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Existenzsorgen:Mieterhöhung für Künstler

Stadt will die Preise in den Domagkateliers deutlich anheben

Wenn der SPD-Politiker Lars Mentrup die Stimmung an jenem Abend beschreiben soll, zögert er nicht lange. "Entsetzt bis geschockt" sollen die Anwesenden gewesen sein, als die Mieter der Domagkateliers Ende vergangener Woche zur Künstlervollversammlung zusammenkamen.

Bei dem Termin wurde bekannt, dass das Kommunalreferat die Mietzahlung für die 99 Ateliers, die der Generalmieter Domagkateliers gGmbH jeden Monat an die Stadt überweisen muss, offenbar drastisch erhöhen will, um 37 bis 44 Prozent, je nach Einzelvertrag, wie Mentrup ausgerechnet hat. "Viele der Künstler machen sich große Sorgen, dass sie sich die Ateliers nicht mehr leisten können", sagt Mentrup, SPD-Fraktionssprecher im örtlichen Bezirksausschuss und Vorsitzender des Vereins Domagk Kunstunterstützung, einer der Gesellschafter der Domagkateliers gGmbH. Der Geschäftsführer dieser Firma, Herbert Windmayer, will Mentrups Rechnung nicht bestätigen. Man stecke noch in den Verhandlungen mit der Stadt, und es gebe Signale der Behörde, einzelne Posten zu streichen. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Aber schon 15 bis 20 Prozent Erhöhung wären für einige Künstler existenzbedrohend", sagt Windmayer.

Das Atelierhaus auf dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne in Schwabing ist der Überrest einer Künstlerkolonie, die einst als die größte Europas galt. Sie fiel dem Neubauquartier Domagkpark zum Opfer, jedoch wurde das "Haus 50" erhalten, eine Institution der Kunstförderung mit subventionierten Mieten. Über die Belegung entscheidet der Stadtrat; die Objekt- und Mieterverwaltung übernimmt seit zehn Jahren die Domagkateliers gGmbH. "Sollte die Erhöhung kommen, müsste die gGmbH diese eins zu eins an die Künstlerinnen und Künstler weitergeben", sagt Mentrup, der an diesem Dienstag einen Eilantrag im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann einbringen wird. Seine Parteikollegen im Stadtrat haben bereits am Montag per Antrag gefordert, die Mieterhöhungen zu stoppen. Der Mietpreis beträgt seit langem zwischen 4,85 und 6,80 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter für die 15 bis 80 Quadratmeter großen Ateliers. Das ist konkurrenzlos günstig in München. Dennoch würden sich manche Künstler die Kosten "auf den Cent genau" ausrechnen, sagt Windmayer. "Für manche wird die Erhöhung eine Härte sein."

Die Stadt begründet die Mieterhöhung mit einem neuen Bewertungsgutachten für das Haus, heißt: das städtische Bewertungsamt hat nach verschiedenen Kriterien einen neuen Quadratmeterpreis festgelegt. Diese Kriterien kennt die Domagkateliers gGmbH derzeit nicht. Man habe das Gutachten angefordert, bisher aber noch nichts erhalten, teilt Geschäftsführer Windmayer mit. Das Kommunalreferat lässt unterdessen die Frage unbeantwortet, weshalb die Miete erhöht werden soll. "Ein Vertragsentwurf zu den Domagkateliers wurde dem Generalmieter bislang nicht zugeleitet. Ich werde mir den Entwurf vorlegen lassen, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden", teilt Referatsleiterin und OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU) mit. "Gemeinsam mit dem Kulturreferat muss eine Lösung geprüft werden, wie mit jedem Ateliernutzer städtischerseits auch in Zukunft fair umgegangen wird." Ihr Ziel sei es schon immer gewesen, so fügt Frank an, Münchner Künstlerinnen und Künstler in ihrem kreativen Schaffen zu unterstützen.