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Fasangarten:Bier im Biotop

Der Lack ist ab: die frühere Tankstelle der US-Armee in Fasangarten.

(Foto: Claus Schunk)

Der Traunsteiner Gastronom Dietrich Sailer will auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle der US-Streitkräfte in Fasangarten eine Brauerei errichten. Die Stadt fordert von ihm nun umfangreiche Gutachten

Wo einst Benzin gezapft wurde, soll künftig Bier fließen. So salopp könnte man die Pläne zusammenfassen, die der Traunsteiner Gastronom Dietrich Sailer in München verfolgt. Er möchte auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle der US-Streitkräfte in Fasangarten eine Brauerei errichten. Zu dem Zweck hat sich Sailer die Rechte am "Münchner Kindl Bräu" gesichert. Allerdings hat der Versuch zur Wiederbelebung der einstigen Traditionsmarke jetzt einen Dämpfer erlitten: Im Planungsausschuss haben die Stadträte gegen die Stimmen von Grünen und Linken beschlossen, dass Sailer mehrere Gutachten vorlegen muss. Erst danach könne man über die für eine Genehmigung der Brauerei zuvor notwendige Änderung des Flächennutzungsplans entscheiden.

Der potenzielle Standort einer neuen Brauerei liegt an der Tegernseer Landstraße 337 und ist über die Unterhachinger Straße, die in diesem Bereich als Einbahnstraße nur stadteinwärts befahren werden kann, erschlossen. Laut Verwaltung wird das Areal derzeit als Abstellfläche für Fahrzeuge aller Art genutzt. So war früher auch schon einmal eine unbefristete Nutzungsänderung in eine "Leitstelle für Fahrzeugüberführungen" beantragt worden - allerdings erfolglos. Unter anderem widerspreche eine solche Nutzung der Darstellung im Flächennutzungsplan als ökologische Vorrangfläche. Sie beeinträchtige auch die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes sowie des Bodenschutzes, hieß es damals zur Begründung.

An dieser Ausgangslage hat sich im Kern bis heute nichts geändert. Nach wie vor firmiere das Areal als ökologische Vorrangfläche und sei Teil einer Grünverbindung von der Stadtgrenze bis zur Lincolnstraße. Weiter heißt es in der Beschlussvorlage des Planungsausschusses, das Grundstück und der umliegende bewaldete Bereich sei als Biotopfläche kartiert. Die benachbarten Waldflächen seien zusätzlich zur Biotopkartierung als Landschaftsbestandteil ausgewiesen. Zwar haben SPD und CSU bereits ihre Sympathie für das Brauerei-Projekt zu erkennen gegeben und im Juni 2018 in einem gemeinsamen Stadtratsantrag die Änderung des bisherigen Flächennutzungsplans beantragt. Ob es dazu kommt, hängt allerdings davon ab, welche Ergebnisse mehrere Gutachten zeigen werden, die vom Bauherrn vorgelegt werden müssen. Nach Auskunft eines Sprechers des Planungsreferats dürften diese Prüfungen mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Probleme durch eine von der Brauerei ausgehende Geruchsbelästigung erwarten die Politiker wegen des eher niedrigen Bierausstoßes nicht. Verbindliche Aussagen aber ließen sich erst auf Grundlage notwendiger Fachgutachten treffen, sobald konkrete Planungen für den Betrieb vorliegen. Deutlich schwieriger könnte sich das Vorhaben aber in punkto Lärm gestalten: Laut Beschlussvorlage ist beim Betrieb von Brauereien erfahrungsgemäß "der Fahrverkehr die dominante Lärmquelle und gibt immer wieder Anlass zu Beschwerden". Autos könnten auch aus einem anderen Grund Sailers Pläne vereiteln: Wegen der Nähe des Standorts zur Autobahn sei eine Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid möglich - und zwar schon vor Bau der Brauerei und des dadurch verursachten zusätzlichen Verkehrs. Der Planungsausschuss fordert deshalb auch eine genaue Untersuchung der lufthygienischen Situation. Vergleichbar viel Aufmerksamkeit sollen Gutachter zudem dem Arten- und Biotopschutz, den Altlasten, dem Grundwasser sowie dem Verkehr widmen.

Wenig Verständnis für diese Auflagen zeigte Johann Altmann (Bayernpartei). "Ich verstehe nicht, wieso es Gutachten zu so vielen Bereichen braucht. Wir befürchten, dass der Tenor der Gutachten ist: Die Brauerei dort geht nicht." Im Gegensatz zu Altmann würde sich Herbert Danner (Grüne) ein solches Ergebnis vermutlich wünschen: "Wir haben große Sympathie für das Projekt einer privaten Brauerei. Aber wir fragen uns: Muss die auf einer ökologischen Vorrangfläche entstehen? Wir sagen: nein. Wir wollen die Fläche renaturiert haben." Für die Brauerei, wie sie Dietrich Sailer plane, gebe es genügend andere geeignete Standorte. "Es stehen auch ungenutzte städtische Gewerbeflächen frei, zum Beispiel in Freiham-Süd", sagte Herbert Danner.