Faire Textilien Hier gibt es Mode, die öko und fair ist

Melissa Knorr im "Me & May" Pop up Store.

(Foto: Florian Peljak)

Etliche kleine Läden und Labels haben sich Fair Fashion verschrieben. Wegen der hohen Mieten aber führen sie meist ein Leben im Verborgenen.

Von Franziska Gerlach

Es ist noch gar nicht so lange her, da saß Bianca Mirković in Meetings, in denen Leute besprachen, wie man Jeans noch preiswerter fertigen lassen kann. "Da wurde manchmal wirklich um ein paar Cents diskutiert", sagt die Mode-Designerin. Um Geld, das dem Unternehmen in der Bilanz kaum weh getan haben kann. Den Arbeitern in den Textilfabriken am anderen Ende der Welt aber hat es den Lebensunterhalt gesichert.

"Phasenreich" in der Reichenbachstraße

Die Münchnerin, die Ende 2014 mit ihrer Freundin Shino Plum die nachhaltige Modeboutique "Phasenreich" gründete und das Geschäft heute an der Reichenbachstraße betreibt, hat als Angestellte eines deutschen Jeanslabels auch die Wäschereien in China besucht, die sie nach einer Stunde mit Kopfschmerzen und Atemnot verlassen habe, wie sie erzählt. Die Arbeiter aber konnten nicht einfach hinausgehen, sie mussten dort den ganzen Tag mit gesundheitsschädigenden Bleichmitteln hantieren. Und es habe noch nicht einmal ein Fenster zum Lüften gegeben.

Das schlechte Gewissen rumort irgendwann zu laut in Bianca Mirković. Sie kündigt. Und wendet sich daraufhin einer Mode zu, die soziale und ökologische Verantwortung bei der Herstellung berücksichtigt. "So groß", sagt Mirković, "wollen wir uns bio, öko und fair aber nicht auf die Fahne schreiben." Schließlich hätten viele nach wie vor noch das Klischee von der Müslimode im Kopf.

"Me & May" in der Amalienstraße

Mit kratzigen Wollpullovern oder unförmigen Röcken hat das Ganze freilich nichts mehr zu tun, das zeigt sich auch bei "Me & May" in der Amalienstraße. Das Münchner Label hat sich einer französisch inspirierten Damenmode verschrieben. Doch Jäckchen im Stil von Coco Chanel aus Stoffen in Bio-Qualität fertigen zu lassen, war bislang gar nicht so einfach. "Denn bio war eben vor allem Jersey", sagt Labelinhaberin Melissa Knorr.

"Made am Chiemsee", "Deargoods", "Monaco Duck"

Mit Geschichten wie dieser wurde dann schnell klar, wie unterschiedlich alternative Ansätze aussehen können: "Made am Chiemsee" zum Beispiel lassen Kaschmirpullover in der Region stricken, bei "Deargoods", einer Kette für vegane Mode, darf kein Tier für Klamotten leiden, "Monaco Duck" wiederum produzieren Schuhe aus bayerischem Loden. Hinter all den produzierten und gehandelten Kleidungsstücken stehen nicht nur Münchner und Bayern, sie sehen sogar noch richtig gut aus.

"Da hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahren viel getan", sagt Raphael Thalhammer, der sich beim Nord-Süd-Forum um Bildungsarbeit kümmert. Er meint damit nicht, dass der Begriff Bio-Baumwolle inzwischen selbst jenen geläufig ist, die mit Mode nicht sonderlich viel am Hut haben. Thalhammer hat die Münchner Errungenschaften im Sinn. Es sind die kleinen Labels und Geschäfte in den Stadtvierteln, die er und die Modedesignerin Samira Nilius an die Münchner bringen wollen. Die Stadt hat ihre Adressen, so ist es ja nicht. Die Liste an Labels, die auf Umweltverträglichkeit in der Produktion oder faire Arbeitsbedingungen oder sogar beides zusammen achten, ist nämlich einigermaßen lang. Nur wo die Sachen zu haben sind, das wissen viele Leute dann eben doch nicht.

An dieser Stelle kommt ein Problem zum Tragen, an dem vieles scheitert, das München eigentlich gut täte: die horrenden Mieten in der Innenstadt, die sich ein kleiner Händler nie im Leben leisten kann. Wie aber soll es vorangehen mit einer besseren Mode, wie soll ein kleines Label neue Kunden gewinnen, wenn es kein Mensch wahrnimmt? Oder nur immer die gleichen: Wenn immer nur die Bewohner des Glockenbachviertels oder die Haidhauser vorbeischauen im Laden, die vom Bergkäse bis zum Zitronenkeks ja eh schon alles bio kaufen. Was aber ist mit dem Umland-Münchner, der es bei seinen Shoppingtouren in aller Regel nicht über die Ketten der Kaufingerstraße hinausschafft?

Unterwäsche von "Vatter"

Tom Vatter, der 2013 das Unterwäschelabel "Vatter" gegründet hat, sähe seine Ware daher gerne bei den großen Kaufhäusern vertreten, bei Ludwig Beck oder Lodenfrey. Seine Slips und Büstenhalter aus Biobaumwolle lässt er durch Gots (Global Organic Textile Standard) zertifizieren, ein anerkanntes Siegel für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. 1400 Euro kostet ihn das pro Jahr. Da frustriere es ihn schon, wenn sich ein Label "nachhaltig" nenne, nur weil es in Europa produzieren lasse, klagt Vatter. Fair ist offenbar nicht gleich fair, auch mit der Transparenz ist das bei den vielen Produktionsschritten der Mode so eine Sache. Konsumverzicht ist aber auch nicht die Lösung. "Wenn man die Produktion aus Asien abzieht, verlieren die Leute ihre Lebensgrundlage", sagt Mirković.

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