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Fachkräftemangel:Die Hürden des Ausbaus

Die Stadt hat in sechs Jahren mehr als 10 000 zusätzliche Plätze in Krippen und Kindergärten geschaffen, doch es fehlt an Personal

Mehr Kita-Plätze zu schaffen ist schnell gefordert, die Umsetzung aber ist schwer - und eines der größten Probleme dabei ist, dass das nötige Personal fehlt. Die Stadt etwa hat seit 2014, also seit der zurückliegenden Kommunalwahl, 4600 neue Krippenplätze und 6100 zusätzliche Kindergartenplätze geschaffen. Es könnten aber weitaus mehr sein: Denn die Stadt hat im selben Zeitraum zwar 434 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen neu anstellen können. Sie konnte damit aber nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel der neu geschaffenen Stellen besetzen. Alleine in den städtischen Kitas in München sind derzeit mehr als 500 Vollzeitstellen vakant.

Der Mangel an Erziehern sei bundesweit ein Problem, heißt es vom Bildungsreferat. Die Stadt versucht auf mehreren Ebenen gegenzusteuern. So hat sie etwa immer wieder Zulagen gewährt und erhöht, so dass Erzieherinnen ab März bereits ein Einstiegsgehalt in Höhe von 3300 bis 3600 Euro brutto bekommen. Wenn städtische Mitarbeiter Erzieherinnen oder Azubis für die Stadt gewinnen, erhalten sie dafür mittlerweile eine Werbeprämie in Höhe von zwischen 500 und 1000 Euro. Derzeit lässt die Stadt eine Werbekampagne erarbeiten, und sie rekrutiert im Ausland. Im März nehmen elf spanische Erzieherinnen ihre Arbeit in städtischen Kitas auf.

Die Stadt hat außerdem die Bürokratie bei der Einstellung von Erzieherinnen reduziert. Sie wirbt darum, dass in Teilzeit arbeitende Erzieherinnen ihre Stundenzahl aufstocken. Und sie hat schnellere Formen der Ausbildung etabliert. Sie beteiligt sich am "Opti-Prax"-Modell des Freistaats; das Kunstwort steht für "Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen". Wer Abitur oder Fachabitur hat, kann damit nicht wie bisher in fünf Jahren, sondern bereits binnen drei Jahren Erzieherin werden. In der Städtischen Fachakademie für Sozialpädagogik und in städtischen Kitas gibt es ab Herbst jährlich Platz für 100 Azubis in diesem Ausbildungsgang. Ebenfalls im September kommt eine neue "Opti-Prax"-Variante für Bewerberinnen und Bewerber mit Mittlerer Reife hinzu, hier soll die Ausbildung vier Jahre dauern. Und wer später ausschließlich Grundschulkinder betreuen will, kann seine Ausbildung bereits nach zwei Jahren abschließen.

Aber reicht das? Es sei schon vieles angeschoben worden, sagt Julia Schönfeld-Knor, die bildungspolitische Sprecherin der SPD im Stadtrat. Doch es gehe noch mehr. Die Stadt solle trägerübergreifend für den Beruf werben und zum Beispiel überlegen, das pädagogische Personal von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit mehr Zeit für die Kinder bleibe, sagt sie. Dasselbe schlägt Beatrix Burkhardt vor, die kinderpolitische Sprecherin der CSU. Überhaupt müsse man die Arbeitsbedingungen verbessern, denn bislang suchten sich viele Erzieherinnen mit 45 Jahren einen anderen Job, der physisch und psychisch weniger fordernd sei, sagt sie. Als mögliche Entlastung schweben Burkhardt zum Beispiel mehr Auszeiten vor.

Konkret könne die Stadt den Betreuungsschlüssel verändern, sagt Jörg Hoffmann, der OB-Kandidat der FDP. Sind die Gruppen kleiner, werde der Beruf attraktiver. Außerdem solle die Stadt mehr Wohnungen bauen und sie Erzieherinnen zur Verfügung stellen, sagt er. So werde die Stadt als Arbeitgeberin gefragter. Auf Anreize durch Wohnungen setzt auch Jutta Koller (Grüne). Zusätzlich solle man eine Willkommenskultur für Erzieherinnen schaffen und langfristig versuchen, das gesellschaftliche Ansehen des Berufs zu steigern, sagt sie. Und die Stadt müsse mehr Ausbildungsplätze schaffen, damit "jeder Mensch in München, der Erzieher werden will, auch die Chance dazu hat". Und sie müsse den Blick weiten, ergänzt Schönfeld-Knor. Es gebe ja auch zu wenige Berufsschullehrer. Es fehle nicht nur an Erziehern und Kinderpflegern, sondern auch an deren Ausbildern.

© SZ vom 25.01.2020
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