Kriminalität Falscher Polizist erbeutet rund 200 000 Euro von Seniorin

  • Eine 88-jährige Seniorin aus München ist auf eine offenbar bundeweit agierende Betrügerbande hereingefallen.
  • Ein Anrufer gab sich als Polizist aus und erklärte der Frau, dass ihr Geld in Gefahr sei. Daraufhin brachte sie insgesamt ´Bargeld und Schmuck im Wert von etwa 200 000 Euro an einen Übergabeort.
  • Die Polizei konnte drei mutmaßliche Mitglieder der Gruppe festnehmen. Hintermänner vermutet sie in der Türkei.
Von Martin Bernstein

Eine offenbar bundesweit agierende Betrügerbande hat in München einer 88 Jahre alten Frau Geld und Schmuck im Gesamtwert von rund 200 000 Euro abgenommen. Die Ermittler der "Arbeitsgruppe Phänomene" bei der Polizei konnten wenig später drei mutmaßliche Mitglieder der Gruppe festnehmen. Die Hintermänner vermutet die Kriminalpolizei in der Türkei. "Wir werten das als organisierte Kriminalität", erklärte Kriminaloberrat Andreas Huber am Mittwoch. Insgesamt richteten solche Banden in diesem Jahr bereits einen hohen sechsstelligen Schaden in München an.

Der Anrufer, der sich am 8. April zum ersten Mal telefonisch bei der alleinstehenden Frau meldete, gab sich als Polizist aus. Er heiße "Bernhard Diehl", behauptete er. Denselben Namen hatte ein falscher Polizist im Februar bei einem Betrugsversuch im Raum Paderborn verwendet. Auch der Münchner Kriminalpolizei ist nicht nur die Masche, sondern auch der erfundene Name des Anrufers bereits bekannt. Die alte Frau jedoch glaubte dem Anrufer. Um ihr angeblich von Einbrechern bedrohtes Erspartes in Sicherheit zu bringen, folgte sie den Anweisungen und legte das Bargeld, das sie in ihrer Wohnung hatte, in einem Briefumschlag vor die Tür. Weitere Anrufe folgten. Zunächst holte die Frau Bargeld, Gold und Schmuck aus ihrem Schließfach, dann sollte sie ihr gesamtes Konto leer räumen. Doch die gewünschte hohe Abhebung ließ die Bank Verdacht schöpfen. Sie informierte die Polizei.

Gleichzeitig waren Mitglieder der Bande - vermutlich durch Telefonüberwachung - ins Visier der Ermittler geraten. Für den Freitag vor den Osterferien war eine Geldübergabe nahe dem Westpark geplant. Dort griff die Polizei zu: ein 23 Jahre alter Lebensmittellieferant aus Recklinghausen, der wohl als Kurier der Bande unterwegs war, und ein Münchner Taxifahrer, 45, der offenbar als Geldbote fungierte, wurden festgenommen, kurz darauf ein 28-jähriger Münchner, möglicherweise der örtliche Logistiker der Gruppe. Auch ein größerer Geldbetrag wurde sichergestellt, dazu Schmuck, der aus dem Besitz der 88-Jährigen stammt. Die drei türkischstämmigen Verdächtigen kamen in Untersuchungshaft.

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