bedeckt München 17°

Fall Teresa Z.:Neue Vorwürfe gegen Polizisten

Weil er der gefesselten Teresa Z. mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat, muss sich ein Polizist aus der Au vor Gericht verantworten. Jetzt wurde bekannt, dass der Beamte schon einmal im Visier der Staatsanwaltschaft war. Eine junge Frau erhebt schwere Vorwürfe, die Ermittlungen wurden damals aber eingestellt.

Monatelang hat die Polizei gegen Teresa Z. ermittelt, die im Januar in einer Haftzelle in der Au von einem Beamten geschlagen worden war. Von der 23-Jährigen wurde eine Haarprobe genommen, ihre Wohnung durchsucht, ihr Umfeld ermittelt, selbst der Innenminister breitete im Landtag angebliche psychische Probleme der Frau aus.

Der prügelnde Beamte hingegen, so versicherten die Behörden unisono, habe sich bis dato strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Rein rechtlich ist diese Formulierung korrekt. Doch jetzt wurde bekannt: Es ist nicht das erste Mal, dass der 33-jährige Polizist ins Visier der Staatsanwaltschaft gerät.

Wie Thomas Steinkraus-Koch von der Münchner Staatsanwaltschaft, Süddeutsche.de bestätigte, wurde bereits 2010 gegen den Polizisten und einen Kollegen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. "Da kein strafbares Verhalten nachweisbar war, wurden die Ermittlungen damals aber eingestellt", erklärte Steinkraus-Koch.

Zunächst berichtete die Münchner Boulevardzeitung tz am Dienstag über den Vorfall. Demnach hatte eine junge Frau den Beamten damals angezeigt. Ihr Vorwurf: "Er und ein Kollege haben mich gegen ein geparktes Auto gedrückt. Einer schlug meinen Kopf fest gegen das Dach." Die heute 30-Jährige soll damals schwanger gewesen sein.

Dem Streit mit der Polizei soll laut Zeitungsbericht eine Auseinandersetzung mit dem Fahrer eines Abschleppwagens vorausgegangen sein. Die Frau habe daraufhin die Polizei gerufen. Als die Beamten ihr nicht zuhören wollten, sei sie "richtig wütend" geworden. Ein Beamter habe sie zur Rede gestellt. "Ich habe Panik bekommen und meinen Arm losgerissen. Doch plötzlich umklammerte mich jemand von hinten am Hals. Ich habe mit dem Fuß getreten", zitiert die tz die Frau. Schließlich sollen sie und ihr Freund in Handschellen zur Wache gebracht worden sein.

Die Münchner Polizei bestätigte, dass die Frau gegen den Streifenwagen gedrückt und gefesselt wurde. Demnach hatte sie versucht, nach dem Beamten zu treten. Dass ihr Kopf gegen das Autodach gestoßen wurde, stritten die Polizisten jedoch ab. Letztlich kam ein Richter zu dem Schluss, dass der Schlag nicht erwiesen sei. Das Ermittlungsverfahren gegen Frank W. wurde eingestellt. Drei Zeugen, der Abschleppwagenfahrer sowie zwei Männer, denen er Starthilfe leisten wollte, machten keine Angaben. "Es war damals kein Fehlverhalten der Polizei erkennbar", erklärte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Die 30-Jährige selbst erhielt einen Strafbefehl wegen Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung. "Sie hat diesen Strafbefehl damals akzeptiert", so Steinkraus-Koch. Durch das Akzeptieren des Strafbefehls hat sie einen Eintrag im Führungszeugnis und keine Chance mehr, sich als Kinderpflegerin zu bewerben.

Mit voller Wucht ins Gesicht

Im Fall von Teresa Z. hatte der Beamte aus der Au am 20. Januar 2013 der 23-Jährigen mindestens einen Faustschlag ins Gesicht versetzt, nachdem sie ihn angespuckt hatte. Das Opfer lag mit am Rücken gefesselten Händen auf einer Pritsche. Teresa Z. sagte, der Polizist habe ihr kurz hintereinander zwei Schläge mit voller Wucht ins Gesicht versetzt. Die junge Frau erlitt eine Nasenbein- sowie eine Orbitabodenfraktur.

Polizeigewalt bei Einsätzen

Platzwunden, Prellungen, Schüsse

Der Beamte beruft sich auf Notwehr. Er wurde erst vier Monate nach der Tat vom Dienst suspendiert. Ab 6. August steht er vor Gericht.

Der neue Münchner Polizeipräsident, Hubertus Andrä, hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der SZ seine Beamten verteidigt. Es sei "immer bedauerlich, wenn bei einem Polizeieinsatz Beteiligte verletzt werden", so Andrä. Aufgabe der Polizei sei es, "im Nachgang die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen". Zugleich wehrte sich Andrä aber gegen den Eindruck, dass Übergriffe wie im Fall Teresa Z. bei der Polizei zu Alltag gehörten. "Der Eindruck der prügelnden Münchner Polizei wird den Kollegen nicht gerecht", sagte er.