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Fahrradfahren in München:Das Fahren muss man erstmal üben

Denn gewöhnungsbedürftig sind die Lastenräder zunächst schon. "Wer es nicht kennt, den schmeißt es am Anfang wahrscheinlich um", sagt Bullitt-Fahrer Markus Gebhart. Vor allem in Kurven muss er mit dem Rad sehr viel früher einlenken als bei einem normalen Radl - ganz einfach deshalb, weil das Vorderrad etwa einen knappen Meter vor der Lenkstange sitzt. "Das muss man üben", sagt Gebhart. "Und vorausschauend fahren." Erstaunlich allerdings ist, wie flink man mit dem doch gut 20 Kilo schweren Rad durch die Stadt kommt. Hat man erst einmal Schwung, rollt es erstaunlich flott über die Straßen.

Kein Wunder also, dass auch wieder Gewerbetreibende die Lastenräder für sich entdecken. So zum Beispiel der Kurierdienst Rapid in Neuhausen, der ein halbes Dutzend Bullitts mit E-Antrieb im Einsatz hat - und mit diesen zum Beispiel größere Päckchen und Pakete an seine Kunden liefert. Auch der Expressdienstleister Transimpex aus Sendling setzt auf Lastenräder - und verzichtet im Gegenzug darauf, viele seiner Sendungen in der Innenstadt mit Kurierautos zuzustellen. "Unsere Autokuriere stehen in der Innenstadt eh mehr, als dass sie fahren", heißt es bei Transimpex. Mit den Lastenbikes passiert das nicht.

Auch die Stadt will ihren Teil dazu tun, dass 2014 wirklich zum Jahr des Lastenrades wird: Erst vor kurzem hat der Stadtrat den Weg freigemacht für einen Pilotversuch, bei dem das Wirtschaftsreferat ergründen möchte, ob sich Lastenräder zum Beispiel auch in der Gastronomie oder zum Transport von Gütern auf größeren Firmenarealen eignen. Zwölf Lastenräder sollen im Rahmen des Pilotversuchs angeschafft und verschiedenen Unternehmen für ein Jahr zur Verfügung gestellt werden.

ADFC will kostenloses Rad für Bürger anschaffen

Ziel ist es, ein "möglichst breites Spektrum von Typen, Transportzwecken und Einsatzmöglichkeiten abzudecken", sagt Wolfgang Nickl vom Wirtschaftsreferat. Bislang habe sich "eine große Zahl an Interessenten" gemeldet, in Kürze will die Stadt zusammen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) mehr als 1000 Münchner Unternehmen anschreiben - und ihnen die Teilnahme an dem Probelauf schmackhaft machen. Der Zeitplan jedenfalls ist "ehrgeizig", räumt Nickl ein. Denn bereits Anfang Mai, wenn die Stadt wieder "Radlaktionstage" auf dem Odeonsplatz veranstaltet, sollen die zwölf Fahrräder übergeben werden. Und nicht nur das: Einen Tag lang wird sich auf dem Odeonsplatz auch alles rund um Transporträder drehen.

Der Radfahrerklub ADFC plant zudem, mit Spenden ein oder zwei Lastenfahrräder anzuschaffen, um diese Bürgern kostenlos zur Verfügung zu stellen. "Wir wollen zeigen, dass man in einer Stadt wie München auch gut ohne Auto leben kann", sagt Thomas Schmidt. Das Projekt nennt sich "Daniel - Dein Lastenrad" und lehnt sich an eine Aktion in Köln an. Dort ist " Kasimir" seit gut einem Jahr unterwegs - und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wer das Rad nutzen will, muss sich bei den Initiatoren registrieren. Per Internet können Interessenten das Rad reservieren und dann bei Partnerfirmen (Cafés, Bioläden oder Fahrradwerkstätten) abholen. Es gibt zahlreiche Partner, damit das Lastenrad quasi durch die Stadtteile "tourt" und so möglichst viele es nutzen können. Diese Idee wollen die Münchner ADFC-Leute nun an die Isar holen. Derzeit sammelt der Verein Spenden, denn für ein Lastenfahrrad benötigt der Klub etwa 3000 Euro.

Tanja Gebhart jedenfalls hofft, dass sich viele weitere Nutzer für Lasten- und Transporträder begeistern lassen. "Es ist doch eigentlich ein Unding, mit dem Auto zum Bioladen zu fahren, um dort einzukaufen." Ihr Mann Markus pflichtet ihr bei: "Seitdem wir das Lastenrad haben, fallen einige Dinge komplett weg - beispielsweise so mancher Streit um einen Parkplatz."