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Fasanerie-Nord:Wie an der Münchner Freiheit

Ein terrassenartiger Aufgang - das ist eine der beiden Visionen der Architekten für die neue Unterführung im Viertel.Simulation: Burger & Kühn Landschaftsarchitekten

Das Baureferat stellt zwei Varianten für die Umgestaltung am Bahnhof Fasanerie vor. Die Reaktionen der Bürger reichen von Beifall für ein "städtebauliches Juwel" bis zu Furcht vor einer neuen "Berliner Mauer"

Von Simon Schramm, Fasanerie-Nord

Was im Juli noch eine ungefähre Vorstellung war, ist nun ein konkretes Szenario geworden. Im Sommer hatte das Baureferat bei einem Workshop die Anregungen der Bewohner der Fasanerie-Nord gesammelt, wie die Neugestaltung rund um den Bahnhof im Zukunft aussehen und welche Knackpunkte die Stadt womöglich genauer betrachten sollte. Am Donnerstagabend hat die Behörde bei einem zweiten Termin vorgestellt, wie Forderungen der Anwohner umgesetzt werden könnten. Im Zentrum standen zwei Simulationen der Landschaftsarchitekten "Burger und Kühn", zu denen die Bürger Stellung beziehen sollten. Der Tenor im Publikum, den die Verwaltung mit nach Hause nehmen und zu handfesten Plänen umsetzen will: Am Bahnhof Fasanerie wird wohl eine breit einladende Unterführung ähnlich wie an der Münchner Freiheit entstehen.

Der Bahnhof an der Fasanerie steht vor einem Umbau, der seit Jahrzehnten gefordert wird. Der derzeitige Bahnübergang mit Schranke, der zu täglichen Staus führt, soll verschwinden und durch eine Rad- und Fußwegunterführung ersetzt werden. Vorgesehen ist, den Autoverkehr auf der Feldmochinger Straße südlich des derzeitigen Übergangs zu versetzen. Die Straße soll unter den Gleisen in einer auch mit einem einseitigen Radweg ausgestatteten Unterführung verlaufen, in die Borsigstraße führen und danach wieder an die Feldmochinger Straße ankoppeln. Eine der beiden Gabeln der Borsigstraße direkt neben der Bahnstrecke entfällt. Am derzeitigen Bahnübergang entsteht eine Unterführung mit Potenzial zur Gestaltung. Den ersten Workshop hatten etwa 300 Bürger besucht, zum zweiten kamen nicht ganz 100 Anwohner. Aus dem ersten Workshop hatte sich die Aufgabe ergeben, für die Kreuzung der neu verlaufenden Feldmochinger Straße und des Moosglöckchenwegs eine Möglichkeit zu finden, wie Fußgänger die Straße queren sollen. Peter Schösser vom Baureferat will die Situation durch zwei Querungen und zwei Ampeln lösen; er geht nicht davon aus, dass an den Signalen neue Staus entstehen. Wie die Schallschutzwand auf der Ostseite der Bahn gestaltet wird, etwa mit Grünbepflanzung, ist noch offen; ein Bürger fürchtete eine neue Berliner Mauer.

Der Architekten-Entwurf, die Unterführung möglichst offen und licht zu gestalten, erhielt vom Publikum viel Lob, wurde sogar "städtebauliches Juwel" genannt. Er sieht eine Dreiteilung der Fläche vor dem Gleis vor, in der Mitte würde sich die breiteste Spur befinden. Dort würden Fußgänger über kurze Treppenstufen zu terrassenähnlichen Plateaus und schließlich zur etwa elf Meter breiten Unterführung gelangen. Links und rechts der Plateaus: Rampen für Radfahrer und Menschen mit Behinderung oder Kinderwagen. Seitlich der äußeren Spur könnten die Wände mit skulpturartigen Verformungen gestaltet werden. Die Plateaus wären Treff- und Verweilpunkt für die Bewohner, Stellen für einen Flohmarkt oder kleine Konzerte.

Zuspruch fand die offene Variante, aber auch Einwürfe. Mehrmals attackierten Teilnehmer den bei vielen verhassten Walter-Sedlmayr-Platz in Feldmoching - als negatives Beispiel. "Nicht so viel Beton wie dort", kritisierte ein Bewohner. "Da fehlt etwas Markantes, etwas, dass man sagt: Das ist die Fasanerie", sagte Klaus Schreibauer, ein Anwohner, der sich seit Jahrzehnten für die Bürgerbeteiligung einsetzt. Seine Idee: ein Zeltdach ähnlich wie im Olympiapark. Auch möglichst viele Stellplätze für Fahrräder sollen entstehen. Für Autos ist bisher nur eine Kiss-and-Ride-Stelle vorgesehen, weitere echte Stellplätze soll die Stadt trotzdem nahe dem Bahnhof finden.

Weniger Anklang bei den Bürgern fand die Variante, bei der eine konventionelle, schneckenförmige Rampe für Radler und Menschen mit Behinderung vom Bahnsteig zur Unterführung führen würde. Zudem meldeten sich erneut Bürger mit Vorbehalten gegen die Unterführung, sie fordern schon länger die gesamte Untertunnelung der Gleise. Diese Lösung für die Beseitigung der Bahnschranke hat der Stadtrat wegen zu hoher Kosten abgelehnt. Florian Hofstätter vom Baureferat erklärte, dass die Verwaltung für diese Forderung nicht der Ansprechpartner sei, da sie nur den Planungsauftrag der Politik ausführe. Die anwesende Stadträtin Heide Rieke (SPD) zeigte Verständnis dafür, dass ohne die Untertunnelung die Teilung der Fasanerie bestehen bleibe; man solle sich aber dennoch an der Planung für die Unterführung beteiligen.

Mit den Wünschen der Anwohner geht das Baureferat jetzt in die detaillierte Planung. Peter Schösser kündigte an, dass er zusammen mit dem Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl eine Möglichkeit finden möchte, die Bewohner erneut am endgültigen Konzept zu beteiligen, etwa bei einer Einwohnerversammlung.

© SZ vom 24.09.2016
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