Fahndung Mann mit Wolfsmaske vergewaltigt Elfjährige

Nach der Tat in Fasangarten drohte er der Schülerin, sie und ihre Familie zu töten. Die Polizei sucht mit Hochdruck nach dem Unbekannten

Von Martin Bernstein

Der Fall macht selbst langjährige Ermittler fassungslos. "So etwas ist mir in 16 Jahren noch nicht begegnet", sagt Ignaz Raab, der Leiter des für Sexualdelikte zuständigen Kriminalkommissariats 15. Ein Mann mit einer Wolfsmaske und weißen Latexhandschuhen hat am Dienstagnachmittag ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt - mitten in der sogenannten "Ami-Siedlung" im Stadtteil Fasangarten.

Die Schülerin war um 16.30 Uhr auf dem Weg von der S-Bahn-Haltestelle Fasangarten zur Wikingerstraße. Auf einem Verbindungsweg durch eine Grünanlage lauerte ihr der maskierte Täter auf. Laut Polizei hielt er seinem Opfer den Mund zu und zerrte es in ein Gebüsch. Dort riss er dem Kind den Schulranzen vom Rücken. Dann warf er der Schülerin deren Jacke übers Gesicht und missbrauchte sie. Nach der Tat forderte er sie auf, fünf Minuten zu warten, und drohte der Elfjährigen, sie und ihre Familie zu töten, falls sie jemandem etwas erzähle. Er wisse, wo sie wohne, sagte der Unbekannte. Zwei Passantinnen, die aus der Ferne etwas gesehen hatten, bemerkten nicht, dass es sich um eine Vergewaltigung handelte und dass eine der beiden Personen ein Kind war. Als der Mann weg war, rannte die Schülerin nach Hause und erzählte ihrer Mutter, was passiert war. Die Mutter alarmierte die Polizei, eine sofort eingeleitete Fahndung blieb jedoch erfolglos. Die Münchner Polizei richtete eine "Ermittlungsgruppe Wolf" ein. Zehn Beamte des Kommissariats für Sexualdelikte werden darin von Experten aus anderen Fachdezernaten unterstützt. Derzeit wird untersucht, ob der Täter, der Latexhandschuhe trug, dennoch DNA-Spuren hinterlassen hat. Der Fall habe oberste Priorität, hieß es am Mittwoch. Die Ermittler suchen dringend Zeugen. "Uns interessiert jede Information", betont Polizeisprecher Marcus Da Gloria Martins. So könne sich beispielsweise jemand in der S-Bahn oder im Bereich des Tatorts nervös oder auffällig verhalten haben. Vielleicht ist auch ein Mann dabei beobachtet worden, als er versuchte, Gegenstände eiligst loszuwerden.

Spurensuche nach der Tat: Eine Polizistin sucht mithilfe eines Hundes am Rande eines Waldstückes nach Hinweisen.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Denn der Sexualverbrecher, der akzentfrei deutsch sprach, hatte die Tat offenbar gut vorbereitet: Zusätzlich zu den Handschuhen trug der etwa 1,85 Meter große Mann eine Wolfsmaske. Die Polizei veröffentlichte am Mittwoch ein typähnliches Vergleichsbild - ein graublauer Kopf eines Wolfs mit gebleckten Zähnen, aufgerissenem Maul, heller Schnauzenpartie und roten Augen. Es handelt sich um eine Latex-Gummi-Maske, die in Online-Shops unter der Bezeichnung "Böser-Wolf-Maske" verkauft wird. Das Opfer konnte aber erkennen, dass der maskierte Täter braune Haare hat. Der Stimme nach ist er vermutlich mittleren Alters. Bekleidet war er mit einer halblangen braunen Hose, die übers Knie reichte, dunklen Sneakers und einem grauen T-Shirt. Hinweise an die Ermittler unter der Telefonnummer 089/2910-0.

Im Bereich des Tatorts stehen viergeschossige Reihenhäuser, dazwischen mit Bäumen bestandene parkähnliche Grünanlagen, durch die zahlreiche Verbindungswege führen. In der Nähe befindet sich eine Grund- und Mittelschule, vor der die Polizei am Mittwoch gut sichtbar Streife fuhr. Die Präsenz wollen die Beamten auch in den nächsten Tagen aufrecht erhalten.

Auch die Profiler der operativen Fallanalyse wurden eingeschaltet. Sie sollen das Wesen des Täters möglichst genau beschreiben - und werden sich möglicherweise auch für dessen Fernsehverhalten interessieren: In den vergangenen Tagen liefen im Hauptabendprogramm zwei Krimis, in denen Täter Tiermasken trugen. In dem Film "Der gute Bulle" ging es um den Missbrauch von Mädchen in der Nähe einer Schule.