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Fall Böhringer:Die Macht der Indizien führt zu lebenslänglich

"Das ist Diktatur": Unter Tumulten ist Benedikt T. als Mörder seiner Tante Charlotte Böhringer verurteilt worden. Die Verteidiger kündigen Revision an.

Kaum hatte der Richter "im Namen des Volkes" seine Entscheidung verkündet, brachen im überfüllten Sitzungssaal Tumulte aus. Freunde und Verwandte des Angeklagten verließen unter lauten Protestrufen und türenknallend den Saal. "Sie machen sich schuldig, dass der Mörder noch frei herumläuft", tobte der Bruder des Angeklagten. "Das ist Diktatur", schrien andere.

Nach 15-monatigem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt: Benedikt T.

(Foto: Foto: Hess)

Benedikt T. selbst sprang zunächst auf und wollte den Saal verlassen. "Das ist ja unglaublich, lassen sie mich hier raus", brüllte er. Justizbeamte griffen ein und mussten sich als "Gestapo" titulieren lassen. Während der gesamten eineinhalbstündigen Urteilsbegründung lieferte sich Benedikt T. lautstarke Wortgefechte mit Richter Götzl, beschimpfte ihn als "Wurm" und kommentierte nahezu jede Äußerung als "lächerlich" oder "widerlich".

Mehrmals drohte Götzl mit der Räumung des Saals und der Abführung des Angeklagten. "Dann machen sie das doch", entgegnete der Angeklagte spöttisch. Doch diesen Gefallen tat die Kammer Benedikt T. nicht. "Vielleicht hören sie einfach mal zu, wir haben auch 15 Monate lang zugehört", meinte der Richter mit Blick auf den Teil der Zuhörer, der aber daran nicht interessiert zu sein schien.

Angesichts der Emotionen rückte die Begründung des Urteils fast in den Hintergrund. Nach mehr als 15 Monaten und 93 Verhandlungstagen besteht aus Sicht der Richter "kein Zweifel" an der Täterschaft von Benedikt T. Dieser habe sich seit Jahren als Nachfolger von Böhringer gefühlt und seine "Lebensplanung" darauf abgestellt, irgendwann die Parkgarage zu übernehmen und ein üppiges Erbe anzutreten. Dieser Plan aber sei in Gefahr geraten, als zu befürchten stand, dass die Tante seine Diebstähle aus Parkautomaten (mehrere tausend Euro) bemerkt und sein abgebrochenes Jura-Studium registriert.

"Er sah seine berufliche und wirtschaftliche Existenz in Gefahr", so Götzl. "Er wollte nicht als Versager dastehen, und so hat er sich entschlossen, seine Tante zu töten." Am 15. Mai 2006 habe Benedikt T. vor der Wohnung seiner Tante im vierten Stock der Parkgarage mit "Handschuhen und einem scharfkantigen Gegenstand" gewartet. Er habe gewusst, dass sie zu ihrem Stammtisch gehen wollte. Als Böhringer ihre Türe öffnete, habe er sofort zugeschlagen, mindestens 24 Mal.

Danach habe er noch ihr Büro nach einem Testament durchsucht und schließlich vier Fünfhundert-Euro-Scheine mitgenommen. Diesem Geld und einigen Spuren am Tatort kommt in der Beweisführung des Gerichts eine zentrale Rolle zu. Benedikt T. verdiente bei seiner Tante als Aushilfskraft gerade einmal 1000 Euro monatlich, nach Abzug aller Kosten blieben ihm 280 Euro. In seiner Wohnung und in seinem Geldbeutel fanden sich nach der Tat aber genau vier Fünfhundert-Euro-Scheine, an zwei Noten fanden sich DNS-Spuren vom Angeklagten und vom Opfer.

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