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Fasangarten:Bier-Nachschub stockt

Münchner Kindl Bräu braucht noch Geduld - wenigstens bis 2021

Von Hubert Grundner, Fasangarten

Dietrich Sailer aus Traunstein versteht es offenbar, ganz unterschiedliche Leute vor seinen Karren zu spannen. Dabei ist das Ziel, das der Brauer und Gastronom schon seit Längerem verfolgt, bekannt: Nachdem Sailer der Löwenbräu AG die Namensrechte für die Marke "Münchner Kindl Bräu" abgekauft hatte, wollte er unter diesem Label in München Bier sieden. Und mit dem Kauf der stillgelegten Tankstelle der US Army an der Tegernseer Landstraße 337 schien er - zumindest nach eigener Einschätzung - einen geeigneten Produktionsstandort gefunden zu haben. Nur die erforderliche Baugenehmigung hat Sailer bislang nicht erhalten - aus einem einfachen Grund: Der Flächennutzungsplan weist das Gebiet, in dem sich die einstige Tankstelle befindet, als ökologische Vorrangfläche aus. Erst müsste also der Flächennutzungsplan geändert werden, ehe eine Brauerei an der Stelle genehmigt werden kann. Doch das nimmt einige Zeit in Anspruch.

Vermutlich um diesen Prozess abzukürzen und Druck auf die Verwaltung auszuüben, lud Sailer deshalb vor Kurzem zu einer Pressekonferenz. Mit Unterstützung des Chiemgauer Landtagsabgeordneten Klaus Steiner (CSU), mehrerer Stadträte, seines Rechtsanwalts Benno Ziegler und des Kabarettisten Ottfried Fischer versuchte er, seinen Karren wieder in Schwung zu bringen. Tenor der Veranstaltung, stark verkürzt: Bei genügend gutem Willen und wenn die Verwaltung nicht so verstockt wäre, ließe sich das Projekt ruckzuck genehmigen.

Was wiederum Vertreter der Stadt so nicht stehen lassen wollten und deshalb am Dienstagabend in den Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten kamen: Jutta Kirchhoff vom Planungsreferat und Thomas Rehn von der Lokalbaukommission übernahmen dort die Aufgabe, einerseits zu erklären, warum Sailer nicht so einfach ans Ziel kommt, wie er sich das wünscht. Und andererseits genau diesen Weg aufzuzeigen, oder, wie Rehn sagte: "Wir sind ja im Grunde für die Ansiedlung. Aber es gibt demokratische, gesetzlich vorgeschriebene Verfahren - und die müssen erst mal abgearbeitet werden."

Jedenfalls rechnet man im Planungsreferat damit, demnächst vom Stadtrat mit der Änderung des Flächennutzungsplans betraut zu werden und das fragliche Areal als "Sondergebiet Brauerei" auszuweisen. Solange das nicht geschehen sei, sei das neue Brauhaus nicht genehmigungsfähig, so Rehn. Ebensowenig könne Sailer aus dem einstigen Tankstellenbetrieb ein aktuelles Nutzungsrecht ableiten, fuhr er fort: Dieses sei mit dem Ende des Tankstellenbetriebs erloschen. Für eine Genehmigung des Brauerei-Neubaus müssen also erst die planerischen Grundlagen geschaffen werden. Wobei Jutta Kirchhoff versicherte: "Wir ziehen das durch, so schnell wir können" - allerdings auch mit der gebotenen Sorgfalt, damit keine Verfahrensfehler unterlaufen. Da schon einige Vorarbeiten erledigt sind, könnte die Änderung des Flächennutzungsplans bis Sommer 2021 vorliegen - und Sailer dann seinen Bauantrag stellen.

© SZ vom 13.02.2020
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