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Fahrradtrends:So kommt man in München schnell voran

E-Antriebe in Falträdern, rasende Pedelecs und unkaputtbare Reifen: Die kommenden Fahrradtrends zeigen Städtern viele Gründe für einen Umstieg vom Vier- aufs Zweirad.

Von Andreas Schubert

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Berufsverkehr

Quelle: dpa

Billig war mal. Das sagt zumindest der Radexperte Gunnar Fehlau. Der Trend bei Fahrrädern gehe eher zu hochwertigen Produkten aus dem Fachgeschäft. Den Rädern aus dem Baumarkt dagegen gibt der Fachmann keine allzu große Zukunft. Am Mittwoch hat Fehlau im Verkehrszentrum des Deutschen Museums Neuigkeiten vom Fahrradmarkt vorgestellt. Und gerade für Großstadtradler, die ihr Bike für den Alltag - den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, für Ausflüge - nutzen, hat sich in Sachen Technik einiges getan.

Im Herbst kommt etwa ein Antiblockiersystem für Fahrradbremsen auf den Markt, ein digitales Schloss lässt sich mit der Handy-App öffnen, mit einem Kompressor, der in die Tasche passt, lassen sich Reifen auf bis zu sieben Bar Druck aufpumpen. Und inzwischen gibt es auch ein modernes E-Lastenrad, das hinter dem Sattel Platz für zwei Kindersitze und eine Belastung von bis zu 60 Kilogramm verkraftet - das ist mehr als drei Kisten Bier wiegen.

Braucht man das alles? Vielleicht nicht unbedingt, aber viele Neuigkeiten, gerade bei den E-Bikes, könnten dazu beitragen, dass auch so mancher Fahrradmuffel sich ein umweltfreundliches Zweirad zulegt. Gerade in München kommt man mit dem Rad auf kurzen bis mittleren Strecken am Schnellsten voran.

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Fast ein Auto

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Quelle: Catherina Hess

Am Allerschnellsten dürften die Fahrer des elektrisch angetriebenen Liegerads "Scorpion fs 26 S-Pedelec"sein, das es auf flotte 45 Stundenkilometer bringt - allerdings im Straßenverkehr wie ein Moped zugelassen werden muss, inklusive Nummernschild. Dafür verfügt das Liege-Pedelec über Blinker, Bremslicht, Hupe und hochleistungsfähige Bremsen, der Nachteil: Man braucht dazu einen Mopedführerschein, der allerdings auch im Pkw-Führerschein enthalten ist. Außerdem ist das Tragen eines Helms Pflicht.

Und - das dürfte in München der größte Nachteil sein - mit dem Rennpedelec darf man nur auf der Straße fahren, nicht auf dem Radweg. Gerade im Liegen kommt der Fahrer den Auspuffen der Autos unfreiwillig nah, wodurch das Radeln nicht wirklich ein Frischlufterlebnis ist. Und im Münchner Berufsverkehr kann wird man dann den Stau eben im Liegen erleben. Wer trotzdem die knapp 9000 Euro für das Liegerad ausgibt, hat zumindest ein Statussymbol, wenn der Porsche mal in der Garage bleiben soll.

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Smartes Schloss

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Quelle: Catherina Hess

Die Welt wird immer smarter, aber nicht klüger, das sollte man nicht verwechseln. Ohne Smartphone kommt ja praktisch keiner mehr aus, fortschrittlichere Zeitgenossen leben gar im Smarthome, in dem automatische Jalousien und Türschlösser zur Grundausstattung gehören. Diesen Fortschrittsmenschen dürfte auch das Bügelschloss "770A SmartX" von Abus gefallen, das für rund 200 Euro quasi richtig super-smart ist, sofern man nicht vergisst, Schloss und Smartphone immer wieder aufzuladen. Das smarte Radschloss lässt sich per App auf dem Handy öffnen, und wenn ein Dieb versucht, es aufzubrechen, lässt es einen Alarmton in einer Lautstärke von 100 Dezibel los. Das ist lauter als ein Laubbläser, sollte es mal einen Fehlalarm geben, macht sich der Besitzer garantiert bei seinen Nachbarn beliebt.

