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Falscher Arzt erhält Bewährungsstrafe:Gift fürs Gesicht

Mani M. versprach den Menschen Schönheit und spritzte ihre Gesichtsfalten - mit verheerenden Folgen. Denn er ist gar kein Arzt. Nun ist der 32-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Mani M. versprach den Menschen Schönheit. Und nicht wenige kamen und ließen sich von ihm ihre Gesichtsfalten unterspritzen. Doch das hätte der 32-Jährige gar nicht tun dürfen. Denn er ist weder Arzt noch Heilpraktiker. Für fünf Frauen und einen Mann hatte die Behandlung durch Mani M., der in Wirklichkeit Student der Zahnmedizin ist und eine Ausbildung zum Heilpraktiker begonnen hat, fatale Folgen. Ihre Gesichtszüge wurden entstellt.

Am Montag verurteilte das Landgericht München I Mani M. wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz und verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Die Strafe hatte das Gericht dem 32-Jährigen für den Fall eines umfassendes Geständnisses bereits am ersten Verhandlungstag in Aussicht gestellt.

Mitunter war es Mixtur aus mehreren Präparaten, die der Angeklagte spritzte. Botox, Hyaluronsäure und Aquamid. Bei Aquamid handle es sich um einen sogenannten permanenten Füller, sagte die Dermatologin Tatjana Pavcic von der Ludwig-Maximilians-Universität, die das Gericht als Sachverständige vernahm. Das Präparat wird vom Körper nicht abgebaut und darf nicht unterhalb der Augenhöhle gespritzt werden.

Mani M. tat dies und machte seinen Patienten zudem weis, dass das Mittel nicht gefährlich sei. Doch tatsächlich berge die Anwendung hohe Risiken, sagte die Sachverständige. Bei fünf Frauen und einem Mann, die sich von dem Angeklagten hatten spritzen lassen, kam es zu schwerwiegenden Komplikationen. Eines der Opfer, habe heute eine Gesichtshaut "wie eine Mondkraterlandschaft", so die Sachverständige.

Bei anderen kam es zu Entzündungen, Schwellungen, Schwindel und Sehstörungen. Die Entzündungen im Gesicht, so die Sachverständige könnten jederzeit wieder auftreten, da das Aquamid vom Körper nicht gänzlich abgebaut werde. Eine Tänzerin, die Mani M. unter anderem mit Aquamid spritzte, hat für die Korrektur der falschen Behandlung bislang 18.000 Euro investiert.

Vermutlich werden die Opfer ihr Leben lang mit den katastrophalen Folgen durch den Angeklagten kämpfen müssen, so die Sachverständige. Obwohl ihre Gesichter vernarbt sind, seien sie im Sinne des Gesetzes nicht erheblich entstellt, sagte der Vorsitzende, Richter Stephan Kirchinger, bei der Urteilsbegründung. Auf das subjektive Empfinden der Betreffenden komme es nicht an. Außerdem sei es nicht maßgeblich, wie sie vor einer Operation ausgesehen hätten und ob sie ihr Aussehen hinterher als unvorteilhaft beurteilten. Die Opfer, so der Vorsitzende, hätten es dem Angeklagten zudem leicht gemacht. Ob dieser tatsächlich Arzt ist, hatte keiner gefragt.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird Mani M. wohl auch nicht weiter Zahnmedizin studieren können. Auf die Frage des Staatsanwalts was er nun beruflich plane, antwortete der 32-Jährige, er suche nach einer Tätigkeit im Bereich Gartenbau.

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