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Olching:Schulklasse tritt zum Ironman an

Ironman Schüler Olching

Anspruchsvolles Terrain: Bei der Vorbereitung auf den Ironman stehen für die Schüler nicht nur Laufen, Schwimmen und Radeln auf dem Stundenplan.

(Foto: F. Schubert/oh)
  • 20 Gymnasiasten aus Olching wollen im Rahmen ihres Projekt-Seminars Sport einen Ironman machen: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren und ein Marathonlauf.
  • Die Schüler treten gemeinsam an und müssen beim Wettbewerb immer zusammen bleiben.
  • Die 20 Schüler bekommen für den Kurs eine Note - neben Kondition und Kraft sollen sie vor allem soziale Kompetenz und Teamfähigkeit lernen.

Von Elisa von Grafenstein

Nach Lebensgefahr sieht es nun wirklich nicht aus, wie Lukas da in der Mitte des Schwimmbeckens planscht: Halbherzig rudert er mit den Armen, die Hilfeschreie gehen im Lachen unter. Doch die beiden Retter zögern nicht lange. Während Felix betont beherzt ins Wasser springt, wirft Ivo dem "Ertrinkenden" einen Rettungsring zu. Wenige Augenblicke später sitzt Lukas sicher am nassen Beckenrand.

Die Gruppe Elftklässler aus Olching, die in der Münchner Olympia-Schwimmhalle ihren Rettungsschwimmer-Schein macht, ist schwer zu übersehen: Auf den überschwemmten Fließen liegen Rettungsseile, an der Wand erklären Zeichnungen, wie man Krämpfe im Wasser lösen kann. Sportlehrer Simon Tschochner geht am Beckenrand auf und ab und beobachtet die Schüler kritisch, die da im Wasser herumalbern und ihren Spaß haben. Den ganzen Tag haben die 16- und 17-Jährigen den Ernstfall geprobt, haben darüber gesprochen, wie man energiesparend schwimmt, welche Hilfsmittel man verwenden kann, um einen Menschen aus dem Wasser zu ziehen, wie Leute in Panik reagieren. Sie haben gelernt, wann es sinnvoll ist, ins Wasser zu gehen und wann nicht. Und dass man sich als Retter nie selbst gefährden darf.

Teamfähigkeit beim Sport lernen

Die 20 Schüler bekommen für den Kurs eine Note. Doch warum sie wirklich hier sind, scheinen sie manchmal zu vergessen. Im Juli wollen die Gymnasiasten im Rahmen ihres Projekt-Seminars Sport einen Ironman machen. Das bedeutet gut 40 Kilometer laufen, 180 Kilometer Fahrradfahren und knapp vier Kilometer schwimmen. Diese Distanzen sollen sie innerhalb von drei Tagen zurücklegen. Gemeinsam.

In den vergangenen Monaten haben die Schüler deswegen begonnen, im Unterricht ihre Kondition zu trainieren. Beim Joggen und auf einem Hinderniskurs, den sie auf der schuleigenen Laufbahn aufgebaut haben. Einmal ließ Sportlehrer Tschochner die Schüler in Dreierteams abwechselnd Huckepack um den Olchinger See laufen. Eine Gaudi für die Jungs. Aber auch wenn ein bisschen Spaß sein muss, hätten sie dabei schon etwas gelernt, sagt Tschochner: "Der Ironman ist nicht machbar, wenn man nur herumalbert."

Die Schüler müssen beim Wettbewerb immer zusammen bleiben. Das hat zwei Gründe. "Wir bekommen nur zwei Lehrkräfte für den Abschlusslauf zur Verfügung gestellt", sagt Tschochner. Er selbst wird vorne mitlaufen, ein Kollege bildet den Abschluss. Der zweite Grund aber ist für den 33-Jährigen noch wichtiger: Das P-Seminar soll vor allem soziale Kompetenz und Teamfähigkeit fördern: Aufeinander zu schauen, die eigenen Schwächen und die der anderen zu erkennen - und zu merken, dass man sich manchmal zugunsten der Gruppe zurücknehmen muss.

Theorie im Winter, Training im Frühling

Eine Doppelstunde in der Woche muss Sportlehrer Simon Tschochner zur Vorbereitung reichen. Themen wie Ernährung, Ausdauer und Muskelaufbau standen im Herbst und Winter auf dem Stundenplan. Die nächsten Wochen sollen sich die Schüler nun konkreter mit der Planung des Projekts beschäftigen. Wo genau soll der Triathlon stattfinden, wie kann man die Etappen kombinieren, müssen Strecken gesperrt werden? Schlafräume, Verpflegung, Material: All das sollen die Schüler organisieren. Auch ein Fahrrad-Reparaturkurs ist geplant, ein Radelwochenende Anfang April und ein Erste-Hilfe-Kurs. Um Sponsoren für die Veranstaltung zu gewinnen, haben die Schüler außerdem ein Video gedreht. Die meisten Szenen sind schon im Kasten, nur der Feinschnitt fehlt noch.

Einige Wochen vor dem Schwimmkurs, ein nebliger Herbstnachmittag, Theoriestunde. Es geht um aerobe und anaerobe Energiegewinnung, Laktatwerte, Glykogen. Ungeteilte Aufmerksamkeit ist dafür nicht immer da. Den 17-jährigen Moritz treibt eine ganz andere Frage um: "Was machen wir denn, wenn einer von uns einen Krampf bekommt? Müssen dann alle aufhören?", fragt er nach dem Referat. Einige Mitschüler raunen zustimmend. Immerhin geht die Bewertung des Projekt-Seminars in ihre Abiturnote ein. "Dafür finden wir schon eine Lösung", beschwichtigt Tschochner. Welche, das sagt er nicht.

"Es wird eine Qual"

Die meisten Schüler sind ohnehin sehr fit. Viele der Jungen kennt der Lehrer, der seit drei Jahren in Olching Sport und Religion unterrichtet, aus der Schulfußball-Mannschaft. Moritz zum Beispiel. Er hat vergangenes Jahr in der Bayernliga Fußball gespielt und trainiert ehrgeizig für den Ironman. Als Einziger der Klasse ist er in der Vorbereitung schon mehrere Marathons gelaufen, den jüngsten in 4:37 Stunden. Er weiß, was auf die Klasse zukommt. "Es ist wirklich eine Qual", sagt Moritz. Vielleicht gehört er deswegen zu denjenigen, die am lautesten am Gelingen des Projekts zweifeln. Denn nicht alle Schüler sind sportlich auf dem gleichen Stand. Es gibt Wackelkandidaten.

Doch eine erste wichtige Etappe für den Triathlon im Juli haben alle bis auf einen geschafft - den Rettungsschwimmer in Bronze. Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihr neues Wissen im Sommer nicht brauchen werden.

© SZ vom 02.04.2015/vewo
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