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Exorzismus in München:Auf Teufel komm raus

Offiziell hat die Münchner Erzdiözese keinen Exorzismusbeauftragten, doch ein Ansprechpartner einer geistlichen Gemeinschaft erhält jährlich 300 Anfragen von Menschen, die sich für besessen halten. Sogar einen akuten Fall soll es in München geben: Ein Kampfsportler winde sich wie unter heftigen Schlägen, nun wolle man ihm von der katholischen Kirche helfen lassen.

Franziska Brüning

OLCHING: Pfarrverband / Kirche - Zusammenlegung mit Esting

Ein Drama zwischen Himmel und Hölle: Das "Jüngste Gericht" in der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

(Foto: Johannes Simon)

Den Teufel trifft man auf der Bühne im Theater, beim Fasching oder in Filmen wie "The Rite - Das Ritual" mit Anthony Hopkins, der 2011 in den deutschen Kinos lief. Die wenigsten - abgesehen von Satanisten - glauben aber wirklich an ihn. Um so erstaunlicher ist, dass das personifizierte Böse in vielen Religionen, etwa bei Katholiken, orthodoxen Christen oder im Islam noch immer eine Rolle spielt.

Der Catholica-Referent am Konfessionskundlichen Institut Bensheim Paul Metzger hat dieses Jahr im Marix-Verlag ein Buch mit dem Titel "Der Teufel" veröffentlicht, in dem er dem Glauben an das personifizierte Böse nachspürt. In der Theologie der evangelischen Landeskirchen spielt der Teufel schon seit Ende des 18. Jahrhunderts keine Rolle mehr, sagt Metzger. In den protestantischen Freikirchen hingegen, etwa bei den Siebenten-Tags-Adventisten oder in den sogenannten Pfingstgemeinden sei der Glaube an den Teufel nach wie vor präsent oder gewinne sogar an Anhängern.

"Das aufgeklärte und das evangelikale-fundamentale Christentum driften hier auseinander", sagt Metzger. Das gelte sowohl für ultrakonservativ ausgerichtete Protestanten wie auch für ultrakonservative Katholiken. So zeige sich die junge konservativ orientierte Priestergeneration bei den Katholiken wieder deutlich aufgeschlossener für das umstrittene Exorzismus-Ritual als ihre älteren Kollegen. Tatsächlich schwappt über die katholische Weltkirche, vor allem aus den afrikanischen und südamerikanischen Ländern, der Glaube an einen Satan auch wieder nach Deutschland. Die Pfingstbewegung sei mittlerweile die größte Bedrohung für die katholische Kirche. Das aufgeklärte Christentum sei weltweit auf dem Rückzug, sagt Metzger.

Seit 2005 können sich ausgewählte katholische Priester in Rom in Kursen zu Exorzisten ausbilden lassen. Unter ihnen war 2005 auch ausnahmsweise eine Frau: Alexandra von Teuffenbach, die im Augsburger Sankt-Ulrich-Verlag ihre Erfahrungen und Überzeugungen veröffentlicht hat. Die katholische Theologin, die an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom studiert hat, glaubt fest an einen Kampf zwischen Gott und Teufel. Letzterer hat ihrer Meinung nach in der "radikal entchristlichten" westlichen Industriegesellschaft ein leichtes Spiel. "Alexandra von Teuffenbach steht aber nicht für den Mainstream der katholischen Kirche", betont Metzger.

Die katholische Kirche in Deutschland ist, seit im Jahr 1976 eine 23-jährige Frau in Klingenberg am Main nach mehreren Teufelsaustreibungen gestorben ist, sehr vorsichtig geworden. So ist etwa eine 1999 vom Vatikan überarbeitete Neufassung des Exorzismus-Rituals laut Metzger nicht einmal auf Deutsch erhältlich. Viele katholische Kirchenmänner würden gerne ganz auf das personifizierte Böse verzichten.

Trotzdem gehöre der Teufel kirchenrechtlich und theologisch nach wie vor zur katholischen Kirche. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz ist das Exorzismus-Ritual "eine Bitte an Gott, den Menschen von der Macht des Bösen zu befreien" und wird von den Katholiken als liturgische Feier verstanden. Rein kirchenrechtlich gesehen, müsste sogar jede deutsche Diözese einen Exorzismusbeauftragten haben.

Fragt man im Ordinariat der Erzdiözese München und Freising danach, heißt es, es gebe "keinen speziellen Exorzismusbeauftragten". Inoffiziell sieht die Sache anders aus. Ein Mitglied einer geistlichen Gemeinschaft in der Münchner Erzdiözese, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt, er sei der Ansprechpartner, wenn in der Erzdiözese Menschen auftauchten, die sich für besessen halten. Er erhalte rund 300 solcher Anfragen im Jahr. Oft handle es sich dabei um Menschen aus Osteuropa.

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