Günstiger, wenn auch nicht billig, sind ganz normale E-Bikes zu haben. Eine Investition von 2000 bis 3000 Euro lohnt sich, wenn man bedenkt, was sich an Parkgebühren, Versicherungen und Sprit fürs Auto sparen lässt.

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Kompaktes Klapprad

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Quelle: Catherina Hess

Klappräder beziehungsweise Falträder sind bei Pendlern beliebt. Manche Modelle lassen sich mit ein paar Handgriffen auf Koffergröße zusammenklappen, dann gibt es auch während der Hauptberufszeit in der S-Bahn keine Probleme. Ein gefaltetes Rad gilt als Gepäckstück, kostet also nichts extra. Für Büropendler, die keine Lust darauf haben, sich beim Strampeln zu verausgaben und verschwitzt in der Arbeit anzukommen, gibt es von nächstem Jahr an auch ein Faltrad mit E-Motor des englischen Herstellers Brompton für stolze 3150 Euro. Der Motor ist als Vorderradnabe verbaut, der Akku wird separat in einer Tasche darüber angeklickt und zum Transport abgenommen. Das E-Klappradl wiegt rund 14 Kilo, die Akkutasche knapp drei Kilo, ginge gewichtsmäßig also auch als Standardgepäck im Flugzeug durch.

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Motorisiertes Mountainbike

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Quelle: Catherina Hess

Den gestressten Großstädter, speziell wenn er in München wohnt, zieht es am Wochenende gern in die Berge. Und weil viele beim schnöden Wandern nicht so richtig entspannen können, brettern sie leidenschaftlich die Berge mit Karacho auf ihren gefederten Hightech-Mountainbikes herunter. Vorbei an schnöden Wanderern oder Almbauern, die das Radvergnügen nur stören. Und mit einem E-Mountainbike wird der Aufstieg auch für die nicht trainierten gestressten Großstädter zum Kinderspiel, da muss man nur um die 4000 Euro investieren, je nach Modell. Weil sich die E-Mountainbiker nicht allzu sehr verausgabt haben, bleibt ihnen dann mehr Kraft, beim Runterrasen noch mal eine Schippe draufzulegen, um es nicht bereiften Bergfexen mal so richtig zeigen zu können.

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Robuster Reifen

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Quelle: Catherina Hess

Fahrradreifen ohne Luft gibt es schon, so lange es Räder gibt. Der Vorteil: Man fährt sich keinen Platten. Der Nachteil: Viele Reifen ohne Luft sind Vollgummireifen, die erstens schwer sind und zweitens keinen besonderen Fahrkomfort bieten, wie man etwa bei den gelben Obike-Leihrädern sieht. Der Reifenhersteller Schwalbe hat nun ein System ersonnen, das unter dem Mantel statt eines Luftschlauchs einen Einsatz aus "expandiertem, thermoplastischem Polyurethan" hat, ein weicher Kunststoff, der auch in Laufschuhen verwendet wird. Der 85 Euro teure Reifen fährt sich wie ein Luftreifen und hat den Vorteil, dass er tatsächlich auch locker über Scherben rollen kann, ohne dabei kaputt zu gehen. Für einen realen Scherbentest empfiehlt es sich, mal am Flaucher direkt am Isarufer entlang zu radeln.

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Hilfreiches Hundecabrio

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Quelle: SZ

Einen Hund in der Großstadt zu halten, ist eine Herausforderung. Das Tier braucht Auslauf, aber zuweilen sind die Wege zum nächsten Park recht weit - und für einen Hund ist weites Laufen auf Asphalt auch kein Vergnügen. Also ab in den Anhänger und in den Englischen Garten oder an die Isar geradelt, in den Dog XL passt auch ein Dobermann. Weil es der Hund bei der Ausfahrt möglichst angenehm haben soll, lässt sich das Teil auch in ein Cabrio verwandeln. Und mit einem solchen liegt man gerade in München nie verkehrt. Wer auf dem Weg zum Englischen Garten über die Leopoldstraße radelt, zieht mit seinem 799 Euro teuren Hundecabrio garantiert mehr Blicke auf sich, als all die altmodischen Cabriolets mit ihren röhrenden Auspuffen und solariumverbrannten Fahrern respektive Fahrerinnen.

© SZ vom 19.07.2018/vewo
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