Extremhindernisläufe:Hangeln, Ziehen, Durchkrabbeln und Drüberklettern

Beim Training geht es vor allem um die Kondition. Denn ohne hält man so einen Hindernislauf nicht aus. Deshalb wird viel gelaufen und gerannt, zehn Kilometer, mindestens. Ediceh Ebadzadeh wird immer langsamer. Aus Laufen wird Joggen, aus Joggen Gehen. Und plötzlich sind die anderen in der Ferne verschwunden. "Nicht meine Stärke. Aber dafür bin ich im Klettern gut." Als sie das erste Mal bei einem Hindernislauf mitmachte, dachte sie nicht, dass sie es schaffen würde. Aber sie hielt durch. "Das ist das geilste Gefühl der Welt."

Das Adrenalin, der Stolz, die Freude. "Leute klopfen dir auf die Schulter, feuern dich an. Hieven dich über irgendein Hindernis drüber." Und dann am Schluss: der Schlamm. Und danach die Fotos. In der Gruppe, einzeln, jubelnd, matschverschmiert mit Medaille.

Die Bilder seien, meint Uwe Kauntz, der Trainer, Zumbalehrer und ehemaliger Marathonläufer, ein Grund dafür, warum der Sport immer beliebter werde. Sie würden geteilt, geklickt, geliked auf Facebook und Instagram. Und die, die sie sehen, denken, sie müssten auch einmal dabei sein.

"Und dann wird daraus eine Art Sucht", sagt Kauntz. Im vergangenen Jahr machte er bei 32 Rennen mit, gründete im Januar den Verein und baut gerade ein eigenes Trainingsgelände in Kirchheim auf, nordöstlich von München. Mit eigenen Hindernissen, mit denen so ein Lauf möglichst gut nachgestellt werden kann. Etwas zum Hangeln, Ziehen, Durchkrabbeln und Drüberklettern. Wann es ganz fertig ist, weiß Kauntz noch nicht. Denn die Hindernisse sind teuer.

Solche Rennen werden tatsächlich immer populärer. Es ist zwar schwer zu schätzen, wie viele Anhänger der Sport in Deutschland wirklich hat - es gibt keinen Verband, kaum Vereine -, aber schon die Anzahl der Hindernisläufe verrät einiges: Mehr als 45 finden dieses Jahr in Deutschland statt.

Allein in Bayern könnte man sich im Juli jedes Wochenende in einem anderen Ort im Schlamm suhlen - beim Rats-Runners bei Aschaffenburg zum Beispiel. Oder beim Wrestling Run in Fürth. Oder beim Rock Race in Würzburg. In München ist der nächste Termin die Xletix Challenge am 24. Juni.

Auch die Frauen vom OCR Munich werden starten. Doch für sie ist dieser Hindernislauf nur einer von vielen: Vorher noch ein Start in Barcelona und ein Trainingscamp in Bilbao. Danach werden einige von ihnen nach Kanada reisen - zu den Weltmeisterschaften nach Toronto. Manche nehmen fast jedes zweite Wochenende an einem anderen Lauf teil. Sie alle investieren viel Zeit, aber auch viel Geld. Die Tickets kosten immer zwischen 50 und 100 Euro.

Hinzu kommen Fahrt, Flug, Unterkunft. Sparen oder auf etwas verzichten würde Ediceh Ebadzadeh deshalb nicht. Sie wohnt noch bei ihrer Mutter, zahlt keine Miete. Für andere sind die Rennen der Urlaub. Vasiliki Krigou, eine 60 Jahre alte Griechin mit blond gefärbtem Haar und rauer Stimme, meint: "Alle Hobbys sind teuer." Und sie habe kein anderes. Na ja, außer: "Handtaschen kaufen."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB