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Existenzbedrohung:Requiem für den Konzertbetrieb

Mozart Requiem am Odeonsplatz. Erreichen möchten die Musiker, dass wieder Publikum in den Konzertsälen, Theatern und Kirchen zugelassen werden.

Mit Mozarts Requiem machen Musiker auf dem Odeonsplatz darauf aufmerksam, dass ihre Existenzgrundlage gefährdet ist.

(Foto: Florian Peljak)

Mit einem Auftritt auf dem Odeonsplatz machen Musiker auf ihre Situation aufmerksam

Von Cora Wucherer

Etwa 120 Musiker und Musikerinnen haben sich am Montag um 18 Uhr auf dem Odeonsplatz versammelt, um auf die Existenzbedrohung ihres Berufsstands aufmerksam zu machen. Sie tun das mit ihrem persönlichen Mittel: Einem Konzert. Fast alle Musiker sind schwarz gekleidet. An der Absperrung, hinter der sie spielen, hängt ein Plakat mit der Aufschrift "Musik braucht viele Stimmen". Die Zuschauer halten Abstand. Zwei ältere Damen sitzen mit Masken auf mitgebrachten Klappstühlen. Mozarts Requiem schallt über den Platz, dann wird es schlagartig still. Die Musizierenden verharren. Es ist eine abrupte Stille, die sofort Unwohlsein auslöst - mit Absicht. Die Pausen im Requiem sollen zeigen, wie schmerzhaft es für die Kulturschaffenden ist, wegen der Corona-Beschränkungen nicht vor Publikum spielen zu können. Dazu zählen nicht nur freiberufliche wie festangestellte Musiker, sondern auch Veranstalter, Bühnentechniker und Beleuchter. Mit dieser "Musikerversammlung" fordern sie, wieder mehr Publikum in Konzertsälen, Theatern und Kirchen zuzulassen. Sie brauchen einen Konzertbetrieb - ihre Lebensgrundlage.

Seit Anfang Juli findet die "Musikerversammlung" jeden Montag auf dem Odeonsplatz statt. "Wir wollen der Musikszene eine Stimme geben", sagt die Organisatorin Andrea Fessmann. "Wenn es möglich ist, im Flugzeug oder in Wirtschaften zu sitzen, soll das auch in Konzertsälen gehen. Wir wünschen uns eine Gleichbehandlung." Die Musikszene werde vernachlässigt und damit die Existenzgrundlage von Musikern gefährdet. Mit der "Musikerversammlung" wollen sie Aufmerksamkeit für den Berufsstand schaffen. Die Musiker, die auf dem Odeonsplatz spielen, nennen sich #trotzcorona-Chor und -Orchester. Die Pausen füllen Reden, von Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, Opernsänger und Kultur-Aktivist, und Thomas Goppel, früher Minister und jetzt Präsident des Bayerischen Musikrats. Er ist nicht in Schwarz gekommen, "damit will ich zeigen, dass das keine Beerdigung für die Musik ist. Es gibt keine Grenze für Musik, sie hat eine kräftige Unterstützung verdient."

Wenn es die verschärften Corona-Regeln zulassen, soll die Musikerversammlung weiterhin jeden Montag stattfinden. "Zumindest so lange, wie es die Licht- und Temperaturverhältnisse zulassen", sagt die Leiterin Andrea Fessmann. Nach eineinhalb Stunden ist es wieder stiller auf dem Odeonsplatz. Das Requiem, Mozarts letzte Komposition vor seinem Tod, ist nach beherztem Applaus verklungen. Die Dämmerung setzt ein.

© SZ vom 22.09.2020

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