Im Übergang zum Bestand ist laut Stadt eine öffentliche Grünfläche vorgesehen. Durch ein öffentlich nutzbares Wegenetz und neu gestaltete Freiflächen werde die Erholungs- und Aufenthaltsqualität in dem Gebiet deutlich verbessert. Im nächsten Verfahrensschritt ist die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen. Hier wird den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, sich eingehend über die Planung zu informieren und eventuell Einwände und Anregungen zur Planung vorzubringen. Der Zeitraum dieser Öffentlichkeitsbeteiligung wird laut Stadtverwaltung noch bekannt gegeben.

Gegen den Billigungsbeschluss hatte die CSU-Fraktion gestimmt. Aber nicht etwa, weil man den beabsichtigen Ankauf durch die Stadt ablehne, wie Fraktionschef Manuel Pretzl versicherte, sondern wegen der mangelhaften verkehrlichen Erschließung des Gebiets. In die gleiche Kerbe schlug seine Parteikollegin Sabine Bär. Sie wollte die Planungen grundsätzlich noch einmal auf den Prüfstand gestellt sehen.

Dabei hat das Planungsreferat nach eigener Darstellung auf die schon geäußerte Kritik an der Erschließung reagiert. Um die verkehrlichen Auswirkungen auf die direkte Nachbarschaft zu reduzieren, wurde das Erschließungskonzept überarbeitet, sodass nun teilweise die Ausfahrt aus der Tiefgarage direkt auf die Fasangartenstraße erfolge: Vorgesehen werde eine Zu- und Ausfahrt für die nördlichen Gebäude (circa 80 Stellplätze) über die Kronacher Straße und für die restlichen Gebäude (circa 203 Stellplätze) eine Zufahrt über die Verlängerung der Obernzeller Straße und Ausfahrt direkt auf die Fasangartenstraße. Um die Ausfahrt realisieren zu können, hat die Stadt demnach von der Autobahndirektion Südbayern eine Teilfläche von ungefähr 500 Quadratmetern erworben.

Über ein anderes, grundsätzliches Problem lässt sich hingegen nicht hinwegsehen: die Nähe zur Eisenbahn und, vor allem, zur Autobahn. Das Bauvorhaben werde mit umfangreichen Schallschutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen, heißt es im Bebauungsplan. Ist die neue Siedlung einmal fertig, werde sie auch die bestehende Nachbarschaft gegen den Lärm abschirmen, erwartet das Planungsreferat.

© SZ vom 17.04.2020
